Kirchheim

Die Crux mit dem langen Sitzen

Haushalt Kirchheimer Stadträte gehen beim Sparen mit gutem Beispiel voran und sehen keine dringende Notwendigkeit für neue Stühle im Ratssaal. Von Andreas Volz

Der große Sitzungssaal im Kirchheimer Rathaus ist in die Jahre gekommen. Deshalb schlägt die Stadtverwaltung eine neue Möblierun
Der große Sitzungssaal im Kirchheimer Rathaus ist in die Jahre gekommen. Deshalb schlägt die Stadtverwaltung eine neue Möblierung vor - die erste seit 1968.Foto: Jean-Luc Jacques

Das Wort „Sitzung“ hat direkt mit dem Sitzen zu tun. Wenn eine Sitzung sieben oder acht Stunden dauert, heißt das mitunter eben, einen ganzen - zusätzlichen - Arbeitstag lang zu sitzen. Das erfordert in jeder Hinsicht Sitzfleisch. Und offenbar verfügen Kirchheims Stadträte über dieses notwendige Sitzfleisch. Zumindest monierte Ralf Gerber (Freie Wähler) bei der Haushaltsvorberatung im Finanz- und Verwaltungsausschuss, dass im Etat für 2018 insgesamt 48 000 Euro vorgesehen sind, um den Ratssaal neu zu bestuhlen.

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Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker wiederum ist lange genug auf diesen Stühlen gesessen, um festzustellen: „Über viele Stunden hinweg macht das Kreuz das nicht mit. Diese Stühle wurden 1968 angeschafft, und ich finde: Nach 50 Jahren dürfen durchaus neue Stühle her.“ Nicht zuletzt geht es dabei außer um die Stühle für die Ratsmitglieder und für die Verwaltung auch um die Stuhlreihen für die Zuhörer. Zudem wird der Sitzungssaal ja auch für andere Veranstaltungen genutzt.

Andreas Kenner (SPD) hatte ganz andere Wünsche für den Sitzungssaal: „Mein Kreuz geht hier wegen der Klimaanlage kaputt, nicht wegen dem Stuhl.“ Außerdem hätte er gerne mehr Steckdosen, um auch im Sitzungssaal elektronisch erreichbar zu sein. Diese Sonderwünsche wären aber Teil einer neuen Diskussion. Was dagegen die Stühle betrifft, sind die Ratsmitglieder nächsten Mittwoch zum Probesitzen eingeladen. Zwei neue Stuhlmodelle sollen zur Auswahl bereitstehen. Vielleicht entscheidet der Gemeinderat dann doch noch, für einige weitere Jahre einfach auf dem alten Gestühl sitzenzubleiben - zugunsten von Steckdosen und Klimatisierung.

Insgesamt sind für die Neumöblierung im Kirchheimer Rathaus 133 000 Euro vorgesehen. Dabei geht es auch um Sitzgelegenheiten im Erdgeschoss sowie im kleinen Sitzungssaal, der unter anderem als Trauzimmer dient. Neue Möbel, neue Vorhänge und ein neuer Anstrich sollen das Zimmer inklusive Vorraum „aufmöbeln“.

Weitere Diskussionen entzündeten sich in der Vorberatung an einer halben Stelle für das Quartiersmanagement. Frauenliste und CIK wollten daran festhalten, während die Verwaltung vorschlägt, zunächst einmal eine Konzeption zu erstellen und erst dann eine Stelle auszuschreiben.

Ebenfalls strittig ist die Stelle eines Klimaschutzbeauftragten: Die Grünen forderten, die Stelle erneut auszuschreiben, befristet auf zwei Jahre. Immerhin gebe es dafür auch Zuschüsse. Der Antrag scheiterte im Ausschuss aber mit der denkbar knappsten „Mehrheit“ von acht Befürwortern - bei derselben Anzahl an Gegenstimmen.

Dass die Stadtverwaltung die bereits beschlossene Erhöhung der Parkgebühren zurücknehmen will - „nur weil ein Schreiben des City Rings auf den Schreibtisch der Oberbürgermeisterin geflattert ist“ -, prangerte Dr. Silvia Oberhauser an, die Fraktionsvorsitzende der Frauenliste.

Dieser Punkt wurde allerdings erst im Anschluss an die öffentliche Sitzung ausführlich diskutiert. Und gerade für die Beratungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit braucht es bekanntlich besonders viel Sitzfleisch. So gesehen ist es wirklich erstaunlich, was auch die Stühle im Sitzungssaal 50 Jahre lang aushalten mussten.

Kirchheim erwartet 2017 höhere Steuereinnahmen

Steuerschätzungen lassen die öffentliche Hand mit mehr Geld rechnen: Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker verkündete im Finanz- und Verwaltungsausschuss, dass die Stadt Kirchheim nach der November-Schätzung für 2017 mit 4,6 Millionen Euro Mehreinnahmen aus Einkommen- und Gewerbesteuer rechnen kann. Somit reduziere sich der Fehlbetrag im Haushalt 2018 von 11,4 auf 8,7 Millionen Euro - sollten alle Anträge der Fraktionen durchgehen.vol