Kirchheim

Die Republik ist auf den Weg gebracht

Ausstellung Der „Pfad der Demokratie“ hat in Kirchheims Innenstadt zehn Wochen lang an den Aufbruch von 1918/19 erinnert.

Kirchheim. In zehn Wochen hatte sich Deutschland völlig verwandelt, vom Kaiserreich zur Demokratie. Diese zehn Wochen ließen sich 100 Jahre später noch einmal nachvollziehen - in Kirchheims Innenstadt und im Teckboten. Am heutigen Samstag geht der „Pfad der Demokratie“ zu Ende: Die Ausstellung wird abgebaut, zum Jahrestag der Wahl vom 19. Januar.

Kirchheims Stadtarchivar Dr. Frank Bauer, der den „Pfad der Demokratie“ initiiert hatte, blickt zufrieden auf die vergangenen zehn Wochen zurück: „Die Resonanz war durchweg positiv - vor allem, was die Führungen betraf. Ich war überrascht von der großen Nachfrage nach den Touren.“ Zwölf „Jugend-Guides“ zwischen 14 und 18 Jahren hatte er zu diesem Zweck im vergangenen Jahr ausgebildet. „Die haben das in ihre Schulen getragen. Und sie konnten auch viele Freunde und Familienmitglieder aktivieren.“ 300 bis 350 Teilnehmer haben sich auf dem „Pfad der Demokratie“ führen lassen.

Vor allem im November und Dezember waren die sonntäglichen Führungen gut besucht. Hinzu kamen viele Privatführungen. Auch Politiker - Stadträte ebenso wie Landtags- und Bundestagsabgeordnete - machten sich vor Ort ein Bild über die Entwicklung der Demokratie vor 100 Jahren.

Raus aus dem „Versager-Status“

Seine Ziele sieht Frank Bauer allesamt verwirklicht: „Es war mir ein großes Anliegen, die Weimarer Republik aus dem Versager-Status herauszuholen. Man darf sie eben nicht nur von ihrem Ende her betrachten. Ich denke, wir konnten sie hier als Chance darstellen, etwas Besseres aufzubauen.“

Auch die Arbeiter- und Soldatenräte wollte er aufwerten: „Das waren in Kirchheim keine Revoluzzer. Die haben für Ruhe und Ordnung gesorgt und versucht, einen möglichst weichen Übergang zu erreichen.“ Weitere Themen, die bei den Führungen auf großes Interesse stießen, waren der Militärstandort Kirchheim, aber auch die Informationskanäle der damaligen Zeit: „Die Menschen mussten zu den Versammlungen kommen, wenn sie etwas erfahren wollten. Deshalb haben wir die Gasthaus-Säle als die Labore der Demokratie bezeichnet.“

Eines der Themen geht in eine neue Runde: Zu „100 Jahre Frauenwahlrecht“ gibt es vom 15. Februar bis zum 8. März im Rahmen der Frauenkulturtage eine Ausstellung in der Stadtbücherei. Den Eröffnungsvortrag hält Gesine Schwan, die zweimalige Gegenkandidatin Horst Köhlers in der Bundesversammlung.Andreas Volz

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