Kirchheim

St. Ulrich bekommt neues Licht und neuen Kirchenmusikdirektor

Sanierung Nach sieben Monaten Bauarbeiten wurde in der Pfarrkirche St. Ulrich der erste Gottesdienst gefeiert. Neu ist auch der Kirchenmusikdirektor. Von Peter Dietrich

Diakon Rainer Wagner spricht am Pult der frisch renovierten Ulrichskirche (oben).  Eine neues Feature gibt es auch: Das Licht ka
Diakon Rainer Wagner spricht am Pult der frisch renovierten Ulrichskirche. Foto: Peter Dietrich

Neugierige waren eingeladen, nach dem Gottesdienst noch einmal für ein paar Minuten Platz zu nehmen. Dann präsentierte der Fachingenieur Andreas Kiefer, welche verschiedenen Lichtstimmungen sich nun in der Pfarrkirche St. Ulrich ganz leicht herstellen lassen. Da gibt es die Meditation, bei der das Licht mehr oben gegen die Decke leuchtet und die Höhe des Kirchenschiffs betont. Ganz anders hingegen die Taizé-Stimmung, bei der das Licht zielgerichtet nach unten strahlt. Die Orgelnacht hat ihr eigenes Lichtprogramm, an Werktagen ist das Licht zurückhaltend, sonntags gibt schon etwas mehr. Beim ersten Gottesdienst nach den siebenmonatigen Bauarbeiten war natürlich die Festbeleuchtung angesagt, die es künftig an hohen Feiertagen geben wird. Der Clou: Selbst diese wirklich helle Festbeleuchtung braucht weniger Energie als das frühere Licht. Leuchtdioden haben eben eine hohe Energieausbeute. Die Lampen lassen sich dimmen, sehr weit heruntergedimmt leuchten sie wie Kerzen. Gesteuert wird das Ganze vom Tablet aus, das gilt auch für die Glocken. Vom Tablet aus lassen sich auch Lichtfarben aufrufen. Doch mit Farbe, betont Andreas Kiefer, müsse man sparsam umgehen.

Kleine Strahler im Taschenlampendiesgin

Moderne Lichtsteuerungen gibt es auch in anderen Kirchen, etwas ganz Besonders ist es aber, dass in St. Ulrich auch die beiden großen Krippen einbezogen sind. Sie werden von neuen Stelen beleuchtet, an denen ganz kleine Strahler im Taschenlampendesign angebracht sind. Einen Nachteil kann so eine neue, helle Beleuchtung haben: Sie offenbart alle Risse, Schmutzflecken und Schäden an den Wänden. Die gibt es aber in St. Ulrich nicht, denn auch die Wände wurden neu gestrichen, die Elektrik wurde erneuert, es gibt eine neue Heizung und eine neue Wärmedämmung. Die Generalüberholung der Orgel, mit der die Innensanierung ihren Anfang nahm und dann nach und nach immer größer wurde, ist fast abgeschlossen - in Kürze wird der Organist dann wieder alle Register ziehen können.

Während des Gottesdienstes musste dieser Organist, Thomas Specker, einmal seinen gewohnten Arbeitsplatz verlassen. Denn der Diözesankirchenmusikdirektor Walter Hirt war in die Feier gekommen, um Thomas Specker zu ehren und bekanntzugeben, dass Bischof Dr. Gebhard Fürst ihn zum Kirchenmusikdirektor ernannt hat. Er habe nie damit gerechnet, zu dieser Ehre zu kommen, sagte Thomas Specker, und dankte allen, die mit ihm gemeinsam musizierend und singend tätig sind, auf sie komme es an. Schon seit August 1987 ist Thomas Specker in Kirchheim, ein Jahr später wurde er Dekanatskirchenmusiker. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernahm er nicht alleine, das Ehepaar Gindele erfreute mehrmals mit Flöte und Gesang: „O Heiland, reiß die Himmel auf!“

Auch „Jesaja“ war gekommen

Sogar der alttestamentliche Prophet Jesaja war zur Feier gekommen, verkörpert durch Peter Böhret. Er wird den Propheten mit der bildhaften Sprache auch an den kommenden Adventssonntagen darstellen. Bildhafte Sprache? Ja, die „Schwerter zu Pflugscharen“ sind in Jesaja 2 zu finden, die „Wüste, die zu blühen beginnt“, ist auch von ihm. Das gilt ebenso vom Bild, das Gott als den Töpfer und den Menschen als Ton beschreibt. „Gott hat mit jedem etwas vor“, sagte Pfarrer Franz Keil in seiner Predigt zu diesem Bild. Man dürfe ihm auch im Gebet sagen, wenn man sein Handeln nicht verstehe: „Warum hast du mich geknetet?“

Der Innenraum von St. Ulrich wurde innerhalb eines Jahrhunderts mindestens zum dritten Mal gründlich durchgeknetet: 1968/1969 geschah dies ausgelöst durch den offenen Geist des II. Vatikanischen Konzils. Die Dach- und Fassadensanierung folgte 1999, ein Jahr später dann erneut eine umfassende Innensanierung. Für die jetzige Sanierung waren der Architekt Dieter Franz Hoff und das Ingenieurbüro Kiefer verantwortlich.

Doch bei aller Pflege und Schönheit: Steine und Räume sind in einer Kirchengemeinde nur Mittel zum Zweck, auch wenn sie unter Denkmalschutz stehen wie die Pfarrkirche St. Ulrich. Daran erinnerte der Kirchengemeinderatsvorsitzende Dieter Groß: „Eine Kirche ist kein Museum. Sie soll ein Ort der Begegnung, des Glaubens und der Hoffnung sein.“

Ulrichskirche in Kirchheim/Teck, Steuerung per Tablet
Die Ulrichskirche in Kirhheim hat neue Technik: Steuerung per Tablet. Foto: Peter Dietrich
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