Kirchheim

Die atomare Bedrohung ist aktueller denn je

Geschichte Mit 45 Gedenkminuten erinnern Kirchheimer Bündnisse an den Atombombenabwurf vor 75 Jahren.

Mit 45 Gedenkminuten erinnern Kirchheimer Bündnisse an den Atombombenabwurf vor 75 Jahren. Foto: Markus Brändli
Mit 45 Gedenkminuten erinnern Kirchheimer Bündnisse an den Atombombenabwurf vor 75 Jahren. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Das unfassbare Leid, das die Bewohner Hiroshimas am 6. August und drei Tage später in Nagasaki vor 75 Jahren erlitten haben, ist schwer in Worte zu fassen. Bis heute sind mehr als 270 000 Menschen direkt oder an den Folgen des Atombombenabwurfs gestorben. Mit Gedichten, Friedensliedern und kurzen Texten zur Besinnung haben gestern Vertreter von Attac und Pax Christi mit Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader und dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold einen würdigen Rahmen in 45 Gedenkminuten geschaffen.

Weltweit 13 000 Sprengköpfe

Attac-Mitglied Hans Dörr nahm vor rund 50 Zuhörern im Garten des Vogthauses Bezug auf ein Zitat des Dichters Günther Anders und sprach vom Beginn eines „apokalyptischen Zeitalters“. Seit 75 Jahren sei die Menschheit in der Lage, sich selbst zu vernichten und auch aktuell gebe es weltweit mindestens 13 000 Atomsprengköpfe. Dass es trotz der Bedrohung schwerfällt, die Bevölkerung aufzurütteln, ist ein Phänomen, das schon der Dramatiker Bertolt Brecht kannte. Auch ihn zitierte Hans Dörr am gestrigen Gedenktag und mahnte: „Lasst uns das 1000 Mal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde.“

Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader nutzte die 45 Minuten, um seinen persönlichen Beitritt zur weltweiten Organisation „Mayors for peace“ (Bürgermeister für Frieden) zu erklären und damit die Tradition seiner Amtsvorgängerin Angelika Matt-Heidecker fortzuführen. „Es ist wichtig, sich zu erinnern, was passieren kann“, sagte er und erinnerte bei der Gelegenheit selbst daran, dass Kirchheim schon einmal Position bezogen hatte: 1984 stimmte der Gemeinderat gegen die Stationierung und den Transport von Atomwaffen in einem Umkreis von 50 Kilometern Luftlinie zum Stadtgebiet. Mit dabei war damals Willi Kamphausen. Der ehemalige Stadtrat lud die Anwesenden nun zu einem Friedensgottesdienst auf dem Kirchheimer Martinskirchplatz am 27. September ein sowie zu einem Vortrag zum Thema „Sicherheit neu denken“ am 12. Oktober in Kirchheim.

Karl-Heinz Wiest von Pax Christi formulierte die Forderung der Gedenkstunde: „Schaffen Sie die Atomwaffen ab“, sagte er unter Applaus. Es sei Zeit, dass der Atomwaffenverbotsvertrag von 2017 ratifiziert werde. Bis heute haben ihn 81 Staaten unterzeichnet, 40 haben ihn ratifiziert, zehn fehlen noch. Ein Anfang könnte der Abzug der Waffen in Büchel sein: Am Fliegerhorst in Rheinland-Pfalz werden immer noch US-Atomwaffen gelagert. Thomas Zapp

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