Kirchheim

Eine etwas andere Kaffeefahrt

Fahrpreise Zwar nicht in Wien, aber immerhin in Kirchheim hat es ein wenig Kaffeehausromantik in den Linienbus geschafft. Nicht nur als Jux: attac wollte damit für ein günstiges VVS-Stadtticket werben. Von Peter Dietrich

Aktion „Kaffeekränzchen im Bus“, mit Günther Albrecht, Dagmar Heft, Heinz Pötzl, Günther Kern, Claudia Preuner und Hans Dörr (vo
Aktion „Kaffeekränzchen im Bus“, mit Günther Albrecht, Dagmar Heft, Heinz Pötzl, Günther Kern, Claudia Preuner und Hans Dörr (von links).Foto: Peter Dietrich

Die Fahrgäste der Buslinie 161 nach Ötlingen staunten am Samstagmorgen nicht schlecht: Da hatte sich doch glatt eine muntere Gruppe in angemessener Kleidung zum gemütlichen Kaffeekränzchen versammelt. Okay, ein klein wenig war die Gemütlichkeit während der kurvigen Fahrt dann doch beeinträchtigt. Aber verschüttet wurde nichts, Krawatten und alles andere blieb makellos sauber. Es wäre ja auch schade gewesen um den fair gehandelten Kaffee aus dem Kirchheimer Weltladen.

Der Tisch bestand aus einer dünnen und mit Kunststoff überzogenen Platte, die einfach auf die Knie gelegt wurde, sie war sogar mit einer hübschen Serviette beklebt. Manchmal ist es ratsam, sich an Profis zu wenden. Sie wissen was sie tun. Die Serviererin Dagmar Heft ist so ein Profi, sie kommt nämlich tatsächlich aus dem Gastronomiegewerbe. Sie hatte sich entsprechend eingekleidet: „Normalerweise laufe ich am Samstagmorgen nicht so rum.“

Die Herausforderung, im schwankenden Bus Kaffee auszuschenken, meisterte sie hervorragend, obwohl sie die Aufgabe schon als etwas schwieriger als normal empfand. Immerhin hatte die „Regionalgruppe Kirchheim und Umgebung“ von attac eine „flache“ Buslinie ausgesucht. Anfangs war mal die Linie 163 auf den Schafhof im Gespräch gewesen.

Dagmar Heft ging auch durch den Bus, um an Fahrgäste Marmorkuchen zu verteilen. Er wurde sehr gerne angenommen, die Flugblätter ebenfalls. Nur eine einzige Dame zeigte Unverständnis für die Aktion. Ein anderer Fahrgast war für den Kuchen noch etwas jung, da blieb besser der Schnuller im Mund. Ein Herr lobte ausdrücklich die Qualität des Kuchens. „Den habe ich gekauft“, gab Claudia Preuner offen zu, aber das war wohl ein richtig guter Bäcker.

Entstanden war die Kaffeekränzchen-Idee bei einem Workshop zur Agenda 2030. Die Aktion war natürlich mit dem Busunternehmen OVK abgesprochen. „Eberhard Dannenmann war sehr kooperativ“, lobte Günther Kern. „Bei allem, was den Busverkehr unterstützt, ist er dabei.“ Der Fahrer war vorab informiert, dass sein Bus vorübergehend geentert wird. Natürlich hat die attac-Regionalgruppe bei ihm für die Leute ohne Jahreskarte ganz normal Einzelfahrscheine gekauft.

Sie findet aber, dass diese zu teuer sind. „Ein Einzelticket kostet 2,50 Euro“, sagt Günther Kern. „Fahren zwei Leute mit einem Viererticket in die Stadt und zurück, sind das 9,50 Euro.“ Bei solch einem Fahrpreis müsste eigentlich ein Frühstück inbegriffen sein, befand die attac-Regionalgruppe. Besser fände sie jedoch ein vergünstigtes Stadtticket.

Zwischendurch wurde es im Bus mal richtig eng, zu mehreren Kinderwagen kam auch noch ein Rollator hinzu, aber auch das ließ sich meistern.

Das Zusammenpacken ging rasend schnell. Nach dem Ausstieg wurde das Kaffeekränzchen vor dem Kirchheimer Bahnhof noch ein wenig im Freien fortgesetzt.

Aus verschiedenen Gemeinderatsfraktionen hat Günther Kern bereits Unterstützungssignale für ein vergünstigtes Stadtticket erhalten. Daher sieht er für die Idee eine reale Chance. In welcher konkreten Form sie kommt, da ist die attac-Regionalgruppe sehr flexibel. Günther Kern kann sich auch eine günstige Tageskarte vorstellen.

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