Kirchheim

„Die FSJler sind immer eine Bereicherung“

Berufsorientierung Die Schule ist vorbei – was nun? Diese Frage stellen sich viele junge Menschen – so auch Jonas Stern und Svenja Eisenreich. Von Cornelia Wahl

Svenja Eisenreich (im Vordergrund) und Jonas Stern hat die Arbeit mit den Kindern während des Freiwilligen Sozialen Jahres Spaß
Svenja Eisenreich (im Vordergrund) und Jonas Stern hat die Arbeit mit den Kindern während des Freiwilligen Sozialen Jahres Spaß gemacht. Foto: Cornelia Wahl

Jonas Stern, 17 Jahre alt, und Svenja Eisenreich, 21 Jahre alt, sind sich einig: Das Jahr als FSJler in der Arbeit mit Kindern „hat Spaß gemacht und gutgetan“. Es habe ihre Selbstständigkeit und Toleranz gefördert, so ihre einhellige Bilanz.

Jonas kommt aus dem Kreis Göppingen, genauer gesagt aus Sparwiesen. Der 17-Jährige wollte sich nach seinem Realschulabschluss eigentlich für eine Ausbildung bewerben. Dann aber hat er sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) entschieden, in dem er den Umgang mit Kindern kennenlernen wollte. Er bewarb sich gleich und bekam eine Stelle im Halden-Kindergarten in Ötlingen. Sein Tag dort beginnt um halb acht Uhr in der Früh. Los geht es mit der Betreuung der Kleinen. Anschließend wird gemeinsam gespielt, gesungen, gebastelt, gemalt. Der Tag für Jonas endet um 17 Uhr, unterbrochen von einer Stunde Mittagspause. Eine Ausnahme bildet der Freitag, dann dauert der Arbeitstag für den jungen FSJler von sieben bis 12 Uhr.

Ähnlich sieht der Arbeitsalltag von Svenja in der Kindertagesstätte und im Teck-Kindergarten in Kirchheim aus. Die 21-Jährige ist abwechselnd in beiden Einrichtungen im Einsatz. Ihr Tag beginnt um acht Uhr im Teck-Kindergarten. „Dann spiele ich mit den Kindern am Tisch, in der Spielecke oder wir basteln“, sagte sie. Es folgt das gemeinsame Frühstück mit den Kleinen. Danach wird gesungen, gespielt oder gebastelt, ehe es in den Garten oder - bei schlechtem Wetter - in die Turnhalle geht. Zu ihrer Arbeit gehört aber auch Alltägliches wie „das Geschirr von den Tischen räumen“. An zwei Nachmittagen in der Woche ist sie für die Kinder im Teck-Kindergarten da. An den anderen drei ist ihre Unterstützung in der Kindertagesstätte gefragt. Neben der Betreuung der Kleinkinder nach dem Mittagsschlaf kommt es schon mal vor, dass sie auch Windeln wechselt.

Die 21-Jährige besuchte nach dem Realschulabschluss das Wirtschaftsgymnasium in Kirchheim. Nach dem Abschluss „habe ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr beworben, weil ich es mir beruflich vorstellen konnte, mit Kindern zu arbeiten. Da ich unsicher war, wollte ich herausfinden, wie das ist.“ Die positiven Erfahrungen ihrer Freundin mit dem FSJ haben sie darin bestärkt.

Wie bei vielen FSJlern liegt auch bei Jonas und Svenja die Motivation für ein Freiwilliges Soziales Jahr darin, sich beruflich zu orientieren und herauszufinden, ob ein sozialer Beruf der richtige ist. Andererseits bietet es die Möglichkeit, erste Erfahrungen im Arbeitsleben zu machen, die so ganz anders sind als während der Schulzeit. Sie müssen mit der Kontinuität zurechtkommen, immer die gleichen Abläufe zu haben, Flexibilität beweisen und während festen Arbeitszeiten präsent sein. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, und leisten wertvolle Mithilfe. Oder wie es die Leiterin von Kindertagesstätte und Teck-Kindergarten, Sabine Steffel, auf den Punkt bringt: „Die FSJler hier im Haus sind immer eine Bereicherung und eine gute Unterstützung. Egal, ob sie sich nachher für einen sozialen Beruf entscheiden oder für einen ganz anderen Beruf.“ So wie es bei Jonas und Svenja der Fall ist. Trotz ihrer positiven Erfahrungen im freiwilligen sozialen Jahr haben sich beide dafür entschieden, eine Ausbildung in einem kaufmännischen Beruf zu beginnen.

Bezahlt werden die FSJler für ihre Arbeit mit einem Taschengeld. Bei Svenja waren es 325 Euro pro Monat. Nicht viel. Da sind sich die Vorsitzende des Landesarbeitskreises Freiwilliges Soziales Jahr Baden-Württemberg, Gisela Gölz, und der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Kenner einig: „Die Finanzierung für dieses wichtige Angebot muss gesichert sein“, sagt der Politiker. Obwohl die Zahl der FSJler von 5 000 im Jahr 2005 in Baden-Württemberg auf 14 000 im Jahr 2016 stieg, legte die Landesförderung im selben Zeitraum gerade mal um 350 000 Euro auf 2,85 Millionen Euro zu. Zwar gebe es eine Zusage für drei Millionen Euro. Langfristig brauche es aber mehr Geld für diese wichtige Arbeit, auch, um „diese hohe Zahl der FSJler und die Qualitätsstandards beibehalten zu können“, richtet Gisela Gölz ihre Forderung an den Landtagsabgeordneten.

www.fsj-baden-wuerttemberg.de

Wichtige Fragen zum Freiwilligen Sozialen Jahr

Wo kann ich ein Freiwilliges Soziales Jahr machen? Das FSJ kann in einer gemeinwohlorientierten Einrichtung absolviert werden, wie etwa im Kindergarten, in Alten- und Pflegeheimen.

Wie lange dauert ein FSJ? Das FSJ kann zwischen sechs und 18 Monaten dauern. Während dieser Zeit finden mindestens drei Mal in Blockwochen Seminare statt.

Wer kann ein FSJ machen? Jeder, der einen Schulabschluss vorweisen kann und nicht älter als 26 Jahre ist.

Gibt es eine Bewerbungsfrist? Bewerbungen sind ganzjährig möglich.

Wie sieht die Bezahlung aus? Pro Monat gibt es ein Taschengeld. Die FSJler sind sozialversichert. Es gibt Urlaubs- und Bildungstage. cw

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