Kirchheim

Die Musik ist die beste Gottesgabe

Reformation Ein Vortrag befasst sich mit der Bedeutung des protestantischen Gemeindegesangs.

Kirchheim. Musik war der Herzschlag der Reformation. Martin Luther schrieb zentrale biblisch-theologische Erkenntnisse auch in Liedern nieder. Der Freundeskreis Kirchheimer Kirchenmusik organisierte im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017 einen Vortrag zur Bedeutung des protestantischen Gemeindegesangs. Unter dem Titel „Ein neues Lied wir heben an“ stellte der Historiker und Musikwissenschaftler Professor Ulf Scharlau die Frage nach der Bedeutung Luthers in den Mittelpunkt.

„Ich gebe nach der Theologia der Musica den nähesten Locum und höchste Ehre.“ Mit dieser Aussage betont Martin Luther die besondere Bedeutung der Musik für sein reformatorisches Denken. Sie mache zu einem fröhlichen Christen, vertreibe den Teufel und sei so eine „ancilla theologiae“ - eine Gehilfin der Theologie.

Im Jahr 1523 tritt Luther erstmals als Dichter und Komponist eines Liedes hervor. Vielsagend ist seine Einschätzung: „Die Musik ist die beste Gottesgabe. Durch sie werden viele und große Anfechtungen verjagt. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht.“ Musik spielte neben der Geselligkeit im Hause Luther eine große Rolle. Luther unterhielt bei Tisch mit seiner Laute eine oft große Gesellschaft.

Viele Gemeindelieder der Reformationszeit werden von Luther und Autoren aus seinem Umfeld neu gedichtet. Bekannten Gesängen, Hymnen oder Volksliedern werden neue Texte unterlegt.

Einen besonderen Akzent in der Entwicklung des Gemeindegesangs setzt der Referent mit der Geschichte des von Luther gedichteten und vertonten Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott“. Das Lied nimmt die grundlegende reformatorische Botschaft auf, dass der wahrhaft Gläubige allein auf Gottes Hilfe vertrauen könne. Vom Psalmchoral wandelte es sich zum nationalen Kampflied. Schon der Schwedenkönig Gustaf Adolf ließ vor Schlachten dieses Lied von seinen Soldaten singen. In der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon wird es zum Kampflied, zur „Marseiller Hymne der Reformation“ (Heinrich Heine) und Luther zu einem Vorkämpfer der Freiheit der Deutschen. Komponisten wie Mendelssohn-Bartholdy oder Richard Wagner benutzen das Lied in ihren Werken.

Für das Grundanliegen der Reformation - „Sola scriptura“ - allein das Wort - war somit die Musik das entscheidende Medium, und es wundert nicht, dass Johann Sebastian Bach in seiner Kantate zum Reformationstag 1730 die Aufforderung aus Luthers Lied aufnimmt: „Das Wort sie sollen lassen stahn.“Peter Treuherz

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