Kirchheim

Die Reise geht bis Konstantinopel

Lesung Der Autor Ralf Dorweiler nimmt seine Zuhörer in Kirchheim mit auf eine mittelalterliche Reise und lädt sie dazu ein, den jungen Glasbläser Simon auf einem spannenden Abenteuer zu begleiten. Von Anna Ioannidis

Ralf H. Dorweiler entführt seine Zuhörer ins mittelalterliche Venedig.Foto: Carsten Riedl
Ralf H. Dorweiler entführt seine Zuhörer ins mittelalterliche Venedig.Foto: Carsten Riedl

Im Leseladen in der Kirchheimer Wellingstraße versammelt sich eine kleine, aber feine Gästerunde. Im Hintergrund läuft mittelalterliche Musik. Bei Wein und Gebäck unterhalten sich die Gäste angeregt, bevor die Veranstaltung beginnt. Ralf H. Dorweiler liest aus seinem neuesten Historienroman „Das Geheimnis des Glasbläsers“.

Im ausgehenden Spätmittelalter im März des Jahres 1452 findet die Hochzeit Kaiser Friedrichs III. und seiner Braut Eleonore statt. Ihnen zu Ehren kommen viele Gäste, darunter ein Gesandter des Dogen aus Venedig. Der junge Mann mit dem Namen Emilio Nani bringt eine Schatulle als Geschenk mit. Darin befindet sich das edelste Glas, das Friedrich und Eleonore je gesehen haben. Im Fuß des Cristallo-Glases sind die Kürzel AEIOU - sämtliche Vokale - vermerkt. „Vielleicht erfahren wir heute Abend bei der Lesung, was das zu bedeuten hat“, sagt Ralf H. Dorweiler und löst ein Schmunzeln bei den Zuhörern aus.

Friedrich lässt seinen Vertrauten Ulrich Riederer zu sich holen. Der Kaiser flüstert ihm etwas heimlich ins Ohr. Was es ist, erfahren weder die Zuhörer noch seine neugierige Braut. Der Autor lässt seine Gäste die Spannung auskosten und springt vom Roman zur Entstehung in der Gegenwart: „Normalerweise brauche ich eine Weile, bis ich weiß, wie die Fäden zusammenlaufen. Bei dieser Erzählung wusste ich bald, dass sich der Glasbläser Simon auf den Weg machen wird, um das Rezept des Cristallo-Glases zu stehlen. Es handelt sich um eine Art Betriebsspionage“, meint Dorweiler. Das entlockt den Gästen ein herzhaftes Lachen.

Nachdem die Zuhörer den jungen Simon in einer Textpassage kennengelernt haben, findet ein kleines Quiz mit zwei Zuhörern statt. Im Spiel geht es darum, die Orte im Roman kennenzulernen. Man erfährt, dass 5 000 Passanten pro Jahr damals den Gotthard-Pass überquerten, dass 65 Ochsen eine Kanone gezogen haben und dass sechs Prozent der Bevölkerung von Venedig Dirnen waren.

Die Handlung springt weiter ins Venedig im April 1452, und die Gäste lernen die Protagonistin Serena Pellini kennen. Diese Dirne umgarnt einen Fischhändler und kauft dadurch günstiger ein. Die humorvolle Szene bringt die Hörer erneut zum Schmunzeln und Lachen. Noch eine Weile begleitet das Publikum die Figur auf ihrem Gang über den Markt. Als Serena an ihrem Haus, dem Palazzo del Piacere ankommt, endet die Lesung. Ob Simon es schafft, die Glasrezeptur zu stehlen und wie er nach Konstantinopel kommt, muss jeder selbst herausfinden. Die Zuhörer applaudieren kräftig.

Ralf H. Dorweiler wünscht sich: „Ich hoffe, dass viele meinen Roman lesen werden. Und ich wünsche allen beim Lesen genauso viel Spaß, wie ich beim Schreiben des Buches hatte.“

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