Kirchheim

Ein frischer Wind fegt durchs Vhs-Orchester

Sinfoniekonzert Siegfried Hartauer ist als Dirigent des Kammerorchesters in Kirchheim angekommen.

Kirchheim. Mit dem neuen Dirigenten Siegfried Hartauer ist frischer Wind und neue Musizierfreude ins Kammerorchester der Volkshochschule Kirchheim eingekehrt. Das wurde beim Sinfoniekonzert in der Kirchheimer Stadthalle deutlich. Es ist ein Kenner und Könner am Werk - das zeigte sich gleich bei dem ungewöhnlichen Einstiegsstück, der zarten, zurückhaltenden „Pavane pour une infante défunte“ von Maurice Ravel. Das war kein Feuerwerk zum Aufwachen. Hier wurde vom ersten Ton an aus der Ruhe heraus musiziert, und die Gäste in der Stadthalle lauschten konzentriert.

Eher vorsichtig beginnend, fand das Orchester mehr und mehr zu gemeinsamem Fluss, wodurch das Stück an Kontur gewann. Schon hier war klar: Hartauer führt die Spieler zusammen. Kraftvoll ging es dann im Fagottkonzert F-Dur opus 75 von Carl Maria von Weber weiter. Am Solopult wirkte Albrecht Holder, der aus der Region stammt und nach etlichen Zwischenstationen inzwischen eine Professur an der Musikhochschule in Würzburg innehat. Er spielt auf einem Heckel-Fagott - diese Spezialanfertigung ist sozusagen der „Ferrari“ unter den Fagotten. Es zeichnet sich durch feinen Ton, variable Klangfarben und Registertreue aus.

Solist und Orchester im Einklang

Holder fühlt sich vor allem in einer sehr voluminösen tiefen Lage wohl. Da passte es, dass Solist und Orchester den ersten Satz nicht rasant angingen, sondern die Satzbezeichnung „Allegro ma non troppo“ wörtlich nahmen. Charaktervoll marschierten Solist und Orchester, wobei die recht wendigen Holzbläser bei den lyrischen Passagen sehr präzise Einwürfe platzieren konnten. Auch die beachtliche Qualität der zwei Hörner zeigte sich im Zusammenspiel mit dem sehr geschmeidig musizierenden Fagott im Mittelsatz. Hier war der künstlerische Gestaltungswille deutlich zu spüren. Ein witziges Rondo-Tänzchen rundete das Konzert ab - alle musizierten herzhaft und mit Lust.

Eine weitere Herausforderung war im zweiten Teil die 1. Sinfonie C-Dur Opus 21 von Ludwig van Beethoven. Hier verlangten die Satzbezeichnungen im Gegensatz zum Solokonzert, überwiegend „molto vivace“ und sogar „con brio“ zu spielen.

Heikle Stellen gut gemeistert

Die langsamen Einleitungen zu den Ecksätzen ließen aufhorchen: Siegfried Hartauer achtete sehr genau darauf, auf kleinem Raum den Schwung und die Spannung aufzubauen, die sich in den schnellen Sätzen dann entladen konnte. Er achtete aber stets dezent da­rauf, dass die sehr heiklen Stellen in den Streichern nicht aus dem Ruder liefen.

Auch die Blechbläser waren hervorragend in den Gesamtklang eingemischt. Hier zahlte sich Hartauers eigene Orchesterpraxis aus. Seine klug lenkende Hand war auch in den Mittelsätzen zu spüren. Das Andante rückte er in die Nähe zum flotteren Allegretto: Damit verlor die Interpretation zwar an Kantabilität, gewann aber an Leichtigkeit und Durchsichtigkeit.

Der dritte Satz war zum Glück kein dahinstürmendes Scherzo mit allen damit verbunden Risiken. Hartauer bestand auf ein Tempo mit Augenmaß - so wurde sauber musiziert und nicht gepfuscht. Das Finale lief trotz der Begeisterung aller Beteiligten auch nicht aus dem Ruder, leuchtete aber trotzdem in mühelosem und befreiendem Jubel. Der lang anhaltende Beifall signalisierte: Siegfried Hartauer ist als Dirigent in Kirchheim angekommen. Ulrich Kernen

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