Kirchheim

Die Jesinger Schule springt in die Bresche

Ausweichquartier Der Kirchheimer Arbeitskreis Museumspädagogik hat für die Zeit der Museumsschließung eine passende neue Unterkunft gefunden. Von Andreas Volz

Von der Steinzeit über die alten Römer bis hin zum Mittelalter reicht das historische Spektrum der Museumspädagogen. Fotos: Mark
Von der Steinzeit über die alten Römer bis hin zum Mittelalter reicht das historische Spektrum der Museumspädagogen. Fotos: Markus Brändli

Die Kirchheimer Museumspädagogen sind überglücklich: Nach der sanierungsbedingten Schließung der Dauerausstellung im Kornhaus haben sie in der Jesinger Schule Unterschlupf gefunden. „Wir haben hier den idealen Ausweichraum“, sagte Bernd Neugebauer, als er Freunde, Gönner, Förderer und Unterstützer des Arbeitskreises zur kleinen Feierstunde in einem umgestalteten Klassenzimmer begrüßte. Aber trotz aller Freude über die ideale Zwischenlösung wies er sofort auf den „riesengroßen Fehler“ hin, den dieser Raum aufweise: „Es fehlt das Museum außenrum.“

Nun ist dieser Fehler durchaus grundlegender Art, denn bis jetzt sind keinerlei Planungen bekannt, die Jesinger Schule in ein Museum zu verwandeln. Es dürfte wohl bei der bestmöglichen provisorischen Lösung für die engagierten Museumspädagogen bleiben. Sie hoffen inständig, eher früher als später wieder ins Kornhaus zurückkehren zu können, und haben auch klare Vorstellungen davon, wie das aussehen könnte. An die anwesenden Gemeinderäte gewandt, meinte Bernd Neugebauer: „Es wäre toll, das Museum und so einen Raum wie hier in Jesingen zusammenzubringen.“ Einstweilen aber bedankte er sich bei der Stadt, beim Gemeinderat und bei der Schule in Jesingen dafür, dass er und seine Mitstreiter am Interimsstandort überhaupt weiterarbeiten können.

Die feste Basis für die Materialien ist das eine, das andere ist das Modell „Museum im Koffer“. Museumspädagogin Heidi Schubert ist gerade dabei, verschiedene Handwerkskästen als „Koffer“ einzurichten, die sie dann - je nach Thema und Anforderung - per Sackkarren an Schulen transportieren kann. Für dieses „Museum im Koffer“ hat der Arbeitskreis kürzlich von der Kirchheimer Bürgerstiftung eine Fördersumme von 3 200 erhalten. Auch dafür dankte Bernd Neugebauer. Der Betrag hilft dabei, die museumspädagogische Arbeit über die mehrjährige Schließung des Museums hinaus aufrechtzuerhalten.

Der Sprecher des Arbeitskreises nahm bereits das Museumsfest in den Blick, das traditionell am 3. Oktober begangen wird. Dieses Jahr gibt es zum Tag der deutschen Einheit in Kirchheim eine andere Art der „Wiedervereinigung“: Von Jesingen aus kehren die Museumspädagogen für einen Tag ins Korn- haus zurück. Der Themenschwerpunkt heißt „Mittelalter und Ritter“. Deshalb hatte Bernd Neugebauer seine Ansprache auch mit Redewendungen gespickt, die mehr oder weniger aus dem Mittelalter stammen.

Demzufolge sei die Jesinger Schule in die Bresche gesprungen, um der akuten Raumnot der Museumspädagogen abzuhelfen. Stadt und Gemeinderat hätten sich nicht aus dem Staub gemacht. Der Arbeitskreis ziehe deshalb vor allen Gönnern - bei denen er einen Stein im Brett hat - den Hut, weil sie alle dazu beigetragen haben, dass die Museumspädagogik nicht auf den Hund gekommen ist.

Um nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen, hielt Bernd Neugebauer aber eine eher kurze Rede und sorgte so dafür, dass keinem der Besucher etwas durch die Lappen ging. In aller Ruhe konnten sie sich umschauen, mit anderen ins Gespräch kommen oder auch am Zeitstrahl darüber fachsimpeln, wo welches Ereignis oder welche Person korrekt einzureihen ist. Weil die Museumspädagogik aber weit über das Mittelalter hinausgeht, bis in die Früh- und Vorgeschichte, gab es im Schulhof auch noch eine spezielle Vorführung: Feuermachen wie in der Zeit vor der Erfindung von Zündholz oder Feuerzeug. Wer weiß, wie‘s geht, muss da gar nicht lange fackeln!

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