Kirchheim

Die Begegnung steht immer im Vordergrund

Vesperkirche Bis zum 9. Februar ist die Thomaskirche in der Kirchheimer Aichelbergstraße Gotteshaus, „Kantine“ und Treffpunkt in einem. Von Andreas Volz

Gemeinsames Essen in einer großen Gemeinschaft. Das gibt es bis 9. Februar bei der Vesperkirche in der Thomaskirche. Fotos: Cars
Gemeinsames Essen in einer großen Gemeinschaft. Das gibt es bis 9. Februar bei der Vesperkirche in der Thomaskirche. Fotos: Carsten Riedl

Kirche ja - Vesper nein: Was die Kirchheimer Vesperkirche zwei Wochen lang zu bieten hat, ist sehr viel mehr als ein einfaches Vesper: Es gibt ein vollwertiges Mittagessen mit Salat und Nachtisch, und das ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich sind es nämlich zwei verschiedene Essen, weil auch die Vegetarier berücksichtigt werden.

Was das Speiseangebot außerdem vom herkömmlichen Vesper unterscheidet, ist der Preis für einen Essensbon. Der liegt aber - im Gegensatz zum Menü - nicht über den Erwartungen, sondern deutlich darunter: bei 1,50 Euro. Mit inbegriffen ist dabei sogar noch die freie Auswahl am Büffet mit den vielen gespendeten Kuchen.

Vesperkirche bedeutet aber weitaus mehr als gutes Essen zu günstigen Preisen. Gleich im Foyer der Thomaskirche verkündet ein großes Plakat: „Vesperkirche ist Begegnung“. Dass diese Botschaft zutrifft, zeigt sich schon gegen halb zwölf - obwohl das eigentliche Essen erst eine halbe Stunde später beginnt, mit dem Gongschlag zum Mittag.

Bis dahin strömen die Menschen aus allen Richtungen zur Thomaskirche, die gleich mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt: Kirche, „Kantine“ und Begegnungsstätte. Viele Gäste haben ihre Stammplätze. Sie winken den anderen zu und winken sie heran. Man trifft sich, man schwätzt, man isst und trinkt. Wichtig ist dabei vor allem die Gemeinschaft.

Claudia Brendel, die das Vesperkirchenteam gemeinsam mit Diakon Uli Häußermann leitet, berichtet von einer Gruppe aus der Nachbarschaft der Thomaskirche, die sich jahrelang in der Vesperkirche getroffen hat: „Das waren Frauen zwischen 85 und 95. Die haben nicht weit voneinander entfernt gewohnt. Aber getroffen haben sie sich nur einmal im Jahr - zwei Wochen lang täglich in der Vesperkirche.“ Inzwischen habe die Aktivität dieser Gruppe nachgelassen, weil es den Verbliebenen immer schwerer fällt, zum Treffpunkt zu kommen. „Aber es gibt viele andere, die jeden Tag zu uns kommen und somit auch wieder neue Gruppen bilden.“

Die Verkehrsanbindung zur Thomaskirche ist nicht optimal. Wer mit dem eigenen Auto kommt, findet nicht so leicht einen Parkplatz. Dafür gibt es aber einen Bus, der täglich um 11.30 Uhr in Lindorf an der Kreissparkasse abfährt und über die Stationen „Ötlingen Apotheke“, „Stadthalle“, „Martinskirche“, „Teckstraße“, „Eichendorffstraße“ und „Tannenbergstraße“ zur Endhaltstelle „Freiwaldaustraße“ fährt. Um 14 Uhr geht es in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück. Für die Passagiere ist dieser Fahrdienst kostenlos. Das gilt auch für Gehbehinderte, die sich vom DRK zu Hause abholen lassen können, wenn sie sich zuvor unter der Telefonnummer 01 51/53 97 28 75 angemeldet haben.

Angemeldet haben sich auch bereits hiesige Abgeordnete: Nils Schmid (SPD, Bundestag) kommt am Montag in die Thomaskirche, Andreas Schwarz (Grüne, Landtag) am Freitag in einer Woche. Er wird sogar beim Bedienen helfen. Helfer werden immer gesucht. „Dieses Jahr haben wir viele Neue“, freut sich Claudia Brendel und fügt erklärend hinzu: „Wir machen das jetzt im zwölften Jahr hintereinander, und da sind die Helfer der ersten Jahre mittlerweile auch älter geworden.“

Die Vesperkirche „lebt“ von ehrenamtlicher Mitarbeit und von vielen Spenden. Es gibt Gäs­te, die ihren Bon gespendet bekommen. Andere zahlen auch gerne einen höheren Betrag. Es ist ein Geben und Nehmen, das die Begegnung ermöglicht: auf Augenhöhe.

Um Punkt 12 Uhr beginnt das Essen mit einem Gongschlag.
Um Punkt 12 Uhr beginnt das Essen mit einem Gongschlag.
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