Kirchheim

Ein Saunagang mit vielen Aufgüssen

Weindorf Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker hat gestern Abend auf dem Rollschuhplatz die Saison in Kirchheims fünftem Teilort eröffnet und die Wiederbelebung des Kirchheimer Weinbaus angeregt. Von Andreas Volz

Stilgerecht stand Kirchheims Oberbürgermeistern Angelika Matt-Heidecker gestern Abend zur Eröffnung des Weindorfs vor einem Wein
Stilgerecht stand Kirchheims Oberbürgermeistern Angelika Matt-Heidecker gestern Abend zur Eröffnung des Weindorfs vor einem Weinfass, das zum Rednerpult umfunktioniert worden war.Foto: Carsten Riedl

Wenn das Kirchheimer Weindorf Jubiläum feiert, steuert zu Ehren des Weingotts Bacchus auch der Sonnengott bei, was er so zu bieten hat. Zur Eröffnung der 30. Auflage des Weindorfs zitierte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker gestern reihenweise Teckboten-Überschriften: „Schweißtreibende Hitze“ hieß es beim zehnten Weindorf, „Schwüler Sonntag im August“ beim 20. und „Tropische Temperaturen“ beim Jubiläum, als das Weindorf zum 25. Mal über die Bühne ging.

Deswegen passt zur 30. Eröffnung eines Weindorfs in Kirchheim wohl nichts besser als der Vergleich mit einem Saunagang. Wesentlicher Unterschied zur tatsächlichen Sauna: Die Aufgüsse erfolgen mehrfach, ohne dass man deswegen den Sitzplatz wechseln muss. Im Idealfall treiben diese Aufgüsse - in Form von gut gekühltem Wein oder stark verdünntem Schorle - nicht noch zusätzliche Schweißtropfen aus den Poren, sondern bringen Kühlung.

Seit dem ersten Weindorf auf dem Rollschuhplatz hat sich viel geändert. Damals sei es noch ein langes Wochenende gewesen, bei Württemberger Wein und schwäbischen Spezialitäten, wie die Oberbürgermeisterin dem Archiv entnommen hat. Inzwischen sind Weine und Spezialitäten internationaler geworden. Auch die Wirte haben im Lauf der Zeit gewechselt. Den aktuellen Wirten - Michael Holz, Robert Ruthenberg und Walter Brackenhammer - wünschte sie, dass in den kommenden 18 Tagen die anvisierte Zahl von 20 000 Besuchern in „Kirchheims fünftem Teilort“ erreicht werden möge.

Von der nahen Zukunft sprang sie zurück ins 19. Jahrhundert: Am 19. Oktober 1852 gab es in Kirchheim nämlich ein Winzerfest - „am Rand der Weinberge an der Plochinger Straße“. Anlass dafür war der Besuch des Königspaars aus Hannover in Kirchheim. Königin Marie weilte bei ihrer Großmutter im Kirchheimer Schloss, „bei unserer Herzogin Henriette“.

Die Kirchheimer Weintradition reicht aber noch viel weiter zurück - bis an den Beginn des 12. Jahrhunderts. Deshalb machte die Oberbürgermeisterin dem Weindorf-Bürgermeister Michael Holz folgenden Vorschlag: „Lassen Sie uns den Weinbau in Kirchheim wieder aufbauen.“ Michael Holz griff die Idee aus Sicht des Event-Veranstalters gerne auf und sagte: „Dann freue ich mich jetzt schon auf die Wahl der ersten Kirchheimer Weinprinzessin.“ Das wiederum würde zurückführen ins Jahr 1852, als - dem Ton der Zeit entsprechend - noch die „anmutigen Winzerinnen“ gepriesen wurden.

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