Kirchheim

Die Leselust ist ungebrochen

Bibliotheken Die Büchereien in Kirchheim, Weilheim und Lenningen erfreuen sich auch in Corona-Zeiten großer Beliebtheit. So manches ist allerdings anders als vor der Pandemie. Von Bianca Lütz-Holoch

Ein Bücherei-Hit in diesem Sommer sind Deutschland-Reiseführer.Foto: Carsten Riedl
Ein Bücherei-Hit in diesem Sommer sind Deutschland-Reiseführer. Foto: Carsten Riedl

Vieles läuft wieder ganz normal in den Büchereien rund um die Teck - aber eben nicht alles. Nicht nur die Abläufe sind in Corona-Zeiten ein bisschen anders, auch beim Ausleihverhalten erkennen die Mitarbeiter Unterschiede zu vergangenen Jahren.

„Von den Ausleihzahlen her sind wir nicht weit unter dem üblichen Niveau“, sagt Ingrid Gaus, Leiterin der Kirchheimer Stadtbücherei. Das bestätigt auch Kathrin Theilig, die in der Weilheimer Stadtbücherei für den Kinder- und Jugendbereich verantwortlich ist. „Vor den Ferien lagen wir schon wieder bei rund 90 Prozent“, schätzt sie. „Die Leute sind sehr dankbar, dass sie Bücher ausleihen können“, hat Ev Dörsam, Leiterin der Lenninger Gemeindebücherei festgestellt. Vor allem für Daheimgebliebene und Familien biete ein kleiner Ausflug in die Bücherei willkommene Abwechslung.

Wie immer im Sommer, sind auch dieses Jahr Reiseführer schwer gefragt. „Das Fernweh ist nicht passé“, betont Kathrin Theilig. Allerdings spiegeln sich in der Sparte die begrenzten Reisemöglichkeiten in einem Sommer unter Pandemiebedingungen. Bücher zu exotischen Zielen und Fernreisen gehen entsprechend selten über die Tresen. „Unsere Deutschland-Reiseführer sind aber regelrecht ausgeräubert“, sagt Ingrid Gaus - egal ob sie sich um Nord- und Ostsee, Schwarzwald oder Bodensee drehen. Das Gleiche gilt in Weilheim: „Wir mussten bei den Deutschland-Reiseführern nochmal kräftig nachlegen“, berichtet Kathrin Theilig. Ebenfalls gefragt: „Rad und Wanderführer für Touren in der Gegend“, so Ev Dörsam.

Ein weiterer Renner sind Kinder- und Jugendbücher, CDs und DVDs - alles, was in den Ferien daheim für Unterhaltung sorgt. Im Erwachsenen-Bereich hat die Belletristik die Nase vorn. Außerdem hat - ganz besonders während des Shutdowns - die Onleihe, die in Kirchheim und Weilheim angeboten wird, einen Boom erlebt. „In der Zeit haben wir auch ganz unbürokratisch per Telefon Leseausweise ausgegeben und Gebührenzahlungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben“, berichtet Ingrid Gaus.

Was veränderte Abläufe angeht, hat sich in den Büchereien mittlerweile das meiste eingespielt. Masken, Abstände und begrenzte Besucherzahlen - damit gibt es nirgendwo Probleme. „Ich muss sagen, ich bin positiv überrascht“, betont Ev Dörsam. „Alle nehmen Rücksicht, und es klappt prima.“ Einige Stammgäste hat sie zwar seit Beginn der Corona-Krise nicht mehr im Lenninger Schlössle gesehen. Andere scheinen dafür die ruhigen Besuche in der Bücherei bei begrenzter Anzahl an Gästen besonders zu genießen, zum Beispiel Familien, die das Bilderbuchzimmer für sich haben. Auch in Weilheim waren vor allem zu Zeiten der Schulschließungen mehr Kinder in der Bücherei. „Viele haben ihre Eltern begleitet“, hat Kathrin Theilig beobachtet.

In Kirchheim dagegen sind zurzeit nicht so viele Menschen wie sonst im Haus. „Es kommen weniger Kinder und Jugendliche“, sagt Ingrid Gaus. Zum einen seien sie oft mit ihren Eltern zu Hause, zum anderen habe es vor den Ferien etwa keine Lerngruppen gegeben. „Wir können bei uns auch keine Arbeitsplätze anbieten.“ Neu seit Juli: „Wir müssen die Daten all derjenigen erheben, die in die Bücherei kommen“, sagt die Leiterin. Das erledigt sich sozusagen nebenbei, wenn jemand Bücher zurückgibt. Auch all diejenigen, die einen Leseausweis haben, lassen sich vergleichsweise leicht erfassen. Alle anderen jedoch müssen - ähnlich wie in Restaurants - einen Zettel ausfüllen. „Das klappt mittlerweile aber auch.“

Die Weilheimer Bücherei bietet ihren Besuchern zwei Arbeitsplätze an. „Wir haben gemerkt, dass es da keine Probleme gibt“, sagt Kathrin Theilig. Auch die Sommerbuchausstellung ist installiert. Nach wie vor hält die Weilheimer Bücherei an ihren besonderen Hygienemaßnahmen fest. „Bei uns kommen alle Medien nach der Rückgabe für drei Tage in Quarantäne, und sie werden desinfiziert.“

Dass der Alltag noch nicht wieder ganz Einzug gehalten hat, wird auch beim Thema Veranstaltungen deutlich. „Unser Sommerprogramm ist abgespeckt, weil nur 40 Leute auf einmal rein dürfen“, berichtet Ingrid Gaus. Ev Dörsam bedauert, dass der Bücherflohmarkt in Lenningen nicht stattfinden kann. „Das ist schade, weil das immer Leute zu uns gezogen hat.“

Drei Bibliothekarinnen - drei Lesetipps

„Ich bleibe hier“, empfohlen von Ingrid Gauss, Leiterin der Kirchheimer Stadtbücherei. Der Roman „Ich bleibe hier“ von Marco Balzano spielt in einem Bergdorf in Südtirol zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und danach. Dort kämpft die junge Lehrerin Trina, deren Tochter verschwunden ist, nicht nur gegen ein Unterrichtsverbot der Faschisten, sondern auch gegen die Flutung der Dörfer Graun und Reschen.

„Zurück in Sommerby“, empfohlen von Kathrin Theilig, Leiterin der Kinder- und Jugendbücherei Weilheim. „Zurück in Sommerby“ von Kirsten Boie für Kinder ab zehn Jahren ist die Fortsetzung von „Ein Sommer in Sommerby“: Als die Geschwister Martha, Mats und Mikkel im Herbst zu Oma Inge zurückkehren, bekommen sie es mit einem fiesen Makler zu tun, der es auf Omas Haus abgesehen hat.

„Der Gesang der Flusskrebse“, empfohlen von Ev Dörsam, Leiterin der Lenninger Gemeindebücherei. Delia Owens Bestseller „Der Gesang der Flusskrebse“ verbindet Erzählung und Kriminalroman. In der Küstenstadt Barkley Cove stirbt ein Mann. Die Bewohner sind sich einig: Schuld muss das Mädchen Kya Clark sein, das alleine in der Sumpfhütte im Marschland lebt. bil

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