Kirchheim

Die Krätzmilbe zieht gern zur Untermiete ein

Parasiten Eine vergessene Krankheit feiert Comeback: In Deutschland steigen die Krätzefälle. Auch in Kirchheim sucht die Milbe eifrig nach Wirten. Von Melissa Seitz

Es juckt und juckt: Die Krätzmilbe treibt in Deutschland wieder ihr Unwesen.Foto: Jean-Luc Jacques
Es juckt und juckt: Die Krätzmilbe treibt in Deutschland wieder ihr Unwesen.Foto: Jean-Luc Jacques

Jeder kennt das: Meist juckt es dort, wo man am schwierigsten hinkommt. Doch wie sich unerträgliches Jucken anfühlt, das können wohl nur Krätzeinfizierte wirklich beschreiben. In Deutschland ist die Hautkrankheit wieder auf dem Vormarsch. Auch in Kirchheim ist die Milbe im Umlauf.

Krätze verbreitet sich durch engen Körperkontakt, vor allem dort, wo Menschen in einem Raum dicht aufeinander sitzen. Napoleon könnte davon wohl ein Lied singen: Als junger General infizierte er sich mit der Krätze. Denn die juckende Hautkrankheit breitete sich damals häufig unter Soldaten aus. „Auch in Kindergärten ist die Krätze nicht selten,“ weiß Dr. Angela Corea vom Gesundheitsamt in Esslingen. „Kinder stecken oft ihre Köpfe zusammen. Da verbreiten sich die Milben sehr schnell.“

Übertragen durch Körperkontakt

Auch in Gemeinschaftsunterkünften treiben die Krätzmilben ihr Unwesen. „Als die Sporthalle in Kirchheim noch eine Flüchtlingsunterkunft war, hatten wir einige Fälle von Infizierten,“ erklärt eine Mitarbeiterin der Kirchheimer Adler-Apotheke. Das liegt am engen Körperkontakt, der in einer Massenunterkunft unvermeidbar ist. „Milben wurden nicht etwa durch Flüchtlinge nach Deutschland gebracht“, sagt Dr. Angela Corea. „Die gibt es hier schon immer, genauso wie Läuse.“

Doch wie macht sich die Hautkrankheit bemerkbar und wie geht der Betroffene damit um? Anfangs verläuft das Krankheitsbild eher unauffällig. Sobald die kleinen Spinnentiere in einem Menschen ihren Wirt gefunden haben, graben sie sich in der Haut Gänge, in die sie Eier und Kot ablegen. Aus den Eiern schlüpfen nach ein paar Tagen dann die Larven, die sich wiederum zu Milben entwickeln. Hört sich eklig an, ist es auch. Vier bis fünf Wochen, nachdem es sich die Krätzmilben im Körper gemütlich gemacht haben, werden die ersten Bläschen und Schwellungen deutlich. Und wie es der Name der Krankheit schon verrät, fängt es an zu jucken.

Ausschlag oder Krätze?

Eine eindeutige Diagnose zu stellen, ist laut Dr. Angela Corea schwierig: „Die Krätze kann sich auch nur durch ein leichtes Jucken zwischen den Fingern bemerkbar machen.“ Erste Anlaufstelle ist in diesem Fall der Hausarzt oder Hautarzt. „Ein Laie kann nicht beurteilen, ob es sich bei der Rötung um einen normalen Ausschlag oder wirklich um Krätze handelt“, erklärt die Mitarbeiterin der Kirchheimer Apotheke.

Zur Behandlung gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste wird in Deutschland am häufigsten gewählt - die Behandlung mit einer Salbe oder Lotion. In der Apotheke Adler weiß man: „Im Winter, als es die Massenunterkunft noch gab, waren die Verkaufszahlen der Präparate viel höher als jetzt.“ Mit der Salbe wird dann der ganze Körper von Kopf bis Fuß eingerieben. Auch Tabletten können Linderung schaffen. „Dieses Präparat wird verschrieben, wenn man der Krätze nicht Herr wird“, erklärt Dr. Angela Corea.

Melden muss man Krätze nicht

Wie genau sich die Infektionszahlen in Deutschland und der Region im Laufe der vergangen Monate entwickelt haben, das kann niemand genau sagen. Denn: Krätze ist nicht meldepflichtig. „Anders sieht die Lage aus, wenn jemand in einem Kindergarten, Heim oder einer ähnlichen Einrichtung arbeitet“, erklärt die Expertin vom Gesundheitsamt, „hier besteht durch das Infektionsschutzgesetz dann eine Meldepflicht.“

Schützen kann man sich vor den kleinen Spinnentieren nicht wirklich. Das Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät deshalb: Auf jeden Fall engen Körperkontakt der infizierten Person meiden. Was das konkret bedeutet, erklärt die Gesundheitsexpertin: „Man sollte den Infizierten nicht umarmen, nicht küssen und mit ihm nicht in einem Bett schlafen.“ Sich gegenseitig die Hände zur Begrüßung reichen, ist laut Dr. Angela Corea jedoch überhaupt kein Problem.

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