Kirchheim

Ein neuer Standort mitten in der Stadt

Weihnachtsaktion Die Lebenshilfe will im Steingau-Quartier eine große „Zweigstelle“ eröffnen – mit Wohnungen, Büroräumen sowie einem Familien- und Selbsthilfezentrum. Der Teckbote unterstützt das Projekt. Von Andreas Volz

Gemeinsam anpacken: Das gilt bei der Lebenshilfe nicht nur für schwierige Wegstrecken auf Ausflügen, sondern auch für das neue D
Gemeinsam anpacken: Das gilt bei der Lebenshilfe nicht nur für schwierige Wegstrecken auf Ausflügen, sondern auch für das neue Domizil im Kirchheimer Steingau-Quartier. Die Teckboten-Weihnachtsaktion bittet um Spenden für das Projekt. Foto: pr

Ab in die Mitte, heißt die Devise der Lebenshilfe Kirchheim: Nächsten Sommer will der Verein im Steingau-Quartier eine bedeutende „Filiale“ eröffnen - in der „Südspitze“ an der Ecke Paul-Schempp-Weg / Henriettenstraße. „Im Steingau-Quartier sind wir einfach mitten drin“, freut sich Geschäftsführer Martin Wirthensohn auf den neuen Standort, von dem er sich sehr viel mehr Möglichkeiten für Begegnungen verspricht. So schwebt ihm unter anderem vor, samstags vor Ort eine Betreuung für Kinder mit Behinderung zu organisieren, sodass die Eltern in Ruhe ihre Einkäufe erledigen können: „Wir wollen mit unseren Angeboten eben nicht nur die klassischen Bürozeiten abdecken.“

Insgesamt will die Lebenshilfe in drei verschiedenen Bereichen in der „Südspitze“ vertreten sein. Zum einen geht es um Wohnraum für Menschen mit Behinderung: in zwei selbstverwalteten Wohngemeinschaften sollen sieben Bewohner unterkommen. Zwei weitere Plätze sollen für das Ambulant Unterstützte Wohnen hinzukommen. Außerdem mietet die Lebenshilfe Büroflächen an, auf die sie dringend angewiesen ist, vor allem für die Offenen Hilfen. Der dritte Punkt ist das neue Familien- und Selbsthilfezentrum - als Anlaufstelle auch für Angehörige.

Wohnen mit Unterstützung

„Im Ambulant Unterstützten Wohnen sind die Leute sehr selbstständig“, sagt Martin Wirthensohn. Der Betreuungsbedarf, der trotzdem besteht, kann ganz unterschiedlich aussehen: „Die einen brauchen Unterstützung beim Wäschewaschen, die anderen beim Kochen - und wieder andere beim Umgang mit den Finanzen.“ Die größere der beiden WGs, mit vier Plätzen, soll sogar rollstuhlgerecht eingerichtet sein.

„Wir kümmern uns vor allem um Menschen mit geistigen Behinderungen oder mit einer Entwicklungsverzögerung, aber es gibt ja auch Menschen mit Mehrfachbehinderungen“, meint Martin Wirthensohn zur Notwendigkeit, auch Plätze für Rollstuhlfahrer anzubieten. „Wohnraum fehlt uns häufig“, spricht er ein generelles Problem an, „auch wenn wir einige Wohnungen haben.“ Derzeit gebe es Platz für 33 Menschen, mit dem Steingau-Quartier steigt diese Zahl dann auf über 40. Um die Plätze zum Start im Sommer auch belegen zu können, beginnt jetzt im Dezember bereits das Belegungsmanagement: „Den Bedarf dafür gibt es auf jeden Fall.“

Die zusätzlichen Büroflächen im Steingau-Quartier erklären sich weitgehend von selbst: Wo der Bedarf steigt, braucht es hin und wieder einfach neue Standorte. Ein ganz neues Angebot dagegen ist das Familien- und Selbsthilfezentrum: „Wir sind ein Selbsthilfeverein und wollen unseren Mitgliedern einen Mehrwert bieten“, erklärt Martin Wirthensohn den Ansatz: „Von der ersten Diagnose über die Geburt, den Kindergarten bis zur Schul- und Berufsausbildung ergeben sich Fragen, für die wir eine Anlaufstelle schaffen. Auch der Abnabelungsprozess heranwachsender und erwachsener Kinder spielt eine große Rolle. Da kann es zu Konflikten kommen wie in anderen Familien auch. Bei unserer Klientel gibt es aber noch eine Vielzahl spezieller Fragen.“

Assistenz und Begleitung sei wichtig für Menschen mit Behinderung, gerade auch mit einer geistigen Behinderung. „Wir haben schon sehr viel erreicht, was Teilhabe betrifft. Durch Corona braucht es da aber ganz neue Ansätze. Die Digitalisierung wäre ohnehin ein Thema geworden.“ So aber kam alles viel schneller. Die Schwierigkeiten, vor denen viele Leute mit Videokonferenzen stehen, verstärken sich mitunter deutlich, wenn eine geistige Behinderung dazukommt.

Für die Finanzierung der neuen Räumlichkeiten im Steingau-Quartier ist die Lebenshilfe auf Unterstützung angewiesen: „Wir haben einen Antrag auf Personalkostenzuschuss bei der Aktion Mensch am Laufen. Wir greifen stark auf unsere Rücklagen zurück. Wenn uns jetzt auch die Weihnachtsaktion des Teckboten weiterhilft, können wir damit unsere Eigenkapitalquote für das Projekt erhöhen.“

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