Kirchheim

Der Wald ist in Not

Wetter Der trockene April macht den Bäumen des Waldes mächtig zu schaffen. Größtes Sorgenkind ist der Fichtenbestand, da die Bäume anfälliger gegenüber dem Borkenkäfer werden. Von Antje Dörr

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Revierförster Benjamin Fischer ist derzeit sogar gezwungen, seine Mitarbeiter zu
Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Revierförster Benjamin Fischer ist derzeit sogar gezwungen, seine Mitarbeiter zum Gießen der frisch gepflanzten Bäume zu schicken. Foto: Carsten Riedl

In den Wäldern Kirchheims und Dettingens konnte man kürzlich eine Skurrilität beobachten, die viel darüber aussagt, wie es um die grüne Lunge bestellt ist. Und die nichts Gutes ahnen lässt. Im Talwald und im Dachsbühl, dort, wo kürzlich über 1 000 junge Bäume gepflanzt worden sind, wurde Fassweise Wasser angekarrt, um die Jungpflanzen vor dem Verdorren zu bewahren. Wald gießen im April. „Diese jungen Bäume haben am meisten mit der Wasserknappheit zu kämpfen“, sagt Revierförster Benjamin Fischer. Gießen könne man nur punktuell, weil der Aufwand enorm und trotz der Hilfe eines Landwirts und des Bauhofs kaum zu schaffen sei.

Auch gestandene Bäume leiden unter der Trockenheit. Größtes Sorgenkind Fischers ist die Fichte. Regnet es zu wenig, wird sie anfälliger für Borkenkäfer, weil sie ohne Wasser zu wenig Harz produziert. Harz ist jedoch die einzige Waffe, die der Fichte im Kampf gegen die Plagegeister zur Verfügung steht. Vorbelastet seien die Bestände zudem durch den Sturm im Februar, der ihre Feinwurzeln hat abreißen lassen. Die Folge: Saugprobleme. Auch die robustere Eiche und die Buche bereiten dem Förster Probleme. „Bei Trockenheit werden die Kronen dürr, und es entsteht mehr Totholz.“ Das mindert nicht nur den Ertrag, sondern ist auch eine mögliche Gefahr für alle, die sich im Wald aufhalten. Und es bedeutet zusätzliche Arbeit für die Mitarbeiter Fischers, die die Bestände häufiger auf Äste kontrollieren müssen, die herabfallen könnten.

So frisch und grün der Wald momentan erscheint, so düster sieht es unter seiner Oberfläche aus. „Sobald die Blätter da sind, verdunstet der Baum Wasser, und wenn dann von unten nichts nachkommt, hat er ein Problem“, sagt Benjamin Fischer. Sein Wunsch: „Wir bräuchten jetzt mal dringend eine Woche gemütlichen Regen.“ Starkregen bringe nichts, weil der Boden das Wasser nicht aufnehmen könne. Die Folgen der Trockenheit seien nicht zuletzt für die vielen Menschen, die sich momentan aufgrund der Coronakrise im Wald aufhielten, unangenehm. „Die Wege sind sehr trocken, und wenn wir mit unseren Fahrzeugen durchfahren, wird viel Staub aufgewirbelt“, sagt Fischer. Nicht zu unterschätzen ist auch die Waldbrandgefahr, die der Deutsche Wetterdienst täglich neu erhebt und die für April ungewöhnlich hoch ist. Das liege unter anderem am trockenen Laub, bestätigt Benjamin Fischer. Sein Appell an die Besucher im Wald: nicht rauchen, und erst recht kein Feuer machen.

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