Kirchheim

Disziplin und Sonnenschein

Kommentarvon Bernd Köble zum bevorstehenden Wochenende.

Die Polizei greift bei zu viel Sorglosigkeit ein. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Polizei greift bei zu viel Sorglosigkeit ein. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Kommentar: In der Krise saugt man nichts gieriger auf, als gute Nachrichten. Dass immer mehr Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung inzwischen gesund und damit nach aktuellem Wissensstand auch vorläufig immun sind, schürt zweifellos Hoffnung. Doch jeder falsch aufgefasste Hoffnungsfunke bedeutet Brandgefahr. Wovor Medizinern und Politikern deshalb bange ist: Wenn wachsende Sorglosigkeit und die ersten Frühlingsboten aufeinandertreffen, könnte vieles von dem, was bisher entbehrungsreich erkämpft wurde, umsonst gewesen sein.

Man müsste sich nur erinnern: Eine einzige Skibar in Ischgl hat ausgereicht, um das Virus in weiten Teilen Europas zu verbreiten. Ein Posaunenkonzert in einer kleinen Kirche in Kupferzell hat dazu geführt, dass der Hohenlohekreis zum Epizentrum der Pandemie im ganzen Land wurde. Und jetzt heißt es: Sonne satt und Feiertage, und viele überlegen sich bereits, wieviel Normalität nicht doch erlaubt sein müsste. Die Osterferien werden nicht nur hierzulande zum Lackmustest für Vernunft und geistige Reife eines jeden. Und zur Frage, ob Solidarität in der Bevölkerung mehr ist als der auf Facebook gepostete Dank an Mediziner und Pflegekräfte, die rund um die Uhr um Leben kämpfen. Der Frühling kommt. Wie schnell das Virus geht, entscheidet jeder mit.


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