Kirchheim

Der Mut wird belohnt

Nachwuchstalente Energie und ungewohnte Klänge: Allseits zufriedene Gesichter gibt es nach dem ersten Abend mit „Locals in Concert“ am vergangenen Freitag in der Kirchheimer Bastion. Von Bernhard Fischer

Foto: Bernhard Fischer

Mutige voran. Der erste Auftritt überhaupt, gleich als erste Band auf der Bühne des Clubs Bastion, die schon so viele berühmte Namen erlebt hat, und das nur zu zweit. Alle Achtung vor „Tapper Off“. Elia Marc Bimberg als Sänger und Gitarrist und Phi­lipp Kubicka am Schlagzeug haben sich viel vorgenommen. Zwei Jahre haben sie gemeinsam an ihren Songs getüftelt, jetzt spielt und singt Elia mit maximaler Energie. Die beiden beginnen zwar fast klassisch zurückhaltend im „Intro“, danach geht‘s schnell und laut weiter mit „Keep Happening“. Vorn am Bühnenrand schlägt Elia verzerrte Akkorde und schreit seine Songs ins Publikum, hinten am Schlagzeug gibt Philipp den Stücken Rückhalt. Die „Ballade“ beginnt nur kurz mit etwas leiseren melancholischen Akkorden, bevor auch dieses Stück schnell wieder Intensität gewinnt.

Nur zu zweit auf der Bühne, das erfordert maximale Reduktion und lässt größere Freiheiten der Improvisation oder des Melodiespiels nicht zu. Stattdessen ergeben sich immer wieder interessante Wechselspiele zwischen Gitarre und Schlagzeug. Leider sind die Texte nahezu nicht zu verstehen, und die beiden haben mit gewandtem Plaudern mit dem Publikum (noch) nichts am Hut. Die Titel der Stücke wie „Anxiety“ oder „Sickening“ lassen jedoch vermuten, dass sich die selbst geschriebenen Songs sehr persönlich mit der Lebenswelt der beiden auseinandersetzen. Ein gelungene erste Vorstellung.

Mehr Bühnenpräsenz

Deutlich mehr Bühnenerfahrung bringt die zweite Band des Abends mit. Aus Wendlingen ist die Gruppe „Ohne Kompass“ angereist und hat gleich zahlreiche Freunde mitgebracht. Die fünf jungen Musiker sind seit etwa zwei Jahren in der Region unterwegs und haben sich von den Großen der Szene einiges abgeschaut. Das fängt schon beim großen, stilvoll gestalteten Bandbanner hinter der Bühne an, geht weiter mit einem gestylten Beginn mit dem Rücken zum Publikum und gipfelt in der lockeren Präsentation der Band durch Sänger Tobi Haußmann.

Sphärische Akkorde verdichten sich zu dichten Rockrhythmen. Die einzelnen Songs sind kunstvoll arrangiert, wechseln immer wieder Stimmungen und Tempi. Die Besetzung aus zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Sänger bietet auch die Möglichkeit, immer wieder ungewohnte Klänge einzubauen.

Als „traurige Lieder“ bezeichnet die Band ihre Stilrichtung, mit einem guten Schuss Ironie, der sich durch viele der deutsch gesungenen Texte zieht. „Zu vieles verloren, vor allem mich selbst“; Trotzdem strahlen die Texte durchaus Engagement aus: „Wir bleiben Optimisten und unsere Hoffnung stirbt zuletzt.“

Dani, Dino, Nico, Passi und Tobi musizieren als homogene Einheit, lassen aber auch Raum für den eindrucksvollen Gesang von Sänger Tobi Haußmann, der sich zudem an Trompete, Gitarre und als Trommler präsentieren darf. Einziger Wermutstropfen: Die Show mit gekonntem Abgang der Musiker ging allzu früh zu Ende. Andererseits hatte jeder Verständnis, dass Tobi mit akuten Halsproblemen seine Stimme schonen musste.

Viele waren an diesem Abend zum ersten Mal in den Gewölbekeller gekommen und waren wie die Musiker begeistert von der Atmosphäre des Clubs. Auch die Macher freuen sich schon auf die nächste Ausgabe der „Locals in Concert“, die am Freitag, 22. März, vorgesehen ist. Spannend, welche Talente sich dann zeigen dürfen. Quer durch alle Musikrichtungen sind annähernd 20 Bewerbungen eingegangen, weitere Bewerbungen sind willkommen. Alle Infos finden sich auf der Homepage des Clubs.

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