Kirchheim

Ein Trio glänztmit sprudelnder Spielfreude

Konzert Mit Perlen der Kammermusik gastierte das „Trio con Passione“ gleich zweimal ­hintereinander in der Kirchheimer Stadthalle. Von Hans-Günther Driess

Aylin Köybasi und Siegfried Hartauer an der Violine und Cornelis Witthoefft am Klavier bilden das „Trio con Passione“.Foto: Hans
Aylin Köybasi und Siegfried Hartauer an der Violine und Cornelis Witthoefft am Klavier bilden das „Trio con Passione“. Foto: Hans-Günther Driess

Sie begeistern an diesem Abend ihr Publikum, die Violinisten Aylin ­Köybasi und Siegfried Hartauer, die gemeinsam mit dem ­Pianisten ­Cornelis Witthoefft Werke von Igor Strawinsky, Ludwig van ­Beethoven und Dmitri Schostakowitsch spielen.

In der „Suite Italienne“ von Igor Strawinsky präsentiert sich der Dirigent des Sinfonischen VHS-Orchesters Kirchheim ­Siegfried ­Hartauer als hervorragender ­Geiger. Im Zusammenspiel mit dem Pianisten Cornelis ­Witthoefft glänzt er durch differenzierte Gestaltung und sprudelnde Spielfreude.

Der international bekannte Kammermusikpianist und Professor an der Musikhochschule Stuttgart Cornelis Witthoefft besticht durch technische Brillanz, fein differenzierten Anschlag und Virtuosität. Sein Spiel zeigt die Symbiose aus Leichtigkeit, Konzentration und Perfektion. Sehenswert seine Gestik: Bisweilen legt er sich nach hinten, gräbt sich dann wieder fulminant in die Tasten, schaut traumwandlerisch an die Saaldecke und sein Gesichtsausdruck spiegelt die Musik „eins zu eins“ wider.

Igor Strawinsky zitiert in der „Suite Italienne“ Barockmusik aus dem Jahr 1750 mit Themen aus Trio­sonaten des Venezianers Domenico Gallo und befeuert die traditionellen Klänge immer wieder mit modernen Stilmitteln. Dies ruft die Neugierde der Zuhörer hervor und gibt der Komposition ihren besonderen Reiz. Die wilde Tarantella ist „Strawinsky pur“, ebenso die Harmonisierung des Menuetts, wo die Musik dissonant und hölzern wird und von gezupften Saiten und robusten Doppelgriffen geprägt ist.

Besonders eindrucksvoll gestaltet das Duo den Finalsatz. Die melodischen Fragmente des Italieners Gallo leuchten noch auf, werden aber niedergeschmettert, wenn Strawinsky seiner Vorliebe für perkussive Rhythmen und kantige Klangspielereien freien Lauf lässt. Siegfried Hartauer bewältigt die sehr anspruchsvollen Ton­ketten mit schönem Geigenton, rhythmischer Präzision und musikantischer Frische.

Die erst 24 Jahre alte Violinis­tin Aylin Köybasi begeistert im Zusammenwirken mit Cornelis Witthoefft in der Sonate für Klavier und Violine Nr. 7 c-Moll. Sie stellt ihre beachtliche künstlerische Reife mit feinem Ton, lupenreiner Intonation und ausdrucksvollem Spiel unter Beweis.

Das im Jahr 1802 komponierte Werk stammt aus der Zeit, in der die Schwerhörigkeit Beethovens einsetzt und in der sich das Selbstbewusstsein des ersten „freien Künstlers“ der Musikgeschichte in seiner Musik widerspiegelt. Der sogenannte „heroische Stil“ ist vor allem in den Moll-Außensätzen zu hören, deren pathetischer Ton sinfonisch anmutet und in denen sich Virtuosität, musikalischer Anspruch und wildes Aufbegehren verbinden. Im „Allegro con brio“ lassen die Künstler scheinbar mühelos die rasanten Läufe perlen und verdeutlichen die Kontraste zwischen der dramatischen und der lyrisch-weichen Ausdrucks­ebene.

Das „Adagio cantabile“ wird zum außergewöhnlichen Erlebnis des Abends. Beim beseelten ­Gesang der Geige über ­schlichten Akkorden des Klaviers ist man als Zuhörer geneigt, die Augen zu schließen, um Beethovens wunderbare Musik in sich hineinströmen zu lassen. Samtweich klingt der Zauberton der Violine und der „Poet am Klavier“ lässt sein Instrument „singen“. Die beiden Künstler faszinieren durch eine ausgefeilte Gestaltung der Dynamik und lassen die Musik wie ein Zwie­gespräch erscheinen.

Im Finalsatz und vor allem in der stürmischen Presto-Coda mit ihrem heroischen Pathos ist der Flügel stellenweise dominant, was dem Spielrausch geschuldet ist.

Die drei Instrumentalisten spielen als Abschluss des Konzerts ein Werk von Dmitri Schostakowitsch. Die „Fünf Stücke für zwei Violinen und Klavier“ sind ein Kaleidoskop aus verschiedenen Film- und Ballettmusiken des russischen Komponisten. Mit diesen eingängigen Tänzen und Klängen treffen die souverän und sichtlich fröhlich aufspielenden Musici den Geschmack des Publikums, das sich eine Zugabe erklatscht: „The ­Entertainer“ von Scott ­Joplin. Der gelungene Konzertabend zeigt, wie Musik Zuversicht und Freude bereiten kann in dieser schwierigen Zeit. Die Kultur bekommt wieder Auftrieb und dazu trägt nicht zuletzt der VHS-Kulturring bei, der beim Engagement des „Trio con Passione“ ein glückliches Händchen bewiesen hat.

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