Kirchheim

Die Fassade des Spitals wird gesichert

Hitzeschäden Weil einzelne Putzstücke auf die Straße fallen könnten, erhalten Spital- und Max-Eyth-Haus Drahtgewebe.

Spital und Rathaus gehören zu den prägendsten Ensembles und Gebäuden der Stadt. Am Spital wird derzeit gearbeitet. Foto: Carsten
Spital und Rathaus gehören zu den prägendsten Ensembles und Gebäuden der Stadt. Am Spital wird derzeit gearbeitet. Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Wie dringlich es ist, über die Zukunft des Fachwerks zu diskutieren, zeigt sich in der Gegenwart: Die Fassade des Spitals weist Schäden auf und wird derzeit mit Drahtgewebe gesichert. Kirchheims Erster Bürgermeister Günter Riemer klärt auf: „Wir müssen verhindern, dass Passanten durch herabfallende Teile gefährdet werden. Auch auf der Rückseite hatten wir den Platz eine Zeit lang abgesperrt.“ Ein ähnliches Problem gebe es schräg gegenüber, am Max-Eyth-Haus: „Ab Frühjahr 2020 wollen wir beide Gebäudefassaden sanieren.“

Die Ursachen für die Schäden - und für die Gefahr, die davon ausgeht - seien vielschichtig: „Es handelt sich um Fachwerk, das allein der Konstruktion dient und nie als Sichtfachwerk angelegt war.“ Für die Freilegung auf Jahrzehnte hinaus taugen diese Fassaden nicht.

Die Sommer sind zu trocken

Ein großes Problem stelle in diesem Fall auch der Klimawandel dar - speziell die extrem trockenen Sommer der Jahre 2018 und 2019. Das Holz trockne stärker aus, als das bisher für möglich gehalten wurde: „Die Mindestrestfeuchte im Holz muss 2018 noch unterschritten worden sein.“

Hinzu kommen Setzungen, die dadurch entstehen, dass der Grundwasserspiegel sinkt: „Diese Setzungen liegen vielleicht nur im Millimeterbereich, sie bewegen sich also in Kleinstdimensionen.“ Weil aber das Holz ganz anders darauf reagiert als das Material der Gefachfüllungen, verstärken die Setzungen den Effekt der Trockenheit, der sich ebenfalls unterschiedlich auf Fachwerkbalken und Gefache auswirkt: „Deshalb platzen Fassadenplatten ab.“

Die vorläufigen Sicherungen sollen verhindern, dass die Platten auf die Straße fallen und Passanten treffen. In einem halben Jahr steht dann die umfassendere Fassadensanierung an - wodurch die Stadt als Eigentümerin von Spital und Max-Eyth-Haus vielleicht wieder für ein paar Jahre „Luft“ bekommt.

Grundsätzlich aber müsse man das Thema ganz anders angehen. Die Schwierigkeiten dürften zunehmen, sollten noch weitere trockene Sommer folgen. Günter Riemer glaubt auch nicht, dass sich die Stadt Kirchheim allein mit solchen Problemen konfrontiert sieht: „Wenn das ein allgemeingültiges Phänomen ist, müsste sich die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte schon bald damit beschäftigen.“ Andreas Volz

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