Kirchheim

Die AG Hospiz klärt über die „Letzte Hilfe“ auf

Kurs Sterben, Sterbebegleitung zuhause und Abschiednehmen stehen im Mittelpunkt eines neuen Seminars.

Auch Symbole spielen bei der Sterbebegleitung eine wichtige Rolle. Symbolfoto
Auch Symbole spielen bei der Sterbebegleitung eine wichtige Rolle. Symbolfoto

Kirchheim. Die letzten Dinge zu regeln, ist eine Aufgabe, die auf jeden einmal zukommt. Die Kirchheimer Arbeitsgemeinschaft Hospiz bietet dabei Begleitung und Unterstützung an. Ein ganz neues Seminar nimmt jetzt speziell die Sterbephase in den Blick. In Anlehnung an „Erste-Hilfe-Kurse“ geht es hier um die „Letzte Hilfe“.

Die Kurse gehen zurück auf den Palliativmediziner Georg Bollig und werden überall mit denselben Materialien und nach demselben Grundmuster abgehalten. „Die Hauptaufgabe besteht darin, den Menschen die Schwellenangst zu nehmen, wenn es darum geht, sich mit dem Thema Tod zu befassen. Wir wollen ihnen aber auch die Angst nehmen, etwas falsch machen zu können“, sagt Reinhard Eberst, Leiter der Diakonischen Bezirksstelle und zugleich Geschäftsführer der AG Hospiz in Kirchheim.

Mit dem Tabuthema Tod gehen oft große Unsicherheiten einher. Die „Letzte Hilfe“ soll deshalb aufzeigen, was man als Angehöriger tun kann und welche Hilfsmöglichkeiten bestehen. Das Sterben zuhause soll als Alternative zum Krankenhaus im Blickpunkt stehen. Für Reinhard Eberst schließt sich mit dem Tod ein Kreis, der mit der Geburt be­ginnt. Beides vergleicht er direkt: „So wie es einen Trend zur Hausgeburt gibt, wollen wir auch bei der Sterbebegleitung das Zutrauen ins eigene Wissen und eigene Können stärken.“

Angelika Bauer, eine der hauptamtlichen Koordinatorinnen, ergänzt: „Es geht uns auch um Aufklärung, damit es nicht noch in den letzten Minuten zur Einweisung ins Krankenhaus kommen muss.“ Zuhause ist oft mehr Ruhe - auch fürs Sterben und fürs Abschiednehmen im Kreis der Familie.

Ihre Kollegin Sandra Beck stellt fest: „Es gibt bei der Sterbebegleitung kein Richtig und kein Falsch. Das muss jeder so machen, wie er es für richtig hält. Was für die einen normal ist, wäre für die anderen völlig undenkbar.“ Deswegen will die „Letzte Hilfe“ auch nur Wege fürs Sterben zuhause aufzeigen, es aber keinesfalls als den alleinigen Weg darstellen.

Trotzdem sieht Reinhilde Kohnle-Vöhringer, eine der zertifizierten Kursleiterinnen, eine große Schwierigkeit darin, den Tod örtlich „auszulagern“: „In unserer Leis­tungsgesellschaft schieben wir Trauer und Tränen gerne weg. Viele meinen, es beträfe sie nicht so, wenn der Angehörige woanders stirbt.“ Das sei allerdings ein Trugschluss. Im Gegenteil, der Tod kann einen gerade dann viel stärker treffen, weil man sich durch das Verdrängen nicht richtig mit ihm auseinandergesetzt hat.

„Es geht auch darum, da zu sein und das Sterben auszuhalten“, sagt Angelika Bauer, während Sandra Beck zusätzlich auf positive Auswirkungen für den Familienzusammenhalt verweist - wenn man die Ausnahmesituation gemeinsam durchgestanden hat. Häufig ist es für die Angehörigen am schlimmsten, dass sie nichts tun können. Dabei lässt sich sehr viel tun, einfach durchs Dabeisein.

Auch Schmerzen sind nicht mehr das ganz große Thema, sagen die Kursleiterinnen: „Die heutige Palliativmedizin ermöglicht ein relativ schmerzfreies Leben, bis zum Ende.“ Die größere Schwierigkeit bestehe für viele Sterbende darin, ihre Autonomie und Selbstbestimmung abgeben und sich helfen lassen zu müssen. Solche Hilfe können die Kursteilnehmer am eigenen Leib erproben - indem sie etwa lernen, wie es sich anfühlt, wenn einem ein anderer den Mund befeuchtet.

Wie die Teilnehmer im „Letzte-Hilfe-Kurs“ an die Hand genommen werden, können sie ihrerseits auch Kinder an die Hand nehmen, gerade bei der Beerdigung. Weder solle man Kinder zu etwas zwingen noch etwas zwanghaft von ihnen fernhalten. Es geht darum, den Tod als das zu erleben, was er ist: natürlich.  Andreas Volz

Info: Die nächsten Kurse gibt es am 7. Oktober in Lenningen und am 6. November in Kirchheim. Informationen sind telefonisch unter 0 70 21/9 20 92 27 oder per E-Mail an info@hospiz-kirchheim.de erhältlich.

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