Kirchheim

Die erste Bilanz fällt positiv aus

Fahrplanwechsel Seit 1. Januar hat sich beim Öffentlichen Personennahverkehr in der Region rund um die Teck einiges verändert. Manche Fahrgäste müssen jetzt in Weilheim umsteigen. Von Iris Häfner

Busse der WBG aus Waiblingen sind seit Anfang dieses Jahres in der Region unterwegs. Foto: Jean-Luc Jacques
Busse der WBG aus Waiblingen sind seit Anfang dieses Jahres in der Region unterwegs. Foto: Jean-Luc Jacques

An manchen Stellen ruckelt es zwar noch ein bisschen, im Großen und Ganzen rollt die Busflotte nach dem Fahrplanwechsel am 1.  Januar aber planmäßig durch den Raum Kirchheim. Zu diesem Fazit kommen die Verantwortlichen von VVS, Landratsamt und Unternehmen. Auf mehreren Ebenen galt es, Neuerungen zu meistern. Der Busverkehr in Kirchheim selbst ist zwar nicht betroffen, wohl aber das Linienbündel 8 im Landkreis Esslingen, das drei Hauptachsen ab Kirchheim umfasst: nach Nabern beziehungsweise Bissingen mit Ochsenwang, Weilheim mit Hepsisau und Neidlingen sowie Dettingen mit dem kompletten Lenninger Tal einschließlich Schopfloch.

Das Ausschreibungsverfahren war für alle Beteiligten ein Pilotprojekt. Es war die erste Ausschreibung für Busverkehre im VVS, die nach EU-Richtlinien stattfand. Der 1. Januar 2017 stand als „Wechseldatum“ fest, 27 Monate davor begannen die ersten Planungen und Gespräche mit den Kommunen, wie der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) künftig abgewickelt werden soll. „Wo müssen wir den Fahrplan überarbeiten, wo besteht Verbesserungsbedarf und wo können wir noch was glatt ziehen, das sich eingefahren hat“, beschreibt Klaus Neckernuß, Amtsleiter ÖPNV im Landratsamt Esslingen, diese Phase.

Am 21. Juni 2016 bekam die WBG (Württembergische Bus-Gesellschaft) den Zuschlag. Somit blieb ein halbes Jahr Zeit, sieben neue Busse zu ordern und elf Fahrer einzustellen. Insgesamt pendeln 17 Busse im Bündel 8. „Das ist schon sportlich für eine Firma, die neu in einem Gebiet unterwegs ist“, zollt Klaus Neckernuß der WBG Respekt. Sie deckt rund ein Drittel der Fahrten ab – das ist vorgeschrieben –, den Rest übernehmen die Subunternehmer Fischer aus Weilheim, Weissinger aus Bissingen und Winkler aus Böhringen.

„Eine wichtige Frage war: Wie gehen wir mit dem verspätungsanfälligen Verkehr aus dem Neidlingen Tal um“, sagt Jochen Biesinger von der Abteilung Planung und Vergabeverfahren beim VVS. In der Vergangenheit wurden dafür Zusatzbusse eingesetzt, was Klaus Neckernuß als unnötigen Ressourcenverbrauch bezeichnet. Aus diesem Grund müssen die Fahrgäste aus Hepsisau und Neidlingen in Weilheim umsteigen. Allerdings gibt es Ausnahmen: Schüler können direkt sowohl ins Bildungszentrum Wühle in Weilheim fahren als auch ins Schlossgymnasium in Kirchheim zur ersten Stunde, zurück nach der fünften und sechsten Stunde.

Hier sind zur Überraschung der Verantwortlichen jedoch Probleme aufgetreten. Morgens kommen die Schüler aus Richtung Bissingen verspätet zum Unterricht und am Nachmittag sind die Busse überfüllt. „Das ist untypisch, dass es nach der fünften Stunde so ein Problem gibt“, erklärt Horst Windeisen, Geschäftsführer der WBG. Die Schwierigkeiten am Morgen resultieren für ihn aus der Problematik mit der LSA-Beeinflussung, wobei LSA für Lichtsignalanlagen steht. Dabei geht es um die grüne Welle, die der Bus anfordern kann – und die neue Technik in den Bussen ist nicht unbedingt kompatibel mit der alten Technik in den Ampeln.

Auf der Strecke zwischen Kirchheim und Lenningen hat sich am wenigsten verändert, es wurde sogar eine direkte Verbindung zwischen Ochsenwang und Schopfloch geschaffen. „Die Fahrten an den Wochenenden haben eine saubere Struktur erhalten“, sagt Jochen Biesinger. So gibt es jetzt einen exakten Zweistundentakt von Kirchheim nach Oberlenningen, ebenso in der Gegenrichtung, was bisher schon der Fall war.

„Wir muten den einen zwar das Umsteigen zu, aber im Ganzen betrachtet, ist das die Lösung, die sowohl wir als auch die Kommunen als gut empfunden haben. 90 Prozent der Fahrgäste sind durchgehend angebunden“, erklärt Klaus Neckernuß und erinnert daran, dass der ÖPNV kein Individualverkehr ist. „Wir müssen uns nach denen richten, die Anschlüsse brauchen“, sagt Klaus Neckernuß weiter. „Jetzt muss die Zukunft zeigen, ob sich der Fahrplan bewährt. Der ist nicht in Stein gemeißelt“, sagt Horst Stammler, Geschäftsführer der VVS.

Wo gibt es Monatskarten?*

Der Kauf von Monatskarten ist für den Busfahrer weitaus aufwendiger als der eines Einzelfahrscheins, den es weiterhin bei ihm gibt. „Der Fahrer soll ja fahren und nicht verkaufen“, verdeutlicht Horst Stammler.

Das Ziel ist somit für die VVS klar definiert: So viele Fahrgäste wie möglich, sollen die ­polygo-Card nutzen. Das ist eine Scheckkarte mit Passbild, die jeder Nutzer über den Scanner ziehen und dann den Busfahrer passieren kann. Monatskarten gibt es im gesamten VVS-Verbund nicht mehr im Bus zu kaufen. Statt dessen gibt es zentrale Verkaufsstellen, beispielsweise in Kirchheim bei der Firma Omnibus Verkehr Kirchheim, Henriettenstraße 87, und im Bahnhof, in Owen im Reisebüro Lenninger Tal, Marktstraße 8, und in jedem Fahrausweisautomat der Deutschen Bahn in Richtung Oberlenningen. Auch über das Internet lässt sich die Karte ordern unter www.vvs.de. Auf der Startseite ist es der erste Button unter Twitter: Abo Online.

Das Problem: Nicht überall gibt es eine gute Versorgung bezüglich Verkaufsstellen – so auch in Kirchheim. „Wir nehmen das als Hausaufgabe mit“, verspricht Horst Stammler Verbesserungen im Blick auf den Korridor Weilheim, wo möglicherweise in der Kirchheimer Innenstadt eine weitere Verkaufsstelle entstehen soll. ih

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