Kirchheim

Ein lang gehegter Wunsch wurde wahr

Vesperkirche Schon lange wollte die Kirchheimer Vesperkirche die LUG-Bigband einladen. Zum zehnjährigen Bestehen hat es endlich geklappt. Für rund 300 Zuhörer war das ein Hochgenuss. Von Peter Dietrich

Die Vesperkirche in der Kirchheimer Thomaskirche erfreut sich großer Beliebtheit. Jetzt gab es ein Konzert für die Helfer und Un
Die Vesperkirche in der Kirchheimer Thomaskirche erfreut sich großer Beliebtheit. Jetzt gab es ein Konzert für die Helfer und Unterstützer. Fotos: Peter Dietrich

Schon lange war der ausgezeichnete Ruf der LUG-Bigband auch bei Diakon Uli Häußermann angekommen. Doch nie hatte es geklappt. Die Bigband eines Gymnasiums kämpft eben mit Restriktionen: Manches Abitur bedeutet einen Aderlass, und die Bigband muss sich erst in neuer Besetzung wiederfinden. „Diesmal können wir spielen, aber später“, war die aktuelle Nachricht. Also wurde der Abend in der Stadthalle einige Wochen nach der Kirchheimer Vesperkirche angesetzt. Er sollte eine Anerkennung sein an alle Mitarbeiter und Sponsoren, ohne die es keine Vesperkirche gäbe. Sollten sie sich danach bei den großen Spendentöpfen als „Scheinwerfer“ betätigten, würde es sogar ein Benefiz-Dankeschön werden . . . So kam es dann auch.

Ein genialer Dirigent wie Daniel Bucher hin oder her, wie bringt ein Gymnasium eine derartige Bigband mit derzeit 43 Musikern zusammen? Sie stehe, erklärte Daniel Bucher ganz bescheiden vor dem Publikum, auf den Schultern von Musikschulen, Posaunenchören und Musikvereinen, die bei den Schülern für die Basis sorgten. „Ich muss das dann nur noch zusammenflicken.“ Das geschieht offensichtlich nahtlos und jeden Montag in der Mittagspause. Vor diesem Auftritt gab es noch eine dreitägige Probenausfahrt nach Ochsenhausen. Es gibt noch weitere Erfolgsfaktoren: Die Bigband und die Musik AGs haben die volle Unterstützung der Schulleitung, und bei manchem Schüler vor der Schulwahl ist die Bigband ein lautstarkes Argument für das Ludwig-Uhland-Gymnasium. Die Nachwuchsmusiker müssen aber meist noch warten, der harte Kern der Bigband besucht die Klassen  8 bis hinauf zur Jahrgangsstufe II.

Unzählige Solisten kamen bei Titeln wie „Evil Ways“ von Santana, „Caravan“ von Duke Ellington, „Backatown“ und anderen zum Zug, alle machten ihre Sache hervorragend. Die Auswahl der Stücke reichte von originalen Kompositionen für Bigband, wie dem Samba „El Taco Loco“, und Klassikern, wie dem „Night Train“, bis hin zu Werken, die man nicht so schnell bei einer Bigband suchen würde. Manchmal, etwa bei „Maputo“, ging es herrlich funkig zu. Schnell spürten die LUG-Musiker, dass da aus dem Saal ordentlich gute Stimmung zurückkam, entsprechend gingen sie mit Spaß zur Sache.

Gleich mehrfach spielten sie Filmmusik: „Skyfall“ genauso wie mit „Gonna Fly Now“, der Titelmusik aus den Rocky-Filmen. Auf Kino hatte sich auch das von zwei Schlagzeugern verstärkte LUG-Blechbläserensemble spezialisiert, von dem ein Medley mit Disney-Filmfavoriten wie „König der Löwen“ und „Alladin“ zu hören war, gefolgt von Musik aus der Pixar-Produktion „Die Unglaublichen“.

Unglaublich war auch der Aufwand, den die Lenninger Fotografin Barbara Ruff für ihren Film über „Zehn Jahre Vesperkirche“ betrieb. Ihre 5 000 oder 6 000 Dateien mit Stand- und Bewegtbildern aus neun Jahren hätten für zwei Stunden Film gereicht, angestrebt hatte sie ursprünglich zehn Minuten, herausgekommen sind dann 17. Es hätte ein nettes Quiz ergeben, welche Aufnahme aus welchem Jahr stammte. So kam Martha Bernecker im Alter von 88 Jahren zu Wort. „Jetzt bin ich 93“ sagte sie nach Ende der Vorführung, doch die 40 Kannen Kaffee und die Organisation der Spülküche macht sie noch immer.

15 Tage Urlaub

„Wir werden die Armut nicht abschaffen, wir können sie nur lindern, das ist für manche Menschen ziemlich viel“, sagte Dekanin Renate Kath in ihrem Grußwort. Sie zitierte Gäste, für die die Vesperkirche „15 Tage Urlaub“ sind. Dass es Menschen gibt, die aus finanziellen Gründen immer alleine essen müssen, ist für Renate Kath „unfassbar“. Sie warb um noch mehr „Sympathieesser“, durch sie müsse sich kein Besucher als Bedürftiger outen. Wer es noch nicht wusste, lernte von ihr, dass die Vesperkirche eine württembergische Erfindung ist.

Claudia Brendel vom Kreisdiakonieverband und Uli Häußermann spielten sich bei der Moderation munter die Bälle zu, bei einem Imbiss gab es viel Zeit für Gespräche und für eine kleine Umfrage der Veranstalter: Was ist die Vesperkirche für mich? Für viele geht es darum, anderen zu helfen, doch einige Besucher waren noch nie in der Vesperkirche. Leute, da wird‘s aber Zeit - bei der 11. Kirchheimer Vesperkirche im Jahr 2019.

Die Vesperkirche in der Kirchheimer Thomaskirche erfreut sich großer Beliebtheit. Jetzt gab es ein Konzert für die Helfer und Un
Die Vesperkirche in der Kirchheimer Thomaskirche erfreut sich großer Beliebtheit. Jetzt gab es ein Konzert für die Helfer und Unterstützer. Fotos: Peter Dietrich

Ein Anfang gegen Widerstände

Unter den Zuhörern war auch Walter Pech. Der Musiklehrer hatte die Bigband des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums vor Jahrzehnten gegründet, der heutige Dirigent Daniel Bucher hatte sie 2011 übernommen. „Das fing mit sieben oder acht Leuten an“, erinnerte sich Walter Pech. Zu Beginn, das müsse etwa Anfang der 1980er-Jahre gewesen sein, habe es ordentliche Widerstände gegeben. Nicht von der Schulleitung, aber von schockierten Kollegen und Eltern. Zur gymnasialen Bildung habe nach deren Vorstellung eben eher die Geige oder Flöte gehört, auf keinen Fall das Schlagzeug. Auch die Ausbildung der Musiklehrer war damals rein klassisch orientiert. „Im Staatsexamen habe ich Mozart dirigiert“.

In Jazz und Pop hat sich Walter Pech dann selbst eingearbeitet. Als dann Musicals wie „Hair“ und „Jesus Christ Superstar“, dazu selbst geschriebene Musicals, auf dem Programm standen, war das für manche Erwachsenen ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Hinzu kamen dann Kindermusicals. Heute sind diese einstigen Widerstände längst vergessen. pd

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