Kirchheim

Duftende Käsebrötchen und Glücksbringer in Schwarz

Freilichtmuseum Zum Tag des Handwerks stellen verschiedene Innungen in den Beurener Herbstwiesen aus. Jugendliche und Erwachsene informieren sich. Von Thomas Krytzner

Die Handwerksberufe haben bei den Schulabgängern in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren. Es gab immer mehr nicht besetzte Ausbildungsplätze. Die Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen, das Bündnis zur Fachkräftesicherung und die Wirtschaftsförderung des Landkreises wollen das Handwerk wieder attraktiver machen. Zum bundesweiten Tag des Handwerks am Samstag starteten die Innungsvertreter deshalb ein Aktionswochenende im Freilichtmuseum Beuren.

Glaser verschaffen Durchblick

Unter dem Titel „Faszination Handwerk - Tradition trifft Innovation“ hatten zahlreiche Berufsvertreter Stände aufgebaut, um den Besuchern ihr jeweiliges Handwerk zu zeigen. So konnten Besucher im Haus Öschelbronn zuschauen, wie Friseure arbeiten und parallel dazu die Kunst der Schneider bestaunen. Stuckateure zeigten innovative Systemlösungen für modernes Bauen. Bei der Bearbeitung der Oberflächen konnten Besucher ihr handwerkliches Geschick ausprobieren.

Im Freilichtmuseum Beuren demonstrieren Handwerker traditionelle sowie innovative Techniken.Fotos: Thomas Krytzner
Im Freilichtmuseum Beuren demonstrieren Handwerker traditionelle sowie innovative Techniken.Foto: Thomas Krytzner

Einen besonderen Einblick mit Durchblick bekamen die Interessierten bei der Glaser-Innung. Begutachten konnten sie dort auch gleich die neueste Sicherheitstechnik im Einbruchschutz. Highlight war der moderne Maurerkran der Bau-Innung. Stein auf Stein bauten die Auszubildenden eine Mauer aus Kalksandstein auf. Damit bekamen die Besucher alte und neue Bauweisen vor Augen geführt. Einen ebenfalls traditionellen Beruf üben die Steinmetze aus. Lehrlinge und Meister demonstrierten ihre Arbeiten.

Wem der Duft von frischen Brötchen in die Nase stieg, war auf dem richtigen Weg zur Bäcker-Innung. Bernd Sigel, Chef der Weilheimer Bäckerei Scholderbeck, heizte nämlich im Backhaus den Holzofen gehörig an. Appetit machten die lecker duftenden Käsebrötchen. Gleich gegenüber, bei der Gärtringer Scheuer, warteten die Glücksbringer in Schwarz auf Besucher: Drei Schornsteinfeger und eine frischgebackene Auszubildende standen den zahlreichen Jugendlichen und Erwachsenen für Fragen - und für Selfies - zur Verfügung.

Eine ruhige Hand war am Stand der Max-Eyth-Schule aus Kirchheim gefordert. Am heißen Draht konnten Vater und Sohn Nervenstärke z
Eine ruhige Hand war am Stand der Max-Eyth-Schule aus Kirchheim gefordert. Am heißen Draht konnten Vater und Sohn Nervenstärke zeigen. Foto: Thomas Krytzner

Tradition und Innovation bekam das Publikum in der Scheuer aus Beuren präsentiert: Ein Zimmerermeister zeigte mit altem Bock und traditionellem Werkzeug, wie ein Holznagel in früheren Zeiten hergestellt wurde. Gleich daneben konnten die Besucher mit einem Hammer den Lukas hauen und ihre Kräfte messen.

Die Kraftfahrzeug-Innung zeigte eindrucksvoll den Vergleich zwischen heute und früher bei der Autoreparatur. Am Stand der Kfz-Innung konnten Interessierte mit Ausbildungsbotschaftern ins Gespräch kommen. Die Max-Eyth-Schule aus Kirchheim machte ihren Stand zur Nervensache und ließ mit dem „heißen Draht“ so manche ruhige Hand immer zittriger werden.

Tradition trifft Innovation. So lautete auch das Motto der Handwerkertag im Freilichtmuseum. Foto: Thomas Krytzner
Tradition trifft Innovation. So lautete auch das Motto der Handwerkertage im Freilichtmuseum. Foto: Thomas Krytzner

Stimmen zum Tag des Handwerks

Der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags Rainer Reichhold findet, dass es dem Handwerk gut geht: „Für dieses Jahr sind 2,5 Prozent Umsatzzuwachs prognostiziert. Dem müssen wir auch mit mehr Personal Rechnung tragen.“ Er denkt dabei an den Bestand der Berufsschulen und schlägt vor: „Die Meisterprämie muss - wie in Bayern - auch bei uns eingeführt werden.“ Er verweist auf die erfolgreiche Werbung mit „#einfachmachen“ in den sozialen Medien. „Die Aktion brachte 8,5 Prozent mehr Azubis im Handwerk der Region.“

Die Staatssekretärin Katrin Schütz wünscht sich, dass sich viele Jugendliche von der Begeisterung fürs Handwerk anstecken lassen. „Wir haben über 150 000 Kulturdenkmäler im Land, vom ersten Steinwerkzeug bis zum Fernsehturm in Stuttgart. Sie belegen die Tradition und Innovation.“ Die CDU-Politikerin freut sich, dass im Museum hautnah Handwerk bestaunt werden kann. „Vernetztes Denken und kunsthistorisches Wissen finden zusammen“, sagt sie. Die Vertreterin des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau weist darauf hin, dass über 4 500 Ausbildungsbotschafter in den Schulen unterwegs sind. „Wir müssen deutlich machen, wie interessant und wichtig die Handwerksausbildungsberufe sind.“

Kreiswirtschaftsförderer Markus Grupp sieht das Bewerben der „Engpassberufe“ als entscheidend an. „Wir wollen die Begeisterung für die Handwerksberufe wecken“, sagt er. Das Handwerk stehe vor großen Herausforderungen, die Digitalisierung gewinne an Bedeutung. „Deshalb stellen wir zwei Tage aus und haben damit mehr Stände und mehr Aktionen.“kry

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