Kirchheim

Die Bäder-Ehe hat Bestand

Freizeit Das Dettinger Hallenbad wurde in mehreren Etappen saniert und ist seit Montag wieder in Betrieb. Eine Planungsgruppe soll die Realisierung des Kirchheimer Hallenbads vorantreiben. Von Iris Häfner

Pascal Bader (links) und Rainer Haußmann überzeugen sich von der Qualität des sanierten Dettinger Hallenbads. Seit Montag steht
Pascal Bader (links) und Rainer Haußmann überzeugen sich von der Qualität des sanierten Dettinger Hallenbads. Seit Montag steht es für die Schwimmer termingerecht wieder zur Verfügung. Foto: Markus Brändli

In neuem Glanz und mit ein wenig Retro-Charme erstrahlt das 1975 gebaute und für rund 2,29 Millionen Euro sanierte Dettinger Hallenbad. Orange zieht sich ein wenig als Farb-Leitfaden durch die Schwimmhalle - eine Reminiszenz an die 70er Jahre zum einen, und schwäbische Nachhaltigkeit zum anderen. Denn warum sollen neue Bänke her, wenn die mit orangefarbenen Fließen gemauerten Sitze noch einwandfrei sind?

Wie geplant ist die Sanierung zum Schulstart am Montag über die Bühne gegangen. An den Kosten hat sich die Stadt Kirchheim mit 70 Prozent maßgeblich beteiligt. Es nagt am Stolz nicht weniger Bürger, dass die Große Kreisstadt Kirchheim seit Mai 2011 kein eigenes Hallenbad mehr besitzt, zum Schwimmen ins kleine Dettingen oder sonst wohin fahren muss. Kein Wunder also, dass das fehlende Bad ein zentrales Thema bei der Oberbürgermeisterwahl Ende vergangenen Jahres war. Nicht zuletzt wegen des Kandidaten Dr.  Pascal Bader, der nun an der Spitze der Verwaltung steht.

Ihm war im Wahlkampf die Denkpause für einen Neubau bis 2024 ein Dorn im Auge - und ist es heute noch. „Wenn wir erst 2024 mit der Planung beginnen, wird das nichts mit einer Eröffnung 2030. Wir müssen uns jetzt schon Gedanken darüber machen“, ist der Oberbürgermeister überzeugt. Deshalb hat er eine Planungsgruppe ins Leben gerufen, um das Projekt vorantreiben zu können. Mit im Boot sind die Stadtwerke, Schulen und Vereine. „Um eine gewisse Entscheidung treffen zu können, müssen wir wissen, was wir konkret wollen“, erklärt Pascal Bader. Ein Investorenmodell findet er schwierig. „Die Kosten verschieben sich in die Zukunft, das ist nicht mein Ding“, sagt er.

Auch einem Spaßbad erteilt er eine Absage, nicht zuletzt deshalb, weil es dafür keine Zuschüsse gibt. Auf die spekuliert und hofft er. Wenngleich es mehr „ein Gefühl“ sei, dass möglicherweise Gelder fließen, so hat er doch „vage Ankündigungen“ diesbezüglich wahrgenommen. Für ihn stehen die Nutzer im Vordergrund, also Schulen und wassersporttreibende Vereine sowie schwimmbegeisterte Besucher.

Zwei Standorte sieht er im Fokus: das Bahnhofsgelände oder der Bereich beim Freibad. „Das Gelände beim Freibad wäre gut geeignet, so könnten sich Synergien nutzen lassen. Man muss das Pro und Contra beider Standorte abwägen“, erklärt er. Außer Frage steht für ihn jedoch, dass man mit dem Bus dorthin kommen muss. Das alles will er in den nächsten Monaten mit Vereinen, Schulen und Gemeinderat klären. „Bis Ende 2021 sollten wir das wegen der weiteren Planung entschieden haben, damit wir bei möglichen Förderungen in den Startlöchern stehen können“, sagt er. Sollte das Hallenbad dann schon 2028 seine Pforten öffnen können, umso besser aus Sicht von Pascal Bader.

Dieses ehrgeizige Ziel treibt Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann keine allzu großen Sorgenfalten ins Gesicht. Diesbezüglich werde sich bestimmt eine Lösung finden, ist er überzeugt. Bislang ist die Stadt Kirchheim vertraglich bis 2030 an die Nachbarkommune gebunden. Solange läuft der Nutzungsvertrag im Dettingen Hallenbad. Das war auch die Grundlage dafür, das Bad grundlegend zu sanieren, sodass es den aktuellen, strengen Hygieneauflagen entspricht, die schon vor Corona gefordert wurden. Vom Zustand machte sich Pascal Bader auf Einladung seines Dettinger Kollegen gestern selbst ein Bild. Er hatte nichts zu deuteln.

Rainer Haußmann erinnerte an die schwierige finanzielle Situation 2011 für die öffentlichen Haushalte. „Es war eine kluge interkommunale Entscheidung, in das besser erhaltene Bad gemeinsam zu investieren und zu nutzen bis Kirchheim ein eigenes Hallen realisiert hat“, sagt er. Dann wird Dettingen dort Schwimmzeiten buchen und bezahlen.

„Wir mussten sogar 675 000 Euro weniger ausgeben - vorausgesetzt das Flachdach hält bis 2030“, kann Rainer Haußmann eine positive Bilanz ziehen. Er freut sich auch darüber, dass die 2017 begonnene Sanierung nur zehn Prozent Kostensteigerung verzeichnen muss. Im Verhältnis zu den kalkulierten Gesamtkosten wird es für Kirchheim rund 600 000 Euro und für die Gemeinde Dettingen rund 200 000 Euro günstiger.

Zahlen rund um die Hallenbad-Sanierung

Grundlage für die Gemeinderatsentscheidungen in Kirchheim und Dettingen zur Verlängerung der Bäderkooperation bis 2030 war eine 2016 erstellte Kostenschätzung in Höhe von rund 2,95 Millionen Euro netto. Der Vertrag regelt, dass die Investitionskosten der Gemeinde Dettingen zu 70 Prozent von der Stadt Kirchheim zu bezahlen sind.

Die Kosten für die Stadt Kirchheim belaufen sich nach der vorläufigen Abrechnung auf rund 1,61 Millionen Euro brutto. Die Kostenschätzung lag bei rund 2,24 Millionen Euro.

Dettingen muss für die Sanierung laut vorläufiger Abrechnung 680 000 Euro bezahlen.

Die Fördermittel fallen bei diesem Millionen-Projekt dagegen recht bescheiden aus: 71 000 Euro von der Nationalen Klimaschutzinitiative, Bundesförderung Lüftungsanlage und knapp 15 000 Euro ebenfalls von der Nationalen Klimaschutzinitiative, Bundesförderung LED für die Beleuchtung der Schwimmhalle. Auch hier wird gerecht mit 70 beziehungsweise 30 Prozent zwischen den Kommunen geteilt. ih

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