Kirchheim

Eine Kämpferin für Menschen geht

Verabschiedung Ingrid Riedl, die Leiterin der Diakonie-Bezirksstelle in Kirchheim, tritt in den Ruhestand. In die Christuskirche waren viele Weggefährten zur bunten Feier gekommen. Von Iris Häfner

Ingrid Riedl an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Jean-Luc Jacques
Ingrid Riedl an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Jean-Luc Jacques

Der offizielle Teil beginnt und ein herzhaftes Lachen schallt durch die Christuskirche: Es kommt von Ingrid Riedl, die sich soeben auf ihren Platz in der ersten Reihe setzt und sich kostümiert mit Hut und Anzug auf einem Foto in der Dia-Schau entdeckt - und an diesem Abend als Leiterin der Diakonie-Bezirksstelle verabschiedet wird. „Dieser Abend steckt voller Überraschungen“, konstatiert dann auch Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands und Moderator, gegen Ende der Veranstaltung.

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Aus vier Redebeiträgen werden neun, dazu noch Musik, Gesang und zwei Sketche. Das macht jedem der Gäste in der nahezu voll besetzten Christuskirche in Kirchheim klar, welche Wertschätzung Ingrid Riedl von vielen Seiten entgegengebracht wird. „Nahe an den Menschen dran zu sein, das ist das, was Ingrid Riedl auszeichnet“, charakterisiert Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die künftige Ruheständlerin. Sie habe die richtige Richtung vorgegeben und den Blick auf die Notlage von Menschen gerichtet. „Sie ist eine Kämpferin gegen Armut und Wohnungsnot. Sie hat den Daumen in die Wunde gelegt und uns in der Verwaltung immer wieder geerdet“, so Matt-Heidecker.

Für die Evangelische Kirchenpflege Kirchheim ergreift Bernd Kemmner das Wort. Auf dem langjährigen Weg sei man gemeinsam ergraut. „Wir waren ein gutes Gespann, auch wenn zwei Welten aufeinandertrafen - aber die Finanzen sind auch wichtig“, sagt er mit einem Augenzwinkern in Richtung Ingrid Riedl, deren Arbeit nach außen in vielen Fällen kaum sichtbar gewesen sei. Anders verhält es sich mit dem Kleiderladen im Eckpunkt. „Das war ein landesweites Vorzeigeprojekt“, sagt Kemmner.

„Zwölf Jahre warst du unsere Chefin, hast uns alle im Blick gehabt und bist immer für uns eingestanden“, erklärt Dorothee Ostertag-Sigler im Namen der Kolleginnen, die in einem mehrstrophigen Lied über ihre Vorgesetzte auch manches Geheimnis preisgeben. Launig wird auch Karl-Albrecht Schmauder, Vorstandsvorsitzender der AG Hospiz und der Sanwaldstiftung. Er gibt Tipps für den kommenden Ruhestand, den er schon kennt: „Lassen Sie sich Zeit mit dem Ehrenamt“, rät er.

Heiko Brendel, Vorstandvorsitzender Diakonie und Gemeinde, bringt einen bunten Luftballon in Schmetterlingsform mit. Lebensfroh sei Ingrid Riedl wie so viele in die Berufswelt gestartet, doch manche schwierige Situation lasse die Leichtigkeit dahinschwinden, wie die an der Ballonschnur befestigten Kärtchen verdeutlichen. Die Früchte der Arbeit wie Erfahrungsschatz und Erfolg würden aber wieder zur Leichtigkeit und Unbeschwertheit beitragen - auch wenn nicht alles an einem spurlos vorbeigegangen ist.

Anne Burkhardt vom Fachbereich Sozial- und Lebensberatung hält die Laudatio, ehe eine Frau vom Gaiserplatz spontan um Rederecht bittet. Aus ihrer Bewunderung für Ingrid Riedl macht sie keinen Hehl. In nahezu jeder Rede ist das Stichwort Gaiserplatz aufgetaucht. Dort kümmert sich die künftige Vorruheständlerin um die Menschen, die sich dort treffen.

Ingrid Riedl hat ein warmes Herz für Menschen in schweren Lebenslagen, attestiert Eberhard Haußmann seiner Mitarbeiterin. „Langmut und Barmherzigkeit, Loyalität und Treue kennzeichnen sie“, sagt er und steckt ihr das Kronenkreuz in Gold, das Dankzeichen der Diakonie, an. „So manchen Strauß haben wir ausgefochten, die Vase aber nie zerschlagen“, beschreibt er das Arbeitsverhältnis.

Zum Schluss ergreift Ingrid Riedl selbst das Wort: „Die 34 Jahre waren eine spannende und erlebnisreiche Zeit. Die soziale Landschaft hat sich stark verändert - ein bunter Strauß mit immer neuen Blüten.“ Der Diakonische Grunddienst sei ein hohes Gut mit erheblicher Freiheit. „Wir können ein Stück weit selber die Inhalte bestimmen. Ohne diese Freiheit wäre das Projekt Gaiserplatz nicht möglich gewesen“, sagt sie.