Kirchheim

Eine Mensa wagt den Spagat

Schulverpflegung Die Lugeria am Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium bereitet sich auf eine Öffnung kurz nach den Pfingstferien vor. Die Essbar im Schlossgymnasium ist noch in Wartestellung. Von Bianca Lütz-Holoch

Hinter der neu installierten Plexiglasscheibe bereiten die Lugeria-Vorstandsmitglieder Claudia Gerlach-Reck (links) und Andrea S
Hinter der neu installierten Plexiglasscheibe bereiten die Lugeria-Vorstandsmitglieder Claudia Gerlach-Reck (links) und Andrea Schmid die Öffnung der Mensa am LUG vor. Künftig gelten dort strenge Hygienevorschriften. Foto: Carsten Riedl

Die Arbeitsflächen sind unbenutzt, die Herdplatten kalt und die Kühlschränke leer. Wo Eltern normalerweise Tag für Tag für Schüler kochen, herrscht seit Wochen Stillstand: Mit den Schulschließungen nach dem Ausbruch des Coronavirus haben auch die ehrenamtlich betriebenen Mensen der beiden Kirchheimer Gymnasien den Betrieb eingestellt. Nach den Pfingstferien kehren nun Schüler aller Stufen zumindest phasenweise wieder in die Klassenzimmer zurück. Darauf reagieren auch die „Lugeria“ am Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG) und die Essbar am Schlossgymnasium - allerdings unterschiedlich: Die Lugeria prescht vor, während die Essbar sich noch zurückhält.

„Wir planen, die Schulmensa im Rahmen eines Pilotversuchs wieder aufzumachen“, sagt Andrea Schmid, erste Vorsitzende des gemeinnützigen Mensavereins am LUG. Angepeilt ist die zweite Woche nach den Pfingstferien, sofern es die Lage dann zulässt. Der aktuelle Stand jedenfalls ist: „Die Mensa darf öffnen.“ Schon seit längerem macht sich der Lugeria-Vorstand Gedanken darüber, wie der Betrieb in Einklang mit den strengen Hygienevorschriften gebracht werden kann. „Unser Konzept stimmen wir eng mit der Stadt und der Schule ab und berücksichtigen die Vorgaben des Kultusministeriums“, betont Andrea Schmid.

Aber auch wenn wieder Leben in die Küche kommt - vom Normalbetrieb wird die Lugeria weit entfernt sein. An der Essensausgabe sind jetzt Plexiglasscheiben montiert, und eine neue „Sitzordnung“ mit genügend Abstand ist ausgetüftelt. „Jedes Mal, wenn ein Schüler gegessen hat, werden Sitzplatz und Tablett desinfiziert“, schildert Claudia Gerlach-Reck, Koordinatorin für den Mensabetrieb und Elternbeiratsvorsitzende am LUG, das geplante Vorgehen. Eine Mitarbeiterin soll sich ausschließlich darum kümmern. Besteck und Getränke dürfen sich die Schüler nicht mehr selbst nehmen. Stattdessen wird alles in der Küche aufbewahrt. Klar ist zudem: Die ehrenamtlichen Köchinnen brutzeln und schnippeln ausschließlich mit Mundschutz. Wer keinen hat, bekommt einen gestellt: „Wir haben vorsorglich Masken genäht“, sagt Andrea Schmid.

Ändern wird sich auch die Speisekarte: „Wir reduzieren auf jeden Fall das Essensangebot“, kündigt Claudia Gerlach-Reck an. Salate etwa soll es keine geben. „Sie sind kritischer als gekochte Speisen.“ Auch die selbstgebackenen Kuchen, die Eltern gewöhnlich zu Hause backen und spenden, sind aus Hygienegründen tabu.

Angesichts der reduzierten Schülerzahl im Schulhaus gehen Andrea Schmid und Claudia Gerlach-Reck davon aus, dass höchstens 100 statt wie gewöhnlich bis zu 300 Kinder am Tag verpflegt werden. „Es dürfen ohnehin nur 50 Personen gleichzeitig in der Mensa sein“, so Schmid. Dass sie mit der schnellen Öffnung nach den Pfingstferien einen Spagat wagen, ist den engagierten Frauen bewusst: „Zweck und Auftrag unseres Vereins ist es aber, Kinder mit gutem und günstigen Essen zu versorgen“, betont die Vorsitzende. Und für manche Schüler sei die Mensa die einzige Gelegenheit, ein warmes Essen am Tag zu bekommen. Ein weiterer Punkt: Den frühen Wiedereinstig betrachten die Vorstandsmitglieder schon als Testlauf für die nächste Phase nach den Sommerferien.

Zurückhaltender zeigt sich der Mensaverein Essbar am Kirchheimer Schlossgymnasium. Einen konkreten Termin für die Wiedereröffnung gibt es dort noch nicht. Ein Konzept für eine abgespeckte Versorgung der Schüler am Schloss liegt aber in der Schublade. „Angedacht haben wir eine Art Imbiss, den lediglich die drei hauptamtlichen hauswirtschaftlichen Kräfte stemmen“, sagt Jens Graner, erster Vorsitzender der Essbar. Bevor solch eine „Notversorgung“ startet, wollen Vereinsvorstand und Schulleitung aber die nächsten Wochen abwarten. „Wir möchten erst einmal sehen, wie der Schulbetrieb anläuft und wie hoch der Bedarf ist“, sagt Jens Graner. Wird ein Mittagsimbiss gebraucht, ist alles vorbereitet, um kurzfristig reagieren zu können.

Nicht vorstellen kann sich Jens Graner im Moment, die ehrenamtlichen Köche in die Mensa zu holen. „Die Belastung für die Eltern ist zurzeit ohnehin sehr hoch und ich kann nicht erwarten, dass sie sich jetzt noch mit Maske in die Schulküche stellen“, sagt er. Dazu kommt, dass die Küche im Schlossgymnasium ohnehin recht klein und eng ist: „Die erforderlichen Abstände lassen sich bei mehr als einer Minimalbesetzung gar nicht einhalten“, so Graner.

Noch kein Termin für die anderen Schulen

Die Mensen der beiden Gymnasien haben eine Sonderstellung in Kirchheim: Sie werden von gemeinnützigen Vereinen getragen, und es kochen Eltern und andere Ehrenamtliche.

Die übrigen Kirchheimer Schulen werden - ebenso wie die Kitas - von einem zentralen Anbieter beliefert. Das Essen wird kalt angeliefert, in den Küchen der Einrichtungen aufgewärmt und ausgegeben.

Einen konkreten Zeitpunkt, wann die Mensen an den übrigen Kirchheimer Schulen öffnen, gibt es dem Pressesprecher der Stadt Kirchheim zufolge noch nicht: „Solange wir noch nicht wissen, in welchem Umfang auch Nachmittagsunterricht stattfindet, ist es schwierig, den Bedarf einzuschätzen“, sagt Robert Berndt. Grundsätzlich sei die Stadt aber in der Lage, kurzfristig zu reagieren: „Wir stehen in den Startlöchern.“bil

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