Kirchheim

„Ein Hoch auf uns“ in schweren Zeiten

Neujahrsempfang Beim Dämmerschoppen in der Kirchheimer Stadthalle blickte die Oberbürgermeisterin auf ein „Jahr der Entfesselung“ zurück. Trotzdem gab es Gelegenheiten zu zwanglosen Gesprächen. Von Andreas Volz

„Ein Hoch auf uns“ sangen die „Happy Voices“ zu Beginn des Dämmerschoppens in der Kirchheimer Stadthalle. Der Neujahrsempfang is
„Ein Hoch auf uns“ sangen die „Happy Voices“ zu Beginn des Dämmerschoppens in der Kirchheimer Stadthalle. Der Neujahrsempfang ist für viele Bürger eine willkommene Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen - oder auch im Gespräch zu bleiben.Fotos: Carsten Riedl

Der Dämmerschoppen in der Kirchheimer Stadthalle ist die Gelegenheit zu Jahresbeginn, um sich zu treffen, zu unterhalten und sich gegenseitig ein gutes neues Jahr zu wünschen, das vor allem glücklich verlaufen möge. Was liegt also näher – um diesen glücklichen Verlauf heraufzubeschwören –, als zum Neujahrsempfang die „glücklichen Stimmen“ einzuladen, die „Happy Voices“? Der „junge Chor“ der Kirchheimer Eintracht feiert dieses Jahr nämlich Jubiläum: Er wird 25 Jahre alt. Mit drei Stücken aus ihrem „Historical“ über Kirchheim sorgten die „Happy Voices“ nicht nur für musikalische Umrahmung im Hintergrund, sondern stellten vielmehr die Stadt Kirchheim und ihre Geschichte in den Vordergrund.

Immer ließen sich auch aktuelle Anklänge aus den historischen Szenen heraushören – ob es nun um den Markt ging, der auch als Marktplatz für Informationen dient, um die Freiheit, die im Zusammenhang mit dem Revolutionsjahr 1848 besungen wurde, oder um die Eisenbahn, die für Kirchheim in den 1860er-Jahren den Anschluss an den Fortschritt bedeutet hatte. An der historischen Stätte, an der einst der Kirchheimer Bahnhof stand, und gut sieben Jahre, nachdem die S-Bahn für ganz andere Anschlussmöglichkeiten in Kirchheim gesorgt hat, bot es sich für den Chor unter der engagierten Leitung von Robert Kast an, ganz unbeschwert zum neuen Jahr in Kirchheim zu singen: „Ein Hoch auf uns!“

Weniger unbeschwert verlief die Rede von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker: So erinnerte sie an ein Jahr 2016, „in dem wir gelernt haben, alles für denkbar zu halten“. Dabei bezog sie sich auf den „Brexit“ sowie auf die Präsidentenwahl in den USA. Seltsam sei es im zweiten Fall, „dass ausgerechnet eine Symbolfigur des Big Business, der Milliardär, als Retter der kleinen Leute Erfolg hat“. Von ganzem Herzen wünscht sich die Oberbürgermeisterin für 2017, „dass unser Parteien- und Wahlsystem uns vor einem derartigen Wahlkampf mit vergleichbarem Ausgang schützt“.

Auch sonst sprach Angelika Matt-Heidecker im Rückblick auf 2016 von einem „Jahr der Entfesselung, mit neuen Möglichkeiten der Manipulation durch das Internet“. Für viele sei das Internet der Ort des Glaubens – problematisch vor allem deshalb, weil viele nur noch mit der Meinung von Gleichgesinnten umgeben sind und sich im Zeitalter des Postfaktischen nicht mehr mit gegenteiligen Meinungen konfrontiert sehen wollen.

Hinzu kommt der Terror von Extremisten, der 2016 auch Deutschland erreicht hat. Erreicht habe dieser Terror auch, dass die Menschen in Deutschland unsicherer werden, dass sie sich deshalb in großen Menschenmengen unwohl zu fühlen beginnen. Hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, betonte die Oberbürgermeisterin, fügte aber hinzu: „Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, die uns unsere Gesetze an die Hand geben, um gegen Extremisten und Gefährder vorzugehen. Wir müssen die Zusammenarbeit der Behörden über die Landesgrenzen hinweg reibungslos gewährleisten und jeden abschieben, der auch nur ansatzweise mit Gefährdern sympathisiert.“

Auf Kirchheim bezogen, dankte Angelika Matt-Heidecker beim Jahresrückblick vielen ehrenamtlich engagierten Kirchheimern für deren unermüdlichen Einsatz. Eines der wichtigsten Themen war und bleibt in Kirchheim die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen. Die Stadt ist eine von bundesweit zwölf Modellkommunen für „Ankommen in Deutschland“, ein Kooperationsprojekt der Bertelsmann-Stiftung.

Mit der Haushaltskonsolidierung sei Kirchheim auf dem richtigen Weg: „Erste Sparmaßnahmen wirken“ – auch die weniger populären. Trotzdem steige die Pro-Kopf-Verschuldung in den nächsten vier Jahren von 105 auf 319 Euro. Doch nicht nur die Verschuldung, auch der Umgang mit natürlichen Ressourcen ist ein Thema, wenn es darum geht, „unser Verhalten ,enkeltauglich‘ zu machen“. Das heißt also, sich so zu verhalten, dass auch die Enkel noch Gestaltungsspielräume haben werden.

In diesem Zusammenhang konnte die Oberbürgermeisterin dann doch noch unbeschwert und positiv auf einen Aspekt des Kirchheimer Jahres 2016 zurückblicken: Sie beglückwünschte Walter Feeß dafür, dass Bundespräsident Joachim Gauck ihn im Oktober mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet hatte – „als Pionier im Betonrecycling“. Und damit kam sie zu den guten Vorsätzen für das neue Jahr: „Preise allein genügen nicht. Recyclingbeton muss auch verwendet werden. Der Campus Rauner, die größte städtische Baustelle, wurde in Recyclingbeton ausgeschrieben.“

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