Kirchheim
Doris Nöth vereint zwei Freunde

Kunst In der Sparkasse werden Werke von Weber und Rommel ausgestellt. Sie verbindet eine lange Freundschaft zu der Kirchheimer Sammlerin. Von Florian Stegmaier

Es gibt viele Arten von Sammler; zudem sind in jeglichem eine Fülle von Impulsen am Werk“, schreibt der Philosoph Walter Benjamin. Für die Kirchheimer Kunstsammlerin Doris Nöth trifft das in hohem Maße zu. Der persönliche Bezug zu den Künstlern ist ihr ebenso wichtig wie die öffentliche Teilhabe an den gesammelten Werken. Diese zugewandte Haltung unterscheidet sie von Sammlern, die vorrangig spekulativen Interessen folgen. 

Dass Nöth „tiefe und inspirierende Spuren im Kirchheimer Kunstleben“ hinterlassen habe, konnte Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader zur Eröffnung der Ausstellung „Aufbruch zum künstlerischen Ausdruck“ guten Gewissens festhalten. Zwei dieser Spuren geht die aktuelle Werkschau in der Galerie der Kirchheimer Kreissparkasse nach. Dort sind die kompletten Bestände der Sammlung Nöths mit Arbeiten von Carl Weber und Friedrich Rommel ausgestellt. Beiden Künstlern war sie über Jahrzehnte freundschaftlich verbunden. Wolfgang Dick, langjähriger Vertrauter und Berater Nöths, hat die Ausstellung kuratiert.

Schicksale werden zum Sinnbild

In ihrer Einführung würdigte Kunsthistorikerin Dr. Katrin Burtschell die zeitweiligen Ateliergenossen als wichtige Repräsentanten des regionalen Kulturlebens. So sind es die Kunst der frühen Moderne, Expressionismus und Impressionismus, sowie der Einfluss des Hölzel-Kreises, die dem desillusionierten Kriegsheimkehrer Weber Orientierung geben. Webers Auffassung von Landschaft charakterisierte Burtschell als „eine Suche nach dem Festhalten des einzigen Augenblicks“. Sein Bildnis einer verlassenen ukrainischen Kriegslandschaft hat die Geschichte inzwischen wieder eingeholt. Weber, ein Kirchheimer Original, das nie eine Akademie besucht hat, wies Burtschell als den impulsiveren und instinktiveren der beiden Künstler aus.

Im Spannungsfeld von Lehrtätigkeit und künstlerischer Praxis bewegte sich hingegen Friedrich Rommel. Nach seinem Studium an der Stuttgarter Akademie war der gebürtige Lindorfer bis 1973 Dozent an der Marmara-Universität in Istanbul. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er wiederum in Göppingen. Sind es Szenen von Mensch, Tier und Natur, die seine Bildwelten während seiner Kirchheimer Zeit prägen, bringt der Aufenthalt in der Türkei orientalische Motive und erhöhte Farbintensität mit sich. Als „spannungsgeladen und von herausragender zeichnerischer Prägnanz gekennzeichnet“ beschrieb die Laudatorin Rommels Bilder, denen sie eine „vibrierend-lebendige“ Qualität attestierte.

 

Info: Die Ausstellung ist noch bis zum 13. Januar in der Galerie der Kreissparkasse zu sehen. Sie ist geöffnet von Montag bis Freitag, jeweils von 9.30 Uhr bis 13 und von 14 Uhr bis 17.