Kirchheim

Die Zukunft der Musiknacht ist gesichert

Veranstaltung Mehr als 10 000 Besucher strömten zur 20. Ausgabe des Kirchheimer Kultspektakels. Überraschung des Abends: Es gibt schon einen Termin für 2018. Von Günter Kahlert

Foto: Markus Brändli
Kein Grund zur Sorge: Nächstes Jahr darf wieder getanzt und gesungen werden. Foto: Markus Brändli

Die Überraschung war perfekt - hat bloß nicht jeder gleich gemerkt. Musiknachtmacher Michael Holz verkündete bei seiner kurzen Begrüßung am Samstag Mittag vor dem Kirchheimer Rathaus - fast beiläufig - den Termin für die Musiknacht im nächsten Jahr: 9. Juni. Da darf man schon mal stutzen angesichts der Wellen, die das Thema „letzte Musiknacht?“ in der Öffentlichkeit und auch in der Kirchheimer Stadtverwaltung in den Tagen zuvor geschlagen hat.

Wie denn das jetzt? Ganz einfach: Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker hatte Michael Holz hinter der Bühne gesagt „Wir kriegen das hin“, und man kennt sich, vertraut sich. Also nennt „Micha“ Holz spontan auf der Bühne den Termin, den er sich für nächstes Jahr ausgepuzzelt hat. „Das ist eine Woche nach den Pfingstferien und eine Woche vor der Fußball-WM“, erklärt er seine Wahl. Klingt logisch.

Es geht nicht um Ja oder Nein

Irritiert ist Angelika Matt-Heidecker schon, dass sie aus der Zeitung über die Querelen erfahren musste. „Wir kennen uns seit 30 Jahren, haben das eine oder andere Bier miteinander getrunken, wa- rum kommt Michael Holz nicht einfach direkt zu mir und sagt mir: Da stimmt was nicht?“, fragt sich die Stadtchefin. Auch ihr Rathausteam „hat das sehr betroffen gemacht“, erzählt sie. „Sie verstehen sich alle als Ermöglicher, als Macher und nicht als Verhinderer.“ Doch trotz des Ärgers im Vorfeld baut Kirchheims Oberbürgermeisterin jetzt keine Animositäten auf, das würde so gar nicht zu ihr passen. Pragmatischer Ansatz: „Wir werden uns möglichst noch vor Pfingsten zu einem ersten Gespräch treffen, wie es konkret weitergeht.“ Und da geht es nicht um Ja oder Nein, sondern um eine geänderte Aufgabenverteilung beziehungsweise um eine stärkere Beteiligung der Stadt. Wunsch der Musiknachtmacher: Die Stadt übernimmt alles, was mit den Essensständen zu tun hat und kümmert sich um die Reinigung, die verkehrsrechtlichen Anordnungen und die Auflagen.

Ein Event, das nicht fehlen darf

Das wird für die Stadt nicht zum Nulltarif zu machen sein, doch auch da kann man mit der Oberbürgermeisterin reden. „Der Haushalt wird im Oktober eingebracht, und wenn es notwendig ist, dann stehen da entsprechende Mittel drin.“ Klare Ansage. Auch das von den Machern eingeforderte Bekenntnis der Stadt zur Musiknacht ist für Angelika Matt-Heidecker keine Frage: „Das ist ein Event, das nicht fehlen darf. Ich bin ein Fan der Musiknacht.“

Ach ja, da war ja auch noch die Veranstaltung. Dazu muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Mehr als 10 000 Besucher in der Stadt, das Wetter ist in Ordnung. Man bewegt sich in einer „Musikwolke“ zwischen den zahlreichen Bühnen der Innenstadt. Das Beste aber: Es herrscht eine fröhliche, friedliche Stimmung, auch wenn mal gedrängt wird, gehen alle respektvoll miteinander um. Man trifft Menschen aus allen Generationen - und irgendwie passt es. Typisch Musiknacht. Da passt es auch, dass das Polizeipräsidium Reutlingen meldet: „Keinerlei Vorkommnisse - wie jedes Jahr“ und das DRK-Team vor Ort nachts um 1.30 Uhr nur zwei „kleine Einsätze“ verzeichnet. Das muss Kirchheim bei so einer Großveranstaltung erst mal einer nachmachen.

Foto: Markus Brändli , Musiknacht 2017 , 20. Kirchheimer Musiknacht, Musik, Konzert, Bands, Innenstadt
Foto: Markus Brändli

Gut so!

Na also, möchte man fast sagen, geht doch! Aber so einfach ist es dann doch nicht. Michael Holz und Andreas Kenner haben im Vorfeld der Musiknacht quasi einen Stein ins Wasser geworfen, der ganz schöne Kreise gezogen hat. Es ist zweifellos so, dass die Auflagen die Macher des größten Kirchheimer Sommerfestes immer mehr in Bedrängnis bringen, auch kostenseitig. Nur: Da kann auch die Verwaltungsseite nichts dafür, die Vorgaben gibt es, sie werden nicht im Kirchheimer Rathaus erfunden.

Sicherheit beispielsweise bekommt nun mal angesichts der Bedrohungen immer mehr Gewicht. Klar ist man irritiert, wenn am unteren Ende der Max-Eyth-Straße am Postplatz eine Lkw-Sperre aufgebaut ist. Aber spätestens nach den Ereignissen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ist bei Großevents nichts mehr, wie es war.

Logisch, dass die Oberbürgermeisterin angesichts des „Vorpreschens“ von Holz und Kenner ein bisschen sauer ist. Aber sie ist Vollprofi, will die Veranstaltung und weiß, dass man Kompromisse braucht. Natürlich sitzen die Fachleute für das unübersichtlichere Gestrüpp von Verordnungen im Rathaus. Diese Aufgaben dort zu übernehmen, erscheint logisch, da sind selbst erfahrene Eventmanager irgendwann überfordert. Deswegen die Rathausmannschaft als Veranstaltungsverhinderer hochzustilisieren, ist Blödsinn.

Also: Alle Beteiligten setzen sich in Kürze zusammen und diskutieren über die Musiknacht. Entspricht im Übrigen einem Grundsatz aus der Gesprächspsychologie: Miteinander reden, nicht übereinander. Gut so! Von Günter Kahlert

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