Kirchheim

Die Technikfachschule wird zur Lernfabrik

112 Fachschulabgänger und 88 Technikerarbeiten machen die Kirchheimer Max-Eyth-Schule zur größten Fachschule im Kreis

Jannik Weiss justiert „sein“ Beladesystem mithilfe der Software zielsicher auf den Millimeter genau. Foto: Thomas Krytzner
Jannik Weiss justiert „sein“ Beladesystem mithilfe der Software zielsicher auf den Millimeter genau. Foto: Thomas Krytzner

Kirchheim. Die Hände zittern zwar kaum, aber das Lampenfieber steigt: Jannik Weiss stellt gleich seine Prüfungsarbeit, ein Beladesystem, vor.

Mit ruhiger Stimme führt Jannik Weiss sein Publikum aus Betriebskollegen, Lehrerschaft und Schülern durch seinen Vortrag. Er hat während seiner Fachschulzeit bei der Firma Kadia in Nürtingen ein Beladesystem konstruiert und realisiert. Basis und zugleich Hauptbestandteil für diese Handlingstation ist ein Roboter, der Kleinteile greift, von Station zu Station weitergibt und das Fertigteil am Schluss auf die Palette legt.

Am Anfang einer Technikerarbeit steht die Idee. Jannik Weiss, der vom Arbeitgeber Kadia Pflichtaufgaben erhielt, setzte die Vorschlagssammlung zeichnerisch um und erhielt dadurch einen ersten Überblick. Die Beschaffung der einzelnen Komponenten war die nächste Herausforderung. Als schwierig stellt Jannik Weiss den Umgang mit der Software dar: „Da kam es öfters vor, dass wir spät abends noch zusammensaßen und Lösungswege erarbeiteten.“

Der Aufbau der Handlingstation mit Roboter gestaltete sich als Routine. Spannend war die Programmierung der einzelnen Bewegungsschritte des Roboters: den Aufnahmepunkt festlegen, die verschiedenen Koordinaten eingeben. „Toll war, dass die Daten und Maßangaben direkt am beweglichen Roboterarm getestet werden konnten“, berichtet der Prüfling. Und er hofft, dass sein Werk Input für eine serielle Handlingstation ist.

Die Firma Kadia will das Beladesystem für die eigenen Honcentren verwenden, da weitreichende Einsparungen in der Verarbeitungszeit sowie hohe Entlastung für das Bedienpersonal erwartet werden. Im sogenannten „Honverfahren“ werden hauptsächlich Oberflächen von zylindrischen Innenflächen bearbeitet. Am bekanntesten sind dabei die Laufflächen der Kolben von Verbrennungsmotoren. Uwe Scheihing, Leiter der Abteilung Finanzen und Personal von Kadia, hat einen Präsentationsstand in der Max-Eyth-Schule aufgebaut und ist sichtlich stolz auf seinen Schützling. Den Vortrag hat Jannik Weiss übrigens mit einer glatten Eins beendet.

Die Fachschule für Technik präsentiert insgesamt 88 Arbeiten aus verschiedenen Bereichen der Elektrotechnik und Mechatronik. Damit ist sie, gemäß Ralf Möhle, dem stellvertretenden Schulleiter, die größte im Landkreis. 112 Schülerinnen und Schüler bestreiten gerade den Abschluss zum staatlich geprüften Techniker oder Technikerin. Damit die Berufe interessant bleiben und Fachkräfte ausgebildet werden können – der Bedarf aus der Industrie ist sehr hoch – gehen die Pädagogen Dr. Angelika Weber, Ralf Möhle und Wolf Remppis mit der Zeit. Das Unterrichtsprogramm ist mit den Technologiefirmen in der Region vernetzt.

Längst stehen in den Klassenräumen der Fachschule riesige Bearbeitungszentren. Dort können Bohr-, Fräs- und Entgratungsprogramme in Echtzeit ausprobiert werden. In einer anderen Klasse beschäftigen sich die Schüler theoretisch mit der Pneumatik und können das Erlernte im gleichen Raum anwenden. Im Aufbau, und da ist Angelika Weber stolz, befinden sich Roboterzellen. „Da fördern und fordern wir das vernetzte Denken der Schülerinnen und Schüler.“ Geplant sind großräumige Bearbeitungszentren, die Logistik, Fertigung und Qualitätssicherung beinhalten. Zudem können die angehenden Techniker parallel die Abnahme der Handlingmaschinen üben.

Ralf Möller ist glücklich: „Die letzten Schulabgänger fanden alle eine Anstellung.“ Er sieht die Herausforderung im Spagat des Ausbildungsstandes. „Unser Ziel ist es, die Schüler einerseits auf die Berufswelt vorzubereiten und andererseits so viel Know-how zu vermitteln, dass die Fachhochschulreife durch ein anschließendes Studium ergänzt werden kann.“

Die technische Entwicklung in den letzen 20 Jahren hat sich stark beschleunigt. Dies zeigen auch die Ausbildungsaufenthalte im Ausland. „Hat früher eine Fortbildung in China sechs Monate gedauert“, vergleicht Angelika Weber, „braucht der Schüler heute nur noch zwei Monate, um auf dem gleichen Stand zu sein.“ Die „Industrie 4.0“ hat längst auch Einzug in die Max-Eyth-Schule gehalten. In naher Zukunft entsteht eine Lernfabrik, die aus den vorhandenen Laboren und Werkstätten besteht.

Am heutigen Donnerstag gehen die Präsentationen der Technikerarbeiten weiter: Da stehen die Entwicklung einer Verwaltungssoftware sowie unter anderem die Entwicklung einer Baugruppe zur Ortung des Standortes mittels GNSS und GSM auf dem Programm.

Am morgigen Freitag, 1. Juli, können Gäste an Vorträgen über Messvorrichtungen und die Entwicklung eines Home Automations Systems teilnehmen. Den Zeitplan der Präsentationen und weitere Informationen zur Technikfachschule der Max-Eyth-Schule erhalten Interessierte im Internet unter www.mesk.de oder per Telefon beim Sekretariat der Schule: 0 70 21/92 04 30.

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