Kirchheim

Dieses Jahr wird improvisiert

Umfrage Ostern mal anders – das erleben die Menschen rund um die Teck. Manche laden zum Brunch online ein, andere arbeiten auf der Intensivstation und manch einer freut sich jedoch auf die Ruhe. Von Lena Bautze

Die Suche nach den Ostereiern findet dieses Jahr häufig ohne Großeltern statt. Foto: Jean-Luc Jacques
Die Suche nach den Ostereiern findet dieses Jahr häufig ohne Großeltern statt. Fotos: Jean-Luc Jacques

Ostern ist dieses Jahr anders als gewohnt. Durch das Kontaktverbot fallen viele geplanten Familienfeste ins Wasser. Das traditionelle Ostereiersuchen mit Oma und Opa darf nicht mehr stattfinden - dabei werden manche in der Not kreativ:

„Da Hefe gerade immer noch schwer zu ergattern ist, habe ich eine wilde Hefe mit Datteln angesetzt“, sagt Barbara Ruff. Dabei werden die Datteln für mehrere Tage in ein Zuckerwasser gelegt und fangen an zu gären. Damit backt die Bruckenerin ihr Ostergebäck, das sie dann mit ihrem Mann genießt. Die Zeit verbringt sie mit ihrem Mann, und vielleicht unternehmen die beiden eine kleine Radtour. „Ansonsten sind wir viel im Garten“, sagt sie. Ihr ist es wichtig, den Sicherheitsabstand zu ihrer Familie und anderen zu wahren. Sie findet aber, dass sie ansonsten nicht sonderlich eingeschränkt ist. Normalerweise hat die zweifache Oma ein besonderes Osterfest geplant: „Wir hatten vor, mit unseren Enkeln Ostereier im Freilichtmuseum in Beuren zu suchen. Das fällt jetzt leider aus.“ Trotzdem hat Barbara Ruff den Enkeln ein paar Geschenke zukommen lassen, sodass zumindest die Tochter mit ihnen suchen kann.

An Ostern arbeiten, das wollen die wenigsten, doch genau das macht Lucia Barocka: „Ich arbeite als Springerin auf der Intensivstation in Kirchheim“, sagt die 34-Jährige. Dort hilft sie bei der Pflege der Patienten und arbeitet den Schwestern zu. Normalerweise ist die Kirchheimerin Berufschullehrerin, sie wurde jedoch vom Regierungspräsidium freigestellt, da ihre Unterrichtsfächer eher praktisch

Barbara Ruff
Barbara Ruff

orientiert sind und diese gerade nicht stattfinden können. Wegen ihrer Ausbildung zur Rettungssanitäterin und der dortigen Erfahrung auf der Intensivstation bot sie ihre Hilfe im Krankenhaus an: „Es ist schön, was sinnvolles zu machen“, freut sich Lucia Baro­cka. Ihr Ostern verbringt sie somit auf der Station, vor der andere momentan die größte Angst haben.

Lucia Barocka
Lucia Barocka

Mit seinen Eltern zusammen feiert Mark Baudisch das Osterfest. Eigentlich würde er sehr gerne seine Oma in Neuffen besuchen, aber das geht nicht. Das macht den 28-jährigen Medizinstudenten traurig, da er nicht oft in Deutschland ist und immer nur an großen Festen nach Hause kommt, denn er studiert in Rumänien. Mitte März hat er das Land jedoch verlassen, weil er Angst hatte, gar nicht zum Osterfest in Oberlenningen zu sein. Momentan nimmt er an seinen Vorlesungen online teil. Anders geht es nicht, denn seit Ende Februar haben die Kliniken für die Studenten geschlossen. Ungewohnt, denn eigentlich war im zehnten Semester viel Praxis geplant. Trotz der neuen Situation bleibt Familie Baudisch den Traditionen treu. Mark freut sich auf selbst gefärbte Ostereier mit Senfsoße, die es morgen zum Brunch gibt. Und natürlich darf ein Hefezopf nicht fehlen sowie das Suchen der Osterhasen im Garten.

Mark Baudisch
Mark Baudisch

Normalerweise suchen auch Dagmar Szücs samt Mann und Enkel gemeinsam Ostereier im Garten, doch dieses Jahr ist das durch das Kontaktverbot nicht möglich. „Uns ist es wichtig, das einzuhalten, da wird auch keine Ausnahme gemacht“, sagt die 65-Jährige. Stattdessen verbringt das Paar Ostern auf dem Balkon und spielt dabei Klassiker wie Uno, Halma oder Mensch ärgere dich nicht. Die Kirchheimerin hofft, dass auf die Corona-Pandemie etwas Positives folgt: „Früher war die Solidarität viel stärker als jetzt. Ich würde mir wünschen, dass das durch den Zusammenhalt wieder zurückkommt. Trotzdem kann Dagmar Szücs nicht verstehen, warum sich die Menschen nicht an die Regeln halten: „Manche Kinder haben mehr Verständnis als die Erwachsenen.“

Dagmar Szücs
Dagmar Szücs

Seit über 25 Jahren ist es Tradition, dass sich die komplette Familie von Ralph Schuler zu Ostern trifft. Von jung bis alt verbringen sie die Feiertage zusammen. Doch jetzt fällt der Verwandtschaftsbesuch ins Wasser. Jedoch findet der 56-Jährige das gar nicht so schlimm, denn jetzt hat er etwas Ruhe und kann die Feiertage mit seiner Frau im Garten verbringen. Manchmal schaut auch die Enkeltochter mit genügend Sicherheitsabstand vorbei. Auch beruflich kommt ihm die Situation entgegen: Er ist Hausmeister im Kornhaus und in der Volkshochschule: „Da gerade kein Unterricht stattfindet, können wir die Sachen erledigen, die sonst nicht möglich waren oder auf der Strecke geblieben sind“, sagt der Naberner. Ansonsten macht er sich keine großen Gedanken um das Osterfest.

Ralph Schuler
Ralph Schuler

Ebenso entspannt sieht es Nicole Mütschele aus Weilheim: „Eigentlich mache ich immer einen Osterbrunch mit meinen Eltern und Schwiegereltern“, doch auch hier kann die Tradition nicht stattfinden - das vor allem zum Leid der Großeltern. „Sie sehen ihre beiden Enkel nicht so oft im Jahr, da sie in der Nähe von Darmstadt und Stutt­gart wohnen“, sagt Nicole Mütschele. Deswegen wird improvisiert: „Vielleicht machen wir einen Videobrunch, sodass meine Eltern nicht ganz alleine sind“, sagt die 48-Jährige. Eventuell schaut sich die Familie auch einen der Online-Gottesdienste auf der Homepage www.evangelischekirche-kirchheim-teck.de an.

Nicole Mütschele
Nicole Mütschele
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