Kirchheim

„Ein neues Heim hat sich erhoben“

Hafenkäs Die Stadt Kirchheim feiert Richtfest für zwei Gebäude, die zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen vorgesehen sind, und lädt zur Baustellenbesichtigung ein. Von Andreas Volz

Im Hafenkäs sind die ersten beiden Gebäude zur Anschlussunterbringung in Kirchheim entstanden. Nun hat die Stadt dort Richtfest
Im Hafenkäs sind die ersten beiden Gebäude zur Anschlussunterbringung in Kirchheim entstanden. Nun hat die Stadt dort Richtfest gefeiert.Foto: Jean-Luc Jacques

Richtfest im Hafenkäs: „Was da in kürzester Zeit entstanden ist, kann sich sehen lassen“, sagte Kirchheims Oberbürgermeisterin zu einer großen Schar von Gästen, die sich die beiden Wohngebäude einmal aus der Nähe oder sogar von innen anschauen wollten. Im Sommer 2015 habe die Stadt erste Zahlen zur Anschlussunterbringung erhalten. Anfang Januar 2016 gab es die erste Bürgerinformationsveranstaltung zu den geplanten Neubauten im Hafenkäs. Jetzt wurde Richtfest gefeiert. Bezugsfertig sind die Gebäude Ende Januar oder Anfang Februar 2017.

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„Ich will nichts beschönigen“, führte die Oberbürgermeisterin weiter aus: „Es gab auch kritische Stimmen, weil hier Menschen einziehen werden, die wir noch gar nicht kennen. Wir wissen ja heute noch nicht, wer es eigentlich ist.“ Letzteres liegt daran, dass die Stadt noch keine Mitteilung vom Landratsamt erhalten hat, welche Menschen ihr zur Anschlussunterbringung zugewiesen werden. Folglich ist noch nichts über die Nationalitäten bekannt – so wenig wie über Familienstände und die Zahl der Angehörigen, die schon in Deutschland leben oder gegebenenfalls noch nachziehen.

Die neuen Gebäude kosten jeweils rund 1,1 Millionen Euro. Die sechs Wohnungen weisen Quadratmeterzahlen zwischen 55 und 80 auf und sind so zugeschnitten, dass sie sowohl für Familien geeignet sind als auch für mehrere Einzelpersonen, die dann eine Art Wohngemeinschaft bilden. In jedem der beiden dreigeschossigen Gebäude finden 34 Menschen Platz. Hinzu kommt noch ein kleineres Gebäude, das Räumlichkeiten für die Sozialberatung bietet, aber auch, um sich zu begegnen, zu reden oder Kaffee zu trinken.

Angelika Matt-Heidecker sprach von einer großen He­rausforderung – und davon, dass es viele Bürger gebe, die sagen: „Wir nehmen diese Herausforderung an.“ Gerade auch für die Nachbarschaft handle es sich um eine besondere Herausforderung. Deshalb wünschte sie sich, dass sich möglichst viele Anwohner in einem neu zu gründenden Nachbarschaftsnetzwerk engagieren. Entsprechende Kontaktformulare lagen beim Richtfest schon in großer Anzahl aus.

„Es wäre schön, wenn wir hier eine Bürgerschaft finden, die bereit ist, sich auf Neues einzulassen und uns in unseren Integrationsbemühungen zu unterstützen“, meinte die Oberbürgermeisterin, bevor sie zur Baustellenbesichtigung einlud, um sich ein Bild von den Häusern zu machen. „Das sind die ersten in unserer Stadt“, stellte sie fest und wollte damit sagen, dass auch an vielen anderen Ecken und Enden Kirchheims ähnliche Gebäude entstehen werden.

Bei den Integrationsbemühungen gehe es durchaus auch darum, „unsere Kultur zu vermitteln“. Umso mehr bedauerte die Rathauschefin, dass keiner der künftigen Bewohner zum Richtfest kommen konnte, da ja im Moment noch keiner diese künftigen Bewohner kennt. Denn das Richtfest als solches sei bereits ein alter, traditioneller und fester Bestandteil der heimischen Kultur: „Man feiert das, was die Handwerker geleistet haben.“

Diesen Worten Angelika Matt-Heideckers – der hochrangigsten Vertreterin der Stadt und damit der Bauherrschaft – ließ Zimmermeister Jörg Kruse von der Schlierbacher Firma Holz- und Dachbau Kruse Taten folgen. Zunächst sprach auch er mit dem Richtspruch feierliche Worte, um das Handwerk als solches zu ehren: „Ein neues Heim hat sich erhoben, wer es besieht, der muss es loben.“ Um „Glück und Frieden“ für die neuen Gebäude und die Menschen, die darin ein- und ausgehen, heraufzubeschwören, nahm er drei kräftige Schlucke Wein – auf die Bauherrschaft, auf die Architekten und auf das Zimmerhandwerk. Da sein Glas auf dem Grund ordentlich zersplitterte, dürfte das Glück gebannt sein.