Kirchheim

Die Pausen richten sich nach Frau Holle

Ausstand Obwohl viele Mitarbeiter der Autobahnmeisterei heute streiken, können sie die Bürger beruhigen: „Der Winterdienst ist gesichert.“ Von Thomas Krytzner

Wenn‘s schneit, rücken sie aus: die Mitarbeiter von der Autobahnmeisterei.Foto: Thomas Krytzner
Wenn‘s schneit, rücken sie aus: die Mitarbeiter von der Autobahnmeisterei.Foto: Thomas Krytzner

Wer früh auf die Autobahn muss, nimmt es oft als selbstverständlich hin, dass die Winterdienste bereits im Einsatz sind. Heute befinden sich einige Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Kirchheim im Warnstreik. Nachdem die ersten Tarifverhandlungen ohne Ergebnis vertagt wurden, hat die Fachgewerkschaft der Straßen- und Verkehrsbeschäftigten zum Warnstreik aufgerufen. In der Ankündigung bittet der Bundesvorsitzende, Hermann-Josef Siebigteroth, um Verständnis, falls es punktuell zu Einschränkungen im Winterdienst kommt.

Bei der Autobahnmeisterei Kirchheim gibt es 22 Straßenwärter, die im Zweischichtbetrieb den Räumdienst aufrechterhalten. Auf rund 100 Autobahnkilometern sowie auf den zugehörigen Rastplätzen zwischen dem Autobahnkreuz Stuttgart und der Anschlussstelle Mühlhausen versehen acht Räumfahrzeuge während sieben Tagen an 24 Stunden ihren Dienst.

Nicht immer sind die Straßenwärter aber willkommene Begleiter auf der sechsspurigen A 8. „Unsere Mitarbeiter stoßen oft auf Unverständnis, da gibt es schon mal Beschimpfungen oder entsprechende Handzeichen“, ärgert sich der stellvertretende Leiter der Autobahnmeisterei Kirchheim, Sven Sieger. Im Winterdienst kriege man das kaum mit, weil die Straßenwärter da mit vielen anderen Dingen beschäftigt sind.

Ihr Tagesablauf ist Routine. „Nach der Einteilung auf die Fahrzeuge gibt es die Schichtübergabe durch die Mitarbeiter“, erklärt Sven Sieger den Arbeitstag. Die Fahrzeuge werden einsatzbereit gemacht, wenn nötig Flüssigsalz und Lauge in den Tank gefüllt, und dann geht’s los auf die Autobahn. „Die Pausen richten sich nach der Verkehrslage. Wenn es schneit, geht die Sicherheit vor.“ Jedes Fahrzeug hat einen bestimmten Räumbereich. Je nach Bedarf geht’s dann zu einem der vier Salzdepots entlang der A 8. „In Mühlhausen lagern 900 Tonnen Salz, in Kirchheim haben wir 3 000 Tonnen, in Degerloch stehen 125 Tonnen Salz zur Verfügung, und die Kollegen aus Herrenberg betreiben noch ein Depot in Stuttgart-Vaihingen mit 1 500 Tonnen Salz.“

Die insgesamt 26 Mitarbeiter der Autobahnmeisterei sind nicht nur im Winter für die Sicherheit auf der Autobahn verantwortlich. In den eisfreien Monaten schneiden die Straßenwärter das Gehölz entlang der Autobahn zurück und sind mit Mähmaschinen unterwegs. „Wir sichern auch die Entwässerung auf der Straße, damit Aquaplaning verhindert wird, und leisten Unfalldienst, wie am vergangenen Dienstag beim Lkw-Unfall bei Weilheim.“ Ebenso werden Fahrbahnschäden repariert und Bauwerkskontrollen durchgeführt. Der heutige Streik bereitet Sven Sieger keine großen Sorgen: „Zum einen treten nicht alle Mitarbeiter in Streik - falls es schneit, ist der Winterdienst gesichert.“ Laut Wettervorhersage wird Frau Holle heute ohnehin erst abends, nach Streikende, in der Region aktiv.

24 Stunden, 7 Tage,2 Schichten

Robert WendlingFoto: Krytzner
Robert WendlingFoto: Krytzner

Herr Wendling, zuerst: Welche Auswirkungen hat der heutige Warnstreik auf den Winterdienst?

Robert Wendling: Es gibt eine Notdienstvereinbarung, und die Bereitschaft läuft ganz normal weiter. Wir sind ohne Unterbrechung 24 Stunden an sieben Tagen die Woche in zwei Schichten einsatzbereit. Die Grundsicherung bleibt damit bestehen.

 

Was passiert überhaupt beim Warnstreik heute von 7 bis 14 Uhr?

Wendling: Wir stehen vor dem Hoftor der Kirchheimer Autobahnmeisterei, unterstützt von weiteren Kollegen und Gewerkschaftsmitgliedern aus nah und fern: Der Bundesvorsitzende der VD-Straßen-Fachgewerkschaft, Hermann-Josef Siebigteroth ist vor Ort und Jörg Feuerbacher, der stellvertretende Landesvorsitzende des Beamtenbundes Baden-Württemberg hat sein Kommen angekündigt. Zudem reisen von der Autobahnmeisterei Herrenberg noch weitere Kollegen zu uns, damit wir unseren Forderungen gemeinsam Nachdruck verleihen können.

 

Was soll mit dem Warnstreik erreicht werden?

Wir fordern eine Lohnerhöhung von sechs Prozent sowie eine monatliche Sozialzahlung von jeweils 200 Euro für die nächsten zwölf Monate. Ebenso verlangen wir die Erhöhung der Bezahlung für die Auszubildenden und Praktikanten um 100 Euro. Die Regelungen zur Übernahme von Auszubildenden soll wieder in Kraft gesetzt werden. Außerdem sollen die Auszubildenden 30 Tage Urlaub bekommen, und die Kosten für den auswärtigen Berufsschulbesuch sollen durch den Arbeitgeber - nämlich durch das Regierungspräsidium Stuttgart - übernommen werden.

 

Warum fordern Sie eine monatliche Sozialzahlung in Höhe von 200 Euro?

Für Angestellte, die mehrheitlich im Büro oder in sonst weniger gefährlichen Berufen arbeiten, kostet die Berufsunfähigkeitsversicherung rund 80 Euro im Monat. Für uns Straßenwärter wird der doppelte Betrag fällig, weil wir an gefährlichen Orten arbeiten. So wollen wir die hohe Versicherungsleistung aus eigener Tasche kompensieren. Im Durchschnitt kommt ein Mitarbeiter pro Jahr bundesweit im Straßendienst bei der Arbeit ums Leben. Der Verkehr auf den Straßen hat in den letzten Jahren zugenommen, außerdem auch die Aggressivität der Verkehrsteilnehmer.

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