Kirchheim

Die Hand zur Versöhnung reichen

50 Jahre Patenschaft für Bulkes: Neue Ausstellung erinnert im Kornhaus an das Schicksal der Donauschwaben

Bestandteil der aktuellen Bulkes-Ausstellung im Kirchheimer Kornhaus ist auch dieses Modell des Dorfes in der heutigen autonomen
Bestandteil der aktuellen Bulkes-Ausstellung im Kirchheimer Kornhaus ist auch dieses Modell des Dorfes in der heutigen autonomen Provinz Wojwodina im Norden Serbiens.Foto: Nicole Mohn

Kirchheim. Als fleißige Arbeiter holten die Habsburger im 18. Jahrhundert die Donauschwaben in die

NICOLE MOHN

Batschka, ab 1944 wurden sie durch das Tito-Regime vertrieben und ermordet. An ihr Schicksal erinnert eine neue Ausstellung im Kirchheimer Kornhaus.

Die Donauschwaben aus Bulkes und Kirchheim verbindet seit einem halben Jahrhundert ein festes Band: Vor 50 Jahren übernahm die Stadt die Patenschaft für das Dorf Bulkes im heutigen Serbien. Seit 1954 treffen sich in der Teckstadt die Mitglieder der Heimatgemeinschaft zu Pfingsten.

Doch wer waren die Donauschwaben überhaupt? Zusammen mit dem Team des Stadtmuseums im Kornhaus und dem Kirchheimer Stadtarchivar Dr. Joachim Brüser machten sich Studenten der Universität Tübingen im vergangenen Semester auf Spurensuche.

Unter der Leitung von Professor Dr. Márta Fata vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde arbeiteten sie die wechselhafte Geschichte der deutschen Siedler in der Batschka am Beispiel von Bulkes auf. Dabei hatten sie nicht nur Zugriff auf die Ausstellungsstücke der ehemaligen Heimatstube, die seit zwei Jahren in der Obhut des Städtischen Museums ist, sondern auch Gelegenheit zu Gesprächen mit Menschen aus der Erlebnisgeneration.

Vielversprechend begann sie, die Geschichte der deutschen Siedler in den verödeten ungarischen Gebieten des damaligen Habsburger Reichs. Der Kaiser holte sich die Kolonisten ins Land. „Sie galten als Inbegriff für Fleiß und Arbeitseinsatz“, erläutert Márta Fata die Ausgangslage der Donauschwaben. Sie beackerten die brachliegenden Felder und erarbeiteten sich Wohlstand. Ihre gelungene Integration sei bis heute Teil ihrer Kultur, betont Fata.

Doch lange hielt das Glück auf der neuen Scholle nicht. Mehrfach wechselte die Regentschaft über die Batschka-Gebiete und damit auch über Bulkes. Auf die Habsburger folgten die Serben und schließlich das Tito-Regime. Viele Hundert Bulkeser ließen ihr Leben im Arbeits- und Konzentrationslager Jarek, verhungerten oder wurden auf offener Straße erschossen.

Einen kleinen Querschnitt durch das Leben und die Traditionen der deutschen Siedler in Bulkes können die Besucher nun noch bis zum 3. Juli im Obergeschoss des Kornhauses sehen. Ein Bild der imposanten Kirche, die die Bulkeser aus eigenen Mitteln errichteten, zieht die Besucher förmlich in die Ausstellung hinein.

Hier kann man das Dorf im Modell erkunden und sich anhand der Schaukästen das Alltagsleben vor Augen führen. Ergänzt werden Ausstellungsstücke zur Alltagsgeschichte der Bulkeser mit historischen Hintergrundinformationen zu den politischen Veränderungen, die das Leben der Donauschwaben in der Batschka beeinflussten.

Die Geschichte der Donauschwaben und ihre Botschaft der Versöhnung ist aber nicht nur für die Tübinger Professorin Márta Fata angesichts der Flüchtlingsströme aktueller denn je. Auch Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker unterstrich, wie wichtig es ist, sowohl die Erinnerung an den friedlichen Alltag der Bulkeser als auch an die menschlichen Verletzungen dauerhaft zu bewahren.

Die Stadt Kirchheim selbst will nun ein neues Kapital in den Beziehungen zu Bulkes, das heute Magli´c heißt und Teil der serbischen Kommune Baˇcki Petrovac ist, aufschlagen: In einem Arbeitstreffen mit Vertretern aus Serbien wurden am Samstag die Weichen für eine Städtepartnerschaft gestellt.

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