Kirchheim
Die Musiknacht knüpft an ihre Erfolge an

Kult-Veranstaltung Am Samstag lockte die 23. Musiknacht in die Kirchheimer Innenstadt und glänzte mit alten und neuen Gesichtern. Von Katharina Daiss

Die Musiknacht ist ohne Zweifel eine der spektakulärsten Veranstaltungen Kirchheims – und nach zwei Jahren Corona-Pause ist sie endlich wieder dort, wo sie hingehört: In den Biergärten, Lokalen und auf den Straßen der Innenstadt.

Die Musiknacht beginnt nach dem „Warm-Up“ traditionell mit der Rede des Oberbürgermeisters: Dr. Pascal Bader betritt die Bühne auf dem Marktplatz. Zusammen mit den Veranstaltern Christian Eckhardt, Hannes Hergenröder und François Saorine eröffnet er die 23. Musiknacht der Teckstadt. Dafür ist Kirchheims Stadtoberhaupt extra von seiner Reise in die französische Partnerstadt Rambouillet zurückgekehrt. Natürlich freut es ihn, dass in Kirchheim endlich wieder was los ist.

Calo Rapallo begeistert mit Blues Alt und Jung. Fotos: Markus Brändli

Eine Musiknacht ohne Michael Holz war bisher nicht vorstellbar, doch es ist der letzte Auftritt des langjährigen Machers der spektakulären Veranstaltungen: Er nimmt Abschied von den Bühnen der Kircheimer Innenstadt und reicht den Staffelstab an eine neue Generation weiter: „Es ist Zeit, neue Wege zu gehen und die Aufgabe an jüngere Organisatoren weiterzugeben.“

58 Bands an 37 Plätzen

Mit dem Startschuss füllt sich die Innenstadt in rasendem Tempo. Die neuen Organisatoren warten mit 58 Bands und DJs auf. Alle 50 bis 100 Meter erwartet die Besucherinnen und Besucher ein neuer Ohrenschmaus. An 37 Plätzen spielen die Künstlerinnen und Künstler bis tief in die Nacht, und schnell bestätigt sich die alte Weisheit: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

In Kirchheim war die Freude groß.

Im Alten Wachthaus macht sich das Duo Sina und Charly bereit. Bereits die ersten Töne beim Mikro- und Gitarrencheck ziehen die Besucherinnen und Besucher der Musiknacht in den Biergarten. Und so sind sämtliche Plätze schon besetzt, bevor das Musiker-Duo bei bestem Wetter mit Billy Withers „Ain't No Sunshine“ loslegt. Die rockigen bis bluesigen Songs haben noch eine weitere Legende in den Biergarten gelockt: Ein Gene-Simmons-Double nähert sich den Sängern – und er will ordentlich mitmischen. Das Akustik-Duo nimmt den anhänglichen Hard-Rocker gerne auf, doch die drei wollen nicht so recht zusammenfinden. Bevor die Stimmung kippt, verabschieden Sina und Charly den freundlichen Eindringling mit einem liebevollen „He was made for loving you“ von der Bühne. Das Kiss-Double bleibt eines der beliebtesten Fotomotive des Abends.

Latin-Musik verführt zum Salsatanz.

Egal wohin man geht: Man wird sofort gefangen genommen von den unterschiedlichsten Musikgenres. Vor dem Rathaus heizen „Latin Spirit“ dem Publikum mit lateinamerikanischen Rhythmen ein. Bei den mitreißenden Salsa-Beats können die Zuschauer nicht mehr an sich halten: Leidenschaftlich und ausgelassen fegen sie paarweise über die Pflas-tersteine zwischen Rathaus und dem „Bären“.

Auch Newcomer sind zur Musiknacht geladen: Die Boyband „Rebeldes Mind“ gibt hinterm Wilden Mann ihr Debüt in der Kirchheimer Innenstadt. Das vornehmlich jugendliche und weibliche Publikum filmt fleißig mit, als Sänger Fabio Lentini den gefühlvollen Pop-Rock-Song „Iris“ emotionsgeladen und kraftvoll zum Besten gibt.

Vor Alex‘ Pub hat sich eine musikalische Regionalgröße niedergelassen: „Zwei Stimmen, zwei Gitarren“, lautet das Motto von Markus Geyer und Paul Lawall. „Um 20.35 Uhr spielen wir eigentlich Proud Mary“, erzählen sie dem Publikum, nur um dann zu exakt dieser Uhrzeit den Beatles-Hit „Don’t let me down“ zu schmettern.

Europas einzigartige AC/DC-Tribute-Band "She's got Balls" gab sich auf der Musiknacht die Ehre.

Um halb zehn übernimmt „Tonic“ die große Bühne auf dem Rossmarkt. Die vier begeistern den prall gefüllten Platz mit Hits von Coldplay über Pink Floyd bis hin zu Eminem. Die Meute vor der Bühne tanzt, singt mit und liegt sich glücklich in den Armen.

Auf dem „Platz der kleinen Freiheit“ tönen die Blasinstrumente von Grup Huub und machen die Nacht zum Tag. „War da was? Es fühlt sich genau so an wie vor vier Jahren“, rufen die Jungs in die Menge – und das beschreibt das Gefühl des Abends am besten: die Leichtigkeit, die Unbeschwertheit und die Freude an der Musik und am Wiedersehen. An diesem Abend wirkt es so, als habe es nie eine Pandemie gegeben.

„Anstrengend, aber großartig“

Das Organisatoren-Trio ist überglücklich mit seiner ersten Musiknacht in der Kirchheimer Innenstadt. „Es war sehr anstrengend, aber großartig. Die Stadt, die Bühnen – alles sah super aus“, berichtet Hannes Hergenröder erschöpft und ergänzt: „Die nächste Musiknacht kann kommen, das Datum steht schon fest: der 3. Juni 2023.“