Kirchheim

Die Männer und der Baumarkt

Kabarett „Die Vorletzten“ gastieren in der Naberner Johanniskirche. Zwei Pfarrer bieten eine überzeugende Mischung von Humor und Nachdenklichkeit. Von Günter Kahlert

Kabarett und Kirche - wie passt das denn zusammen? Es passt, zumindest wenn man es so betreibt wie die „Vorletzten“ in der Naberner Johanniskirche. Es sind zwei evangelische Pfarrer, die hier Humor und Kirche auf einen unterhaltsamen Nenner bringen. Der eine, Sören Schwesig, ist Stadtdekan in Stuttgart, der andere, Peter Schaal-Ahlers, einer von vier Pfarrern im Ulmer Münster. Seit 17 Jahren treten die beiden zusammen auf, ein absolut eingespieltes Team. Mit klarer Rollenverteilung. Peter Schaal-Ahlers ist der eher deftige Schwabe, Sören Schwesig der Hochdeutsche für die feinen Töne - und für‘s Piano.

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Das Programm der beiden ist kein Pointenhagel der üblichen Art. Sie sind witzig, auch oft nachdenklich, aber nie verletzend. Und es geht viel um Mitmenschliches. Ihr Einstieg ins Programm deshalb auch mit Milieu-Beschreibungen, in denen man sich gerne auch mal selbst wiedererkennt. Die Konservativen, die Etablierten und die bürgerliche Mitte, der brillantschwarze Daimler, das Schiesser-Feinripp, die Kehrwoche und der Schrebergarten. Sie nehmen Klischees wundervoll aufs Korn und treffen sehr präzise.

Und natürlich die „vergessene Zielgruppe“: die Männer. Spätestens seit dem Bestseller des Ehepaares Barbara und Allan Pease „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“, ein immer wieder gerne genommenes Thema. Aber immer wieder gut. Tipp von Peter Schaal-Ahlers: „Wenn de mies drauf bisch, fahr in da Bau- markd.“ Er schildert die Hochgefühle der Männer, wenn sie in ihrem Paradies sind und dann auch noch die Sonderangebote sehen. Objekt der Begierde sind in dem Fall die „gelbe Päckla“ mit den Hochdruckreinigern. Ist zwar schon der dritte im Hause, aber egal. „Wenn der Kärcher im Kofferraum isch, des isch unglaublich“, beschreibt der Kabarettist die Gefühlslage „der Männer“. Natürlich gibt es auch Tipps wie „Mann“ auf die unvermeidlichen Fragen der Ehefrau antwortet. Sie: „Wozu brauchst du einen Hochdruckreiniger?“ Er: „Wirsch scho seha.“

Auch die evangelische Landeskirche kriegt ihr Fett ab. Die beiden machen sich über die komplizierten bürokratischen Strukturen lustig. Wenn beispielsweise ein Dorfpfarrer auf dem Kirchendach ein schwules Storchenpaar entdeckt und das auch noch neben einem Kindergarten. Ein Skandal, wie soll er damit umgehen? Er ruft den Kirchenrat an, der verweist ihn auf den Umweltbeauftragten: „Die Benutzung kirchlicher Gebäude ist meldepflichtig“, von dort aus landet er beim Baureferat: „Wir sind hier nur mittelbar zuständig“ und schließlich beim theologischen Referat: „Wir verfahren wie immer“. Ergebnis: Das Storchennest wird mit einem Sichtschutz versehen, was man nicht sieht, gibt es auch nicht. Sören Schwesig spielt die Rolle des Dorfpfarrers und Peter Schaal-Ahlers mimt unterschiedliche Personen auf der Verwaltungsseite. Eine herrliche Karikatur des Dschungels der Zuständigkeiten. In den Bänken der Johanniskirche wird herzhaft gelacht.

Am Ende des mehr als zweistündigen Programms gibt es dann doch noch Botschaften für die Besucher des Abends. Das ist aber keine Predigt, sondern ein nachdenkliches Reflektieren über das Glücklichsein. „Sehen Sie zu, dass Sie mit Leuten zusammen sind, die Ihnen gut tun“, ist eine oder „wenn Sie wirklich glücklich sein wollen, tun Sie etwas für andere.“ Das Ganze nicht in einem pastoralen Ton oder belehrend, Peter Schaal-Ahlers wirkt authentisch wie ein Freund. Immer wieder mit Humor aufgelockert. Beispiel: „Jetzt habe ich kapiert, was Gnade ist - wenn ich den letzten Kaffee aus unserem Automaten im Büro kriege!“ Dazu passt auch das Schlusswort der beiden. „Lache, und die Welt lacht mit dir. Schnarche, und du schläfst allein.“ Ein entspannter, heiterer Abend in der Naberner Johanniskirche.