Kirchheim

Die Schlange an der Kasse ist passé

Seit gut vier Monaten kann in Kirchheim in vielen Geschäften kontaktlos bezahlt werden

Bankkarte ans Lesegerät halten – Piep! – schon ist der Betrag bis 25 Euro unter einer Sekunde bezahlt. Das klappt auch in Kirchheim.

Die Karte setzt sich mehr und mehr durch, doch der Griff ins Münzfach wird wohl niemals ganz wegfallen.Fotos: Carsten Riedl/Mirc
Die Karte setzt sich mehr und mehr durch, doch der Griff ins Münzfach wird wohl niemals ganz wegfallen.Fotos: Carsten Riedl/Mirco Lehnen

Kirchheim. Die Entwicklung der Bezahlmöglichkeiten in Supermärkten, Parkhäusern und Tankstellen geht immer weiter. Seit vier Monaten besteht in vielen Läden in Kirchheim die Möglichkeit, kontaktlos zu bezahlen. Die „Near Field Communication“–Technologie (NFC), zu deutsch: Nahfeld-Kommunikation, lässt Smartphones oder Bank- und Kreditkarten mit dem Lesegerät, zum Beispiel im Supermarkt, über eine kurze Distanz (maximal vier Centimeter) gegenlesen. So können Kleinbeträge bis 25 Euro nur durch das Hinhalten des Handys oder der Karte bezahlt werden. Größere Beträge benötigen wie bisher eine PinEingabe.

Die kurze Distanz zwischen Lesegerät und Karte verhindert das missbräuchliche Auslesen von Daten. Sicherheitscodes sind dynamisch und werden nur einmal verwendet. Sie können nicht kopiert werden. Somit fällt das Risiko der Doppelbelastung weg, selbst wenn das Handy aus Versehen mehrfach an das Leseterminal gehalten wird. Ein optisches und akustisches Signal bestätigt die Zahlung. Manipulationen an Lesegeräten sind durch die NFC-Technologie kaum noch möglich.

Karl-Michael Bantlin, Vorsitzender des City Rings Kirchheim, schmunzelt und erklärt: „Diese Bezahlart, ohne die Bankkarte ins Lesegerät zu stecken, ist im City Ring zwar bekannt; allerdings haben bei mir im Geschäft seit der Einführung des Systems maximal fünf Kunden damit bezahlt.“ Drei davon waren erstaunt, dass es überhaupt funktioniert. Bantlin führt weiter aus, dass diese Zahlart vor allem für Geschäfte, in denen viele Kleinbeträge bis 25 Euro anfallen, interessant sei.

Sibylle Mockler, Filialleiterin der Buchhandlung Zimmermann in Kirchheim, sagte auf Nachfrage, dass in der Buchhandlung ein Lesegerät an der Kasse mit der NFC-Technologie ausgerüstet ist. „Bisher hat uns aber kein Kunde auf diese Zahlweise angesprochen. Wir sind gespannt, ob es dann funktioniert, wenn der erste Kunde kontaktlos bezahlt.“

Mario Köhler von der Pressestelle Lidl Deutschland ist begeistert: „Wir sind mit dem Zuspruch der Kunden sehr zufrieden und stellen fest, dass unser erweitertes Serviceangebot gut angenommen wird.“ Es ist das Ziel, dem Kunden einen angenehmen Einkauf zu ermöglichen und ihm die von ihm gewünschte Bezahlmöglichkeit ohne lange Schlange an der Kasse anzubieten. „Bereits seit Juli 2015“, führt Köhler weiter aus, „können die Kunden mit Kreditkarte bezahlen und das kontaktlose Bezahlen mit Kreditkarte ist seit Februar in diesem Jahr ebenfalls in allen Lidl-Filialen möglich.“

„Timo Loos, Zahlungsverkehrsberater der Volksbank-Zentrale in Esslingen berichtet von einer erfolgreich verlaufenden Pilotphase in Kassel. „Für die Volksbank bedeutet die Einführung des kontaktlosen Bezahlens erstmal Aufwand und Kosten für die Programmeinführung.“ Zurzeit bietet die Volksbank das kontaktlose Bezahlen in der Region Kirchheim noch nicht an. Mit dem Versand der neuen Girokarte erhalten die Kunden dann die Möglichkeit, Kleinbeträge ohne Pin kontaktlos zu bezahlen. Die Beträge werden vom Konto abgebucht und es sei, so Timo Loos, keine Aufladung des Kartenchips nötig. Loos berichtet, dass nach den Erfahrungen aus Kassel die neue Bezahlmöglichkeit gerne genutzt werde. Ob sich das System weiter durchsetze, hänge vom einzelnen Kunden ab.

Martin Turetschek, Referent der Abteilung Unternehmenskommunikation bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen berichtet, dass das Kontaktlossystem „Girogo“ flächendenkend eingeführt ist. Das sind im Landkreis Esslingen rund 210 000 Girokarten. „260 Händler sind mit entsprechenden Terminals ausgestattet und teilweise sogar Läden, wo man es gar nicht erwartet: Metzgereien und Apotheken.“ Es sei nicht das Ziel der KSK, das Bargeld abzuschaffen. Vielmehr bietet „Girogo“ eine weitere bequeme Bezahlmöglichkeit. Jetzt gelte es, das kontaktlose Bezahlen noch weiter bekannt zu machen. „Daran arbeiten wir.“

Detaillierte Informationen zum kontaktlosen Bezahlen und entsprechende Sicherheitshinweise finden Interessierte im Internet unter ­www.kontaktlos-zahlen.de

Bargeldlos bezahlen Geldbeutel Bäcker
Bargeldlos bezahlen Geldbeutel Bäcker

Und so funktioniert es:

Wer bereits eine Girokarte hat, die mit dem neuen Bezahlsystem ausgerüstet ist, kann in vielen Läden Kleinbeträge bis 25 Euro ohne Pineingabe bezahlen. An der Kasse wird die Ware eingescannt, und danach erscheint auf dem Display des Laden-Terminals die Aufforderung: „Bitte Karte einstecken oder auflegen!“ Der Kunde kann nun seine Bank- oder Kreditkarte ans Lesegerät halten. Mit einem akustischen und optischen Signal wird die Zahlung bestätigt. Der Vorteil dabei ist, dass die Karte nicht mehr in das Terminal geschoben werden muss. Wer mit seiner Bank eine entsprechende Vereinbarung getroffen hat, kann seine Karte direkt im Geschäft aufladen. Bei der Volksbank beispielsweise wird der Kaufbetrag direkt dem Konto belastet; bei der Kreissparkasse minimiert sich die aufgeladene Summe um den zu zahlenden Betrag.kry

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