Kirchheim

Der Weg zum Glück

Senioren Älterwerden ist nicht immer leicht. Um nicht in Depressionen zu verfallen, sollte man rausgehen und Angebote wahrnehmen, rät Inge Hafner. Von Katja Eisenhardt

Bewegung tut gut. Das wissen auch die Aktiven von „Lust am Wandern“, einem Angebot von Stadt und Albverein. Fotos: Andreas Kaier
Bewegung tut gut. Das wissen auch die Aktiven von „Lust am Wandern“, einem Angebot von Stadt und Albverein. Fotos: Andreas Kaier/Eisenhardt

Rund ums Älterwerden drehte es sich bei der Kirchheimer Seniorenmesse in der Stadthalle. Erstmals wurden fünf verschiedene Vorträge ins Programm der Kirchheimer Seniorenmesse aufgenommen. „Wir haben dafür aktuelle Themen wie das gerade sehr präsente Thema Abzocke durch Betrüger am Telefon aufgegriffen“, sagt Brigitte Hartmann-Theel, Abteilungsleiterin Soziales bei der Stadt. Paul Mejzlik, Kriminalhauptkommissar des Polizeipräsidiums Reutlingen, leistete Aufklärungsarbeit. Vorgestellt wurde auch das Berufsbild Altenpfleger, es gab Infos zu den Entlastungsmöglichkeiten in der Pflege sowie zum Thema Selbstbestimmung und Menschenwürde bis zuletzt.

Um das „Glück in sieben Kapiteln“ ging es bei Inge Hafner, Sozialwissenschaftlerin und ehemaligen Altenhilfeplanerin im Landkreis Esslingen.

„Glück ist Bewusstsein, Sinn, Bewegung, Lernen, Anerkennung, Begegnung und dazu noch fast umsonst“, fasste Inge Hafner ihre sieben Kapitel zusammen. Sie nennt Beispiele, Themen wie Depression und Unzufriedenheit im Alltag. Das sei häufig ein Thema bei Menschen, die jemanden pflegen - seien das nun Hauptamtliche oder auch pflegende Angehörige.

Versäume man es, in dieser Zeit immer wieder für glückliche Momente im Alltag zu sorgen, gerade auch für sich selbst, so laufe man nicht selten Gefahr, selbst eine Depression zu entwickeln, weiß Hafner. Schon kleine Übungen könnten hier Abhilfe schaffen: „Schreiben Sie täglich abends drei Dinge auf, die an diesem Tag schön waren, oder pflegen sie täglich ein bestimmtes Ritual, das Sie glücklich macht“, sagt sie. „Es geht darum, die kleinen Dinge des Alltags wieder schätzen zu lernen, auf sie zu achten“, rät Inge Hafner. Überhaupt: Durch die heutigen medizinischen Möglichkeiten habe man „ein Generationenleben dazugewonnen“, die Lebenserwartung steige stetig. Entsprechend müsse man aktiv bleiben, seine Talente und Interessen niemals aufgeben. „Dankbarkeit und eine gewisse Portion Demut können ebenso dazu führen, dass man ein sehr zufriedenes Leben bis ins hohe Alter führen kann.“

Ein weiterer Glücksgarant: die regelmäßige Bewegung. „Experten raten zu dreimal 30 Minuten pro Woche.“ Das sorge dank der ausgeschütteten „Glückshormone“ für zufriedene Momente. „Bewegung hebt die Stimmung und wirkt dem Schwund der grauen Zellen und auch der Depression erfolgreich entgegen, wenn das Serotonin freigesetzt wird“, weiß Inge Hafner. Also: Auch bei trübem Wetter rausgehen. „Wenn Sie zurückkommen, wird es Ihnen definitiv besser gehen.“

Glück entstehe zudem durch lebenslanges Lernen und die Sammlung neuer Erfahrungen, nennt Inge Hafner ein weiteres Kapitel. „Was kann jeder Mensch zu einem geglückten Tag beitragen?“ Jedes Interesse steigere die Lebenslust. So habe ihr eine Seniorin erzählt, sie habe jetzt skypen gelernt, weil der Enkel ein Praktikum in Südafrika mache. Dass Glück ebenso durch Begegnungen und Bindungen entstehe, zeige sich beispielsweise in den in Kirchheim gut funktionierenden Quartiersnetzwerken. „Glück ist etwas, das aus dem Inneren kommt, es ist eine persönliche Anstrengung. Man kann es nicht erzwingen, aber man kann ihm den Boden bereiten.“

Inge Hafner. Foto: Katja Eisenhardt

Älterwerden hat viele Facetten - ein Spaziergang über die Senioren-Messe in der Kirchheimer Stadthalle

Das Älterwerden beinhaltet unterschiedliche Aspekte - das zeigt die hohe Anzahl von 25 Ausstellern auf der dritten Kirchheimer Seniorenmesse. Auf der Messe waren Senioren- und Pflegeheime mit ihren Angeboten ebenso vertreten wie das Sport- und Gesundheitswesen oder Bildungseinrichtungen. Beim Rundgang zeigt sich das Spektrum schnell. Ein Auszug:

Bildung Die Mitarbeiterinnen der Kirchheimer Stadtbücherei stellten die Vorteile der Online-Bibliothek vor, ein Angebot des Verbunds von Bibliotheken aus dem Landkreisen Göppingen und Esslingen, über das man rund 30 000 digitale Medien bequem von zu Hause aus via Internet nutzen kann - „dazu bei Bedarf auch in größerer Schrift“, ergänzte Kathrin Uhl.

Altenpflege Jürgen Schnizler und seine Kollegen von der Berufsfachschule für Altenpflege (Deutsche Angestellten-Akademie) in Kirchheim erläuterten Interessierten die Ausbildungswege Altenpfleger und Altenpflegehelfer. Letzteres richte sich zudem an Migranten, die zu Beginn der zweijährigen Ausbildung mindestens das A2-Sprachniveau erreicht haben. „Bewerber haben wir für beide Ausbildungsgänge viele, für die Altenpflege sind es vorwiegend Frauen, beim Altenpflegehelfer deutlich mehr Männer, gerade in der Gruppe der Migranten.“ Man müsse dafür nicht frisch von der Schule kommen, so Schnizler, „viele satteln auch mit 45, 50 noch mal um oder steigen erneut ins Berufsleben ein.“

Bewegung Aktiv werden konnte man am „Plaudertisch“ von Astro Sport aus Waiblingen, den Isabella Winger probierfreudigen Besuchern erklärte. Der Tisch, an den man entweder mit dem normalen Stuhl oder auch einem Rollstuhl sitzen kann, ist besonders für Senioren- und Pflegeheime eine neue Möglichkeit der gemeinsamen Bewegung und gleichzeitigen Begegnung. Montiert sind drei Bewegungselemente für Arme und Beine: die „Drehorgel“, die „Kaffeemühle“, und das „Fahrrad“ - benannt nach den entsprechenden Bewegungen, die damit ausgeführt werden. „Es sind bekannte Bewegungsabläufe, die sich dadurch auch für demenziell Erkrankte als spontane und selbst erklärende Aktivität eignen“, so Winger. eis

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