Kirchheim

Die Gesamtzahlen sinken - die Verunsicherung wächst

Mutationen In Firmen und Flüchtlingsunterkünften kursieren Varianten des Virus. Erster Patient in Nürtinger Klinik.

Symbolbild Virus
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Kirchheim. Während die Zahl der Neuansteckungen zögerlich abnimmt, tauchen auch im Kreis Esslingen immer mehr der bisher wenig erforschten Virusmuta­tionen auf, die als deutlich ansteckender gelten. Seit Montag ist die Zahl der bestätigten Fälle von 32 auf gestern 52 gestiegen. Bisher wurde im Kreis ausschließlich die britische Variante des SARS-CoV-2-Virus festgestellt. Hinzu kommen zahlreiche Verdachtsfälle, in denen die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind.

Ein Grund für die Verbreitung ist offenbar der europäische Warenverkehr. Unter den Infizierten seien viele Lkw-Fahrer, teilt Landrat Heinz Eininger mit. Was ihm Sorge macht, sind Infektionsherde in Unternehmen und Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge. Im Umfeld eines Weilheimer Unternehmens haben sich 14 Personen angesteckt (wir berichteten). Bei sieben davon hat sich der Verdacht auf eine Virusvariante inzwischen bestätigt. Betroffen sind auch Firmen in Leinfelden-Echterdingen und Nürtingen mit fünf weiteren Fällen insgesamt.

Alarmiert sind die Behörden, wenn es sich um Ausbrüche in Flüchtlingsunterkünften handelt, wo häufig viele Menschen in Wohngemeinschaften zusammenleben. In Zusammenhang mit dem Ausbruch im Köngener Postfrachtzentrum, wo sich im Oktober etwa 90 Mitarbeiter angesteckt hatten, standen mehrere Gemeinschaftsunterkünfte im Kreis unter Quarantäne. Jetzt sind zwei Wohngemeinschaften mit sieben Bewohnern in der Kirchheimer Boschstraße betroffen, von denen sich vier angesteckt haben. Bei einem wurde inzwischen die britische Virusvariante nachgewiesen. Auch in der Kirchheimer Lindachallee gibt es mittlerweile eine bestätigte Infektion. Hinzu kommen ein Dutzend weitere Fälle in Unterkünften in Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt und in Unterensingen.

Sicherheitsdienste überwachen wie in Kirchheim rund um die Uhr die Einhaltung der vierzehntägigen Quarantäne. Bisher gebe es damit keinerlei Probleme, bestätigt Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader. Das gilt für alle Fälle in der Stadt. „Bei den Schwerpunktkontrollen haben wir keine Verstöße gegen Auflagen festgestellt“, sagt Bader.

Bis zweifelsfrei geklärt ist, ob und um welche Variante des Virus es sich handelt, dauert es. Zwei bis drei Tage benötigen die Labore an den Unikliniken des Landes für einen zweifelsfreien Befund. „Die Prozesse laufen gut, aber das Verfahren ist aufwändig“, sagt Jan Schnack, der Sprecher der drei Medius-Kliniken in Kirchheim, Nürtingen und Ruit. Dort lässt man inzwischen alle positiven Proben auf mögliche Mutanten nachuntersuchen. Inzwischen gibt es in der Klinik in Nürtingen auch den ersten Patienten, der sich mit der britischen Variante angesteckt hat. Die Person sei isoliert, müsse aber nicht intensivmedizinisch betreut werden, sagt Kliniksprecher Jan Schnack.

Auf die Forderung nach mehr Schnelltests reagiert nun auch die Stadt Kirchheim. Derzeit laufen die Vorbereitungen für eine Schnellteststation am Güterbahnhof. Gemeinsam mit DRK und Maltesern sollen dort ab 22. Februar an einem Wochentag nach Voranmeldung kostenlose Schnelltests für die Kirchheimer Bevölkerung angeboten werden. Kommende Woche treffen sich Stuttgarter Regierungsmitglieder mit Vertretern der kommunalen Spitzenverbände, um über eine Teststrategie auch an Schulen zu beraten. Landrat Heinz Eininger äußert sich vor dem Treffen kritisch. „Wer mehr testen will, muss auch sagen, wer das finanziert“, sagt Eininger. Er sehe die Kommunen und Landkreise nicht in der Pflicht, dies vorzufinanzieren.

Ausgangssperre gilt vorerst nicht

Derweil berät man im Landratsamt über den Umgang mit der nächtlichen Ausgangssperre. Am Donnerstag hatte das Sozialministerium Kreise mit einer Inzidenz über 50 aufgerufen, daran festzuhalten. „Wir prüfen das im Moment noch, auch hinsichtlich des VGH-Urteils“, sagt Behördensprecherin Andrea Wangner. Bis zur Entscheidung bleibe die Sperre im Kreis ausgesetzt. Bernd Köble

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