Kirchheim

Die Weisheit des Alters

Hat der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow das Ende der DDR organisiert? Nein. Aber nach seiner Warnung an diejenigen, die nicht auf das Leben reagieren, meist verkürzt als „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ zitiert, war eines klar: Kein Hardliner konnte sich weiter hinter Moskau verstecken.

Ebenso kann heute kein Bischof mehr behaupten, er sei ja selbst zu Veränderungen bereit, aber da mache der Papst nicht mit. Nein, die Bremser sind andere, etwa Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der auch nach seinem Rauswurf als Chef der Glaubenskongregation - formell eine Nichtverlängerung des Amtes durch den Papst -, weiterhin „schießt“. Oder ein Rainer Maria Kardinal Woelki. - Eine Minderheit, die so laut ist, dass der Eindruck nach außen gewaltig täuscht. Mancher außerhalb der Katholischen Kirche wäre überrascht, wie bunt diese zum Glück im Innern ist - bis hin zum Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der schon beim Christopher Street Day (CSD) mitlief und dort auch noch prämiert wurde.

Das Bild der alten Männer, die auf der kirchlichen Bremse stehen, während die Jungen Gas geben, stimmt ebenfalls nicht. Oft ist es - leider - umgekehrt. Werden heute nur noch die 150-prozentigen Priester? Das wäre eine Verallgemeinerung, aber eine Tendenz ist wohl da.

Auch in der Politik geschieht derzeit Merkwürdiges: Während beispielsweise Edmund Stoiber (CSU) heute offen zugibt, dass die von ihm einst vehement bekämpfte Entspannungspolitik von Willy Brandt (SPD) richtig war, betätigen sich manche Jungen wieder als Scharfmacher. Und Juso-Chef Kevin Kühnert ist bisher auch nicht durch glühende jugendliche Visionen aufgefallen.

Kurzum: „Bei den Großvätern ist die Weisheit und der Verstand bei den Alten.“ Das steht in der Bibel, Hiob 12,12.

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