Kirchheim

Ein leises „Servus“ in der Mittagspause

Abschied Nach fast fünf Jahren als Stadtarchivar und als Leiter der Kulturabteilung verlässt Joachim Brüser die Stadt Kirchheim. Er wechselt ins Staatsministerium nach Stuttgart. Von Andreas Volz

Joachim Brüser hielt im Kornhaus seine Abschiedsrede. Trotz des Abschieds werde er Kirchheim aber nicht aus seinem Leben streich
Joachim Brüser hielt im Kornhaus seine Abschiedsrede. Trotz des Abschieds werde er Kirchheim aber nicht aus seinem Leben streichen.Foto: Jean-Luc Jacques

Nicht ganz leise, aber doch ohne viel Getöse hat Dr. Joachim Brüser in Kirchheim „Servus“ gesagt: im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Kornhaus, während der Mittagspause! Vor knapp fünf Jahren hatte er als Stadtarchivar die Nachfolge von Dr. Roland Deigendesch angetreten. Gegangen ist er nun aber als Leiter der Abteilung Kultur. Sein eigentliches Amt als Stadtarchivar machte nur noch einen Teil eines weitaus größeren Aufgabengebiets aus. Seinem Mitarbeiterteam versprach er deshalb: „Die Zeiten hier werden deutlich besser, wenn ich gegangen bin.“ Augenzwinkernd fügte er hinzu: „ . . . was die Strukturen angeht.“

Obwohl er es durchaus gewohnt sei, im Kornhaus Reden zu schwingen, sei es nun zum Abschied nicht gerade leicht, womöglich auch noch über sich selbst zu sprechen. So sehr er sich auf seine neuen Aufgaben und auf die neuen Herausforderungen als Mitarbeiter im Protokoll des Staatsministeriums Baden-Württemberg in der Stuttgarter Villa Reitzenstein freue, falle ihm der Abschied aus Kirchheim doch schwer: „Ich verlasse nicht nur das Stadtarchiv, die Archivalien und die Stadt. Ich verlasse auch eine ganze Reihe von Menschen, die mir fehlen werden.“

Deshalb wollte er sich auch vor allem bedanken - anstatt über syrische Kalligraphie, die Kirchheimer Stadtgeschichte oder die Vor- und Nachteile von Verwaltungsreformen zu sprechen. Sein Dank ging vor allem an die Mitarbeiterinnen des Stadtarchivs. Als man ihn zu Beginn fragte, wie lange er denn in Kirchheim bleiben werde, habe er immer gesagt, dass er Kirchheim verlassen muss, bevor diese Mitarbeiterinnen in den Ruhestand treten. Mit typischem Understatement meint er: „Ich bin zuversichtlich, dass es der normale Nutzer des Archivs gar nicht merken wird, dass ich nicht mehr da bin.“

Er selbst will sich künftig unter diese „normalen Nutzer“ einreihen: „Als Mitarbeiter an der Bis­singer Ortsgeschichte komme ich sicher noch öfters zurück ins Archiv.“ Somit kann er sich auch regelmäßig über den Fortgang der Renovierungsarbeiten im Stadtarchiv informieren.

So wie er im Stadtarchiv zusammen mit seinem Team diese Renovierungen begonnen, zahlreiche Bestände umstrukturiert und drei Bände der Schriftenreihe herausgegeben hat, gab es auch in der Registratur gemeinsam viel zu stemmen: eine Umstellung des EDV-Programms, den Start des elektronischen Pressespiegels oder auch die „große Aussonderung, die alle zehn Jahre ansteht“. Auch als Chef der Registratur sagte Joachim Brüser in aller Bescheidenheit: „Sie arbeiten so selbständig und erfolgreich, dass Sie nur selten einen Vorgesetzten brauchen, der nach dem Rechten sieht.“

„Bilanz kann sich sehen lassen“

Ähnliches gilt für das Museumsteam, aber auch für das Sachgebiet Marketing und Tourismus. In allen Bereichen sei enorm viel geleistet worden, und es warte auch noch jede Menge Arbeit - unter anderm mit der neuen Museumskonzeption. Insgesamt konstatierte der scheidende Chef: „Die Bilanz der Abteilung kann sich sehen lassen.“ Mit folgendem Nachsatz wandte er sich natürlich noch an sämtliche Mitarbeiter: „Das ist in erster Linie Ihr Verdienst, nicht meins.“

Was lässt sich da noch sagen seitens der Belegschaft? Museumsleiterin Stefanie Schwarzenbek brachte es auf den Punkt: „Vielen Dank, dass du unser Chef warst.“ Menschlichkeit, Herzlichkeit und Offenheit seien bei Joachim Brüser stets an erster Stelle gestanden. Deswegen sei die gesamte Abteilung traurig, dass es ihn nun beruflich in die Villa Reitzenstein zieht. Andererseits aber hätten sich alle für ihn gefreut, dass er diese Chance bekommen hat.

An die zahlreichen Wegbegleiter in der Teckstadt gewandt, zeigte sich Joachim Brüser zuversichtlich, dass man sich irgendwo und irgendwann wieder begegnen werde - zumal er versprach: „Ich werde Kirchheim jetzt nicht komplett aus meinem Leben streichen.“

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