Kirchheim
Die Bäume leiden unter der Hitzewelle

Forst Im Dürre-Stress werfen die Buchen im zweiten heißen Sommer in Folge grüne Blätter ab. Den Wäldern im Kreis geht es aber vergleichsweise noch gut. Von Iris Häfner

Die lang anhaltende Trockenheit samt heißer Temperaturen machen nicht nur Mensch und Tier zu schaffen, sondern auch den Bäumen. Wer durch die Wälder marschiert, erkennt die Anzeichen, dass die Bäume unter dem mangelndem Niederschlag leiden. Der Boden ist selbst im tiefsten Tann komplett ausgetrocknet, und geschotterte Wege weisen lange Risse auf. Gesprenkelt sind sie nicht nur mit welken Blättern, sondern immer mehr auch mit grünen. Dieser Vorgang lässt bei den Förstern die Alarmglocken läuten, denn so reduzieren die Bäume die Transpiration, also die Wasserverdunstung über die Blätter.

„Im Landkreis Esslingen können wir noch halbwegs zufrieden sein. Es gibt Regionen in Deutschland, die von der Dürre weit stärker betroffen sind“, erklärt Anton Watzek, Leiter des Kreisforstamts. Die Trockenheit macht sich in den Wäldern rund um die Teck trotzdem vielfältig bemerkbar. „Wir haben Schäden. Wenn die Bäume kein Wasser haben, sind sie im Trocken-Stress. Der Harzfluss ist dann bei den Fichten nicht optimal, und das bekommen die Borkenkäfer schnell mit“, sagt Anton Watzek. Die Insekten verfügen über ein effektives Informationssystem. „Sie senden einen Lockstoff aus, der signalisiert: Hier gibt‘s was zu fressen“, erläutert der Amtsleiter. Dabei laben sich die Schädlinge nicht nur selbst an den Bäumen, sondern paaren sich unter der Baumrinde. Der Nachwuchs frisst sich dann durch das Holz, was zu den typischen Fraßspuren an der Rindeninnenseite führt - und zu einem weiteren Namen des Insekts: Buchdrucker.

Die Tiere haben eine für die Förster weitere unangenehme Fähigkeit: „Die Borkenkäfer kartieren sauber raus“, sagt Anton Watzek. Tonböden trocknen schnell aus. Stehen Fichten auf einer Lehminsel im Wald, die durchaus kleinflächig sein kann, haben sie mehr Stress als ihre benachbarten „Artgenossen“, die auf Böden stehen, die mehr Wasser speichern können. Dank ihrer findigen und kommunikativen Eigenschaften finden die Käfer gerade solche Fichten. Die Tonböden brechen zudem bei Trockenheit auf, wobei bis zu 20 Zentimeter breite Risse entstehen können. „Dadurch reißen die Feinwurzeln, aber auch solche mit größerem Umfang. Da die Wurzeln das Halteorgan der Bäume sind, fehlt die Sicherung im Boden und sie können im Extremfall kippen“, so Anton Watzek.

Bäume können wie Menschen Sonnenbrand bekommen. In die geschädigte Rinde dringen Pilze ein und zerstören das Holz. „Im Moment leiden alle Bäume, egal ob Fichten, Eichen, Buchen oder Obstbäume, die sogar ihr Obst abwerfen. Damit wollen die Bäume als Organismus ihr Überleben sichern“, erläutert er.

Anton Watzek warnt jedoch davor, in einen Angsttaumel zu geraten und in Panik zu verfallen, wenngleich die Situation in den Wäldern auch aus seiner Sicht besorgniserregend ist, und niemand weiß, wie lange der Wald die Durststrecke noch durchhält. Er hofft, dass sich der Wald wieder erholt. „Drei, besser vier Tage ein schöner Landregen wären dabei hilfreich - auch wenn Sommerferien sind“, wünscht er sich. Nieselregen kann den Boden Stück für Stück mit Wasser sättigen. „Langfristig betrachtet müssen wir in einem sich verändernden Klima mit verschiedenen Baumarten Erfahrungen sammeln, um für die Zukunft gerüstet zu sein“, sagt der Amtsleiter. Da die Durchschnittstemperatur bereits angestiegen ist, geht er davon aus, dass in 80 Jahren die Fichte allenfalls „als Beimischung“ im Wald steht. „Die Fichte hat keine gut Prognose mehr“, sagt Anton Watzek.