Kirchheim

Der Mann überzeugt mit Vielseitigkeit

Kabarett Satiriker Chin Meyer aus Berlin gastierte am Wochenende in der Bastion mit dem Programm „Leben im Plus“. Abwechslung prägt sein Programm. Von Helga Single

In schlichtem Grau: Chin Meyer schillert nicht mit Kostümen, sondern mit enormem Wortwitz und gekonntem Einbeziehen des Publikum
In schlichtem Grau: Chin Meyer schillert nicht mit Kostümen, sondern mit enormem Wortwitz und gekonntem Einbeziehen des Publikums. Foto: Helga Single

Was hat dieser Kabarettist nicht schon alles gemacht? Er war Taxifahrer, Koch, Butler, Masseur, Musical-Darsteller und eben Kabarettist. Und genauso vielschichtig wie sein Leben ist sein Programm „Leben im Plus“. Er witzelt, tanzt, rappt, singt und flirtet mit dem Publikum. Stets dabei ist seine Künstliche Assistentin „Aliri“, eine Mischung aus Alexa und Siri, die im Laufe des Abends eine Eigendynamik entwickelt und mit dem Herrn in der ers­ten Reihe ein „erotisches Abenteuer“ erlebt.

Das Spiel mit dem Publikum in der ersten Reihe beherrscht Chin Meyer souverän. So findet er heraus, dass an diesem Abend die „Bauch-Beine-Po-Gruppe“ aus Ohmden da ist, die als roter Faden durch das Programm herhalten muss. In seiner Show sind Gegensätze sein Leitmotiv, so weit es überhaupt ein durchgängiges Motiv gibt. Das „Leben im Plus“ beleuchtet den Gegensatz von Arm und Reich, mit allen finanziellen und politischen Verstrickungen, die sich daraus entwickeln können.

Früher sei alles einfacher gewesen, aber heute gebe es immer dieses „d“ für divers. Früher gab es Mann, Frau, heute Conchita Wurst. Früher war es klar, was ein Staatschef und was ein Idiot ist, heute ist da Trump. Er witzelt über die Dieselaffäre, Parteien, Politiker, Migration, künstliche Intelligenz, übt Kritik an der Digitalisierung und kommt von „Gus­tav zu Gasthof“.

Ein Feuerwerk an Pointen

Er erklärt das Finanzsystem anhand von Cum-Ex-Geschäften und Cum-Cum-Steuertricks der Herren Erwin Drogeriekönig Müller, Schalke-Boss Clemens Tönnies und Selfmade-Millionär Carsten Maschmeyer. Er schlüpft in die Rollen des indischen Gurus „Money Well“, des Steuerfahnders „Siegmund von Treiber“ und des Unternehmensberaters „Jack“ aus den USA, der dazu rät, eine neue App von „Digital Disruption“ zu entwickeln, um reich zu werden. Damit ließen sich nicht nur alle Dienstleistungen revolutionieren, sondern auch die analoge Partnersuch-App „Mutti und Papi“ ablösen.

Sein Feuerwerk an Pointen unterbrechen gesangliche Einlagen mit Rap, Reggae und Schlagerparodien zum Mitschunkeln. Er schafft es, den Funken überspringen zu lassen. Das Publikum macht begeistert mit. „Aliri“ streut Blondinen- und Beamtenwitze ein und nimmt sich selbst auf die Schippe. „Was ist eine Blondine, die sich die Haare schwarz färbt?“ - künstliche Intelligenz.

Chin Meyers Resümee lautet, dass wir in dieser globalisierten und digitalisierten Welt Gegensätze aushalten müssen. Mit Humor ließen sich viele dieser Widersprüche aushalten. Er sei froh, dass wir „biologischen Wesen“ reden, lachen, empathisch und sozial sein dürfen.

Sein Programm wurde mit großem Applaus bedacht. Für die Zugabe musste ein Pärchen viele private Details über seine „Kennenlernphase“ preisgeben, was sie auch bereitwillig taten. Was der Künstler spontan daraus formte - einen eingängigen Schlager, der die Bastion zum Brodeln brachte. Insgesamt genoss das Publikum - Nomen est Omen mit einem „Leben im Plus“ - diesen gelungenen Abend mit viel Wortwitz, gro­ßen und kleinen Geschichten und einem Künstler, der es versteht, zu unterhalten.

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