Kirchheim

Ein Kloster-Deifel kennt keinen Schmerz

Fasnet Die Kirchheimer Narrenzunft eröffnet die Saison auf dem Marktplatz. Um zu den Großen zu gehören, machen zwei Täuflinge „Höllenqualen“ mit. Von Heike Siegemund

Viele Kinder ließen sich das Spektakel auf dem Marktplatz nicht entgehen. Auch wenn es bei der Taufe wenig appetitlich zugeht. F
Umgeben von pinkem Rauch steigt der Teufel aus seinem Sarg.  Foto: Heike Siegemund

Mit Böllerschuss und Peitschenknallen haben die Kirchheimer Kloster-Deifel am Dreikönigstag die närrische Saison eröffnet. Zahlreiche Besucher tummelten sich auf dem Marktplatz, um zu sehen, wie „der Teufel aus den Tiefen der Hölle gelassen wird“, wie Zunftmeister Holger Böhm ankündigte. Umgeben von rotem Rauch, entstieg der Teufel langsam seinem Sarg.

2018 gibt‘s eine Besonderheit

„Fast ein Jahr lang hing das Häs der Narren in der Hölle und wartete darauf, endlich wieder getragen zu werden“, rief der Zunftmeister ins Mikrofon. Die anderen Kloster-Deifel liefen wild auf den Marktplatz, tanzten zur Guggenmusik der „Durchknallten Kobolde“ aus Dürnau und ließen ihre Schellen rasseln. Die Narren mischten sich unter die Besucher, durchwühlten Mädchenhaare, beschmierten Gesichter mit Farbe und beschenkten Kinder mit Bonbons und Lutschern. Doch weil die Kostüme der Narren noch „ziemlich eingestaubt“ waren, mussten sich die Kloster-Deifel zunächst „die Spinnweben unter den Achseln“ entfernen. Ein Deifel wälzte sich auf dem Boden. Auch die Häswartin hatte ein Auge auf ihre Zöglinge und nahm die Kostüme genau unter die Lupe.

„Jetzt wollt ihr sicherlich unsere Täuflinge leiden sehen“, sagte der Ober-Kloster-Deifel spöttisch mit Blick auf die 16. Narrentaufe seiner Zunft, bei der es diesmal eine Besonderheit gab: Es wurden keine neuen Mitglieder getauft, sondern die Zwillinge Robin und Timo Müller. Die beiden Jungs gehören den Kloster-Deifeln schon seit mehreren Jahren an, durften wegen ihres Alters bislang aber noch keine Masken tragen. Jetzt sind sie zwölf Jahre alt und gehören zu den „Großen“. Das Prozedere, das sie über sich ergehen lassen mussten, hatte es in sich. Der Zunftmeister sprach von „Höllenqualen“. Angesichts des ekligen Gebräus, das die Zwillinge trinken mussten, und des noch widerlicher aussehenden Breis, den sie aus Kindertöpfen serviert bekamen, sollte er recht behalten. Da wurden Tomaten- und Orangensaft, Zwiebelwasser und Karottenbrei mit Pfeffer, Knoblauch, Essig, Spinat, Paprika, Sardellen, Rote Bete, Blaubeeren und Fenchel-Anis-Kümmel-Tee gemischt. Beim Brei: Fisch, Haferflocken, Oliven und „etwas Geheimes, das euch ein paar Stunden auf dem Klo sitzen lässt“, wie der Zunftmeister prophezeite.

Ab ins Einhornkostüm

Die Täuflinge, in Einhornkostüme gesteckt, mussten die Flüssigkeiten nacheinander mit einem Schlauch aufsaugen, in ein Gefäß spucken und probieren. Am Ende fanden sie sich in einer großen Badewanne wieder, in der sie von zwei Vollstreckern mit Einhornsenf, Krötenschleim und Hexenblut beschmiert und letztlich mit Asche und Federn beworfen wurden. „Die krieg‘ ich ja nie wieder sauber“, klagte die Mutter vor der Bühne, selbst in einem Kloster-Deifel-Kostüm steckend. Tja - da muss durch, wer ein echter Kloster-Deifel werden will.

Info Der Höhepunkt in der Fasnetssaison ist für die Kloster-Deifel ein Umzug durch die Kirchheimer Altstadt am Samstag, 3. Februar. Mit diesem Umzug feiert die Zunft ihr 22-jähriges Bestehen. Beginn ist um 14.14 Uhr. Am „Schmotziga Doschdig“ stürmen die Kloster-Deifel das Rathaus: Die Aktion findet am Donnerstag, 8. Februar, um 17.17 Uhr statt.

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