Kirchheim

Digitaler Unterricht startet holprig

Bildung Für viele Kirchheimer Schüler ist der Beginn des neuen Schuljahrs von technischen Störungen geprägt.

Mit dem Breitbandausbau möchte die Stadt Home-Office unterstützen. Foto: pr
Symbolbild.  Foto: pr

Kirchheim. Aus der Kirchheimer Freihof-Realschule kamen gestern gute Nachrichten: Der Unterricht hat komplett stattgefunden, sogar Sport wurde per Video gegeben. So etwas ist in Zeiten des Corona-­Lockdowns eine Meldung wert, denn so mancher Server ist zum Schulbeginn ob der zahlreichen Zugriffe in den Schul­streik getreten. „Um 8.30 Uhr hatte ich schon viele E-Mails und Nachrichten bekommen“, berichtet Anette Beck, Elternbeiratsvorsitzende des Schlossgymnasiums in Kirchheim. „Die Eltern im Home­office sind natürlich ­genervt, wenn kurz nach 8 Uhr nichts mehr geht“, sagt sie. Am Schlossgymnasium arbeitet man mit der von der Landesregierung empfohlenen Lernplattform Moodle. Eine Grafik des Dienstleis­ters zeigt, dass es bundesweit Probleme gab, die mit Abstand größten aber in Baden-Württemberg auftraten. „Wir hatten aber damit gerechnet, denn Digitalunterricht für alle ist eine große Nummer“, zeigt sie Verständnis für die Probleme der Schulen. Im Laufe des Tages seien dann auch immer weniger Probleme aufgetreten.

Am Ludwig-Uhland-Gymnasium hat der Unterricht komplett stattgefunden, berichtet Elternbeiratsvorsitzende Claudia Gerlach-Reck. „Meine Tochter ­hatte ein Mischung aus Videokonferenz und Verteilung von Aufgaben per Mail. Dort verwendet man das Microsoft-Programm Teams, dessen Nutzung bundesweit einige Schul­ämter wegen datenschutzrechtlicher Bedenken untersagt haben.

„Nichts geht mehr“, hieß es am Montagmorgen auch an der Kirchheimer Teck-Realschule. Dort verwendet man schon seit dem ersten Lockdown im März vergangenen Jahres die digitale Lernumgebung „Schul-Cloud“. „Der Ansturm war heute zu groß“, sagt der stellvertretende Schulleiter Marlon Lamour. Er hofft, dass das Problem bis heute behoben worden ist. „Sonst müssen wir uns etwas anderes überlegen.“

Die Ursachenforschung ist komplex. Ein Ansatz könnte die Vielzahl von Programmen und die teils sehr kurzfristige Planung sein. „Schauen Sie mal auf Twitter bei Belwü“, empfiehlt Kurt ­Jaeger vom Bempflinger Netzwerkdienstleister Nepustil. „Das Hochschulnetzwerk des Landes Baden-Württemberg zeigt auf seinem Twitter-Acount für den 7. Januar zwei Fotos von zwei Paletten mit „sieben Servern für Moodle“. „Am 7. Januar! Das hätte am 7. März passieren müssen“, wundert sich Kurt Jaeger nicht, dass die Infrastruktur vielerorts nicht ausreicht. Die Voraussetzungen für eine leistungsstarke Versorgung wäre vorhanden. „Baden-Württemberg hat eines der besten Hochschulnetze“, sagt er. Aber die Politik könne dem Technikwandel nicht schnell genug folgen. Thomas Zapp

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