Kirchheim

Die Frau, die Beton zum Leuchten bringt

Unternehmerinnen-Netzwerk besucht die R. Bayer Betonsteinwerk GmbH in Blaubeuren

Das Unternehmerinnen-Netzwerk lud zu einer Besichtigung des Unternehmens R. Bayer Betonsteinwerk GmbH nach Blaubeuren ein. Geschäftsführerin ist Ute Bayer.

Kirchheim. Geschäftsführerin Ute Bayer empfing die Besucherinnen vor ihrer Manufaktur, und sie folgten ihr durch einen wilden, großen, bunt und vielfältig bepflanzten Garten mit Hühnern in ihre Werkstatt, wo sie zunächst allerlei Geschichten aus ihrer rund 40-jährigen Arbeit in der Betonbranche erzählte.

Mit der Herstellung von Betonmauersteinen und Betondachsteinen wurde 1911 der Grundstein des heutigen Unternehmens gelegt. Seit 1972 wird die Firma in der dritten Generation von Richard Bayer geführt – seit 1977 kümmert sich die Architektin Ute Bayer um Verkauf, Planung, Ausführung, Bauleitung, Beratung und experimentiert mit Materialien. Hergestellt werden in Blaubeuren, Zwickau und Berlin Treppen aller Art, Sonderteile, Fassaden, Eingangsbereiche, Bodenplatten, Steinkunst- und Terrazzoböden. Heute arbeiten rund 90 Mitarbeiter im Unternehmen, neben Ute und Richard Bayer auch die Tochter und der Sohn.

Staunend erfuhren die Kirchheimer Unternehmerinnen, welch große Projekte in ganz Deutschland – Banken, Museen, Bahnhöfe, der Berliner Reichstag, Bürogebäude, Schulen, Krankenhäuser und vieles mehr – und ebenso Bauwerke in der Schweiz, in Österreich und Luxemburg die Firma R. Bayer mit Terrazzoböden, Treppen und Fassaden ausstattet.

„Das Bild vom grauen und deshalb grausigen Beton, das sich vor allem durch die Architektur der Sechziger- und Siebzigerjahre in den Köpfen festgesetzt hat, gehört mittlerweile der Vergangenheit an“, sagte Ute Bayer. Der Betonwerkstein ist nicht nur im technischen Sinne ein Kunststein, die Betonung sollte mittlerweile wirklich auf „Kunst“ liegen. Das gestalterische Potenzial, das sich aus dem schlichten Beton durch Farbmischungen und Zuschläge zu neuen Kreationen entwickeln lässt, ist schier unerschöpflich. „Man muss sich nur auf neue Experimente einlassen, die Fantasie walten lassen, Ideen entfalten, auch verrückte Einfälle zulassen, sie erproben und sie zu neuen Betonstrukturen und -produkten ausarbeiten“, so Ute Bayer über die „Herausforderung Betonwerkstein“.

Dann ging es endlich in die Manufaktur, laut Aussage der Firmenchefin Deutschlands erste „Kreativ-Werkstatt Beton“. In über fünfhundert blauen Schüttboxen lagern auf zwei Etagen alle nur erdenklichen Ingredienzien, über 250 verschiedene Zuschlagstoffe, die hier ihrer einfallsreichen Verwendung harren. Da gibt es Natursteine in verschiedenen Körnungen und in allen Farbschattierungen, gröberen Schotter, bunt schillernde, winzige Glasstückchen, Sandmischungen aller Art, aber auch Recyclingzutaten wie Metallschrott. Hinzu kommen mit Farbpigmenten gefüllte Glasröhren, die den Beton zum Leuchten bringen können.

In dieses „Betonlabor“ lädt Ute Bayer zu Workshops ein. Inspiriert durch die Fülle an Zutaten und die spürbare Begeisterung der Chefin wurde auch bei den Kirchheimerinnen die Neugierde auf den Werkstoff Beton dermaßen geweckt, dass sie am liebsten sofort einen solchen Workshop belegt hätten. Nach den Eindrücken in der Manufaktur ging es weiter ins 30 Kilometer entfernte Betonwerk, in dem die „großen, schweren Teile“ wie Treppen, Maschinensockel und Fertigteile aller Art hergestellt werden. Dort erhielten die Frauen einen Eindruck von der Produktion einschließlich des vo­rausgehenden Formenbaus.

Nach dieser Betriebsbesichtigung waren sich die Besucherinnen einig darin, dass der Werkstoff Beton die Erwartungen weit übertraf.jf

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