Kirchheim

Ein Hoch auf unser Castle!

Kaum etwas hat Elisabeth  II. jemals so erschüttert, dass sie es sich in der Öffentlichkeit hätte anmerken lassen. So wird es auch diesmal sein: Her Majesty werden es zu verkraften wissen, dass das Porträt der schönen Ururgroßmutter Claudine weder in Windsor Castle noch im Buckingham Palace hängen wird, sondern in Kirchheim Castle.

Wahrscheinlich werden Ihre Majestät sogar niemals etwas über den jüngsten Auktions-Coup der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg erfahren. Und selbst wenn es auf drängende Nachfrage aus der Teck-Region eine jener wohlformulierten, aber dürren Antworten aus dem Buckingham Palace geben sollte, könnte man darin wohl lesen, wie sehr sich die Königin offiziell darüber freut, dass das Porträt einem würdigen Bestimmungsort zugewiesen wurde - Kirchheim Castle.

Dort wird das Bildnis der schönen Claudine künftig in der Nähe zu Porträts von ehrwürdigen Vertretern des Hauses Württemberg hängen. Insofern gibt es jetzt - außer im Württembergischen Hausarchiv - auch im Kirchheimer Schloss eine Art Wiedergutmachung für die transsilvanische Gräfin, die sich gleichwohl zeitlebens bewusst war, dass sie von ihrer Herkunft her nicht an den geliebten „A.“ heranreichen konnte.

Dass die Liebe alle Hindernisse überwand, ist heutzutage eine ebenso schöne wie anrührende Geschichte. Die baden-württembergische Schlösserverwaltung, die auch für das Kirchheimer Schloss zuständig ist, setzt auf das richtige Pferd, wenn sie das Interesse für Geschichte und für historische Gemäuer durch solche Geschichten wecken möchte.

In diesem Kontext steht auch der Versuch, mit Claudines Geschichte ein wenig vom Glamour des englischen Königshauses unter die Teck zu holen. Denn auch das ist eine späte Genugtuung für alle „Tecker“: Elisabeths Urgroßvater hieß Franz von TECK. Gut, bei allem Stolz aufs Lokalkolorit sei eingeräumt, dass Franz seine Teck-Titel eher gnadenhalber von den Württemberger Verwandten erhielt. Aber all das kann seine Urenkelin auf dem englischen Thron nicht erschüttern. Sie wird es huldvollst nicht zur Kenntnis nehmen. Andreas Volz

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