Kirchheim

Ein Jahrzehnt für die Fahrsicherheit

Verkehr Die Verkehrswacht Neuffen-Teck feiert zehn Jahre Jugendverkehrsschule Dettingen. Seit 2007 wurden in der Einrichtung fast 8 000 Schüler fit für den Straßenverkehr gemacht. Von Daniela Haußmann

Vor zehn Jahren zog die Verkehrswacht Neuffen-Teck (VWNT) mit ihrer Jugendverkehrsschule von Lindorf nach Dettingen um. „Seither haben fast 8000 Viertklässler die hier angebotene Radfahrausbildung besucht“, sagt Martina Kaplan, die beim Polizeipräsidium Reutlingen das Referat Prävention leitet. Wie heißen die Verkehrsschilder? Wer hat Vorfahrt? Was tun, wenn ein Polizist den Verkehr regelt oder eine Baustelle auftaucht? Unter der Anleitung von Verkehrsexperten bereiten sich Schüler in der Dettinger Einrichtung auf den Ernst des Straßenverkehrs vor. „Und das auf pädagogisch hohem Niveau“, wie der stellvertretende VWNT-Vorsitzende, Jürgen Prets, betont. Zum Jubiläum, das mit einem Tag der offenen Türe zelebriert wurde, kamen schätzungsweise 200 Interessierte.

Das rund 9 000 Quadratmeter große Gelände, auf dem die Jugendverkehrsschule heute noch zuhause ist, gilt als Vorzeigeplatz. Breite Straßen, ein Kreisverkehr, Ampeln, eine Baustellensimulation nebst verkehrsberuhigtem Bereich - verschiedenste Situationen aus dem Verkehrsalltag und die richtigen Verhaltensweisen lassen sich aus Sicht von Martina Kaplan in Dettingen realitätsnah simulieren und einüben. Zu verdanken ist das Harald Kappel, der von 1992 bis 2017 das Amt des VWNT-Vorsitzenden bekleidete. Gemeinsam mit den Präventionsbeamten des Polizeipräsidiums Reutlingen konzeptionierte er maßgeblich die Verkehrsübungsplätze in Dettingen und Nürtingen. Anfang dieses Jahres ist Harald Kappel überraschend verstorben. Jahrzehntelang hatte sich der ehemalige Vorsitzende als Fahr­trainer im Verein engagiert und dabei seine umfassende Expertise aus dem Polizeidienst eingebracht. „Und das nicht nur in Dettingen, sondern auch bei der Landes- und Bundesverkehrswacht“, erinnert Prets. Im Gedenken an Harald Kappel tauften seine Vereinskollegen, die Präventionsbeamten des Polizeipräsidiums Reutlingen, der Präsident der Landesverkehrswacht, Hartfrid Wolff, sowie die Vertreter des Dettinger Gemeinderates und Bürgermeister Rainer Haußmann die Jugendverkehrsschule auf seinen Namen.

Die Jugendarbeit ist für Hartfrid Wolff gerade mit Blick auf die Verkehrssicherheit entscheidend. Denn je früher aus Sicht des Präsidenten der Landesverkehrswacht der Einstieg in die Verkehrserziehung erfolgt, desto nachhaltiger wirkt sie: „Die Zusammenarbeit der Verkehrswacht mit der Polizei ist Gold wert, denn auf den Übungsplätzen nehmen die Schüler die Beamten erstmals als Freund und Helfer wahr. Sie lernen einen positiven staatlichen Ansprechpartner kennen, und das ist eine für das gesamte Leben wichtig Erfahrung.“ Hartfrid Wolff bedauerte allerdings, dass die Landesregierung die Radfahrausbildung zeitlich von 450 auf 360 Minuten gekürzt hat. Baden-Württemberg gibt pro Schüler in den Jugendverkehrsschulen nach Angaben des Präsidenten gerade einmal 15 Cent aus, während es in Bayern 60 Cent sind, und in Niedersachsen sogar zwei Euro.

Martina Kaplan machte den Eltern, Großeltern, Onkeln und Tanten beim Tag der offenen Tür bewusst, „dass die Kinder am Ende der Radfahrausbildung erst am Anfang stehen“. „Sie brauchen Erfahrung, um sich sicher und vertraut im Straßenverkehr zu bewegen“, so die Kriminaloberrätin. „Üben Sie, seien Sie Vorbild und tragen sie einen Helm, der im Ernstfall Ihr Leben und das Ihres Kindes retten kann.“

Für Nadine Benning und Claudia Karnahl ist die Radfahrausbildung von Verkehrswacht und Polizei ein wichtigen Baustein, um die Heranwachsenden fit für den Straßenverkehr zu machen. Wann immer die beiden Weilheimerinnen mit ihren Kindern unterwegs sind, weisen sie sie auf die Verkehrsregeln und eine defensive Fahrweise hin. Dass die Radfahrausbildung zeitlich gekürzt wurde, bedauert Nadine Benning: „Wie so oft wird auch hier an der falschen Stelle gespart.“ Davon unabhängig ist Claudia Karnahl überzeugt, dass es bei den Kindern einen noch nachhaltigeren Eindruck macht, wenn ein Polizist mit den Kindern über das richtige Verhalten im Verkehr spricht und nicht Oma, Opa oder die Eltern.

Bürgermeister Rainer Haußmann jedenfalls ist stolz darauf die Harald-Kappel-Verkehrsschule in der Gemeinde zu haben. Der Dettinger Rathauschef freut sich auf weitere zehn Jahre der erfolgreichen Zusammenarbeit und gratulierte im Namen der gesamten Kommune zum Jubiläum.

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