Kirchheim

Eine Serenade mit Perlen der Barockmusik

Konzert Das Orchester der Kirchheimer Volkshochschule bringt Stimmung in die Martinskirche.

Kirchheim. Ein stattliches Publikum ließ sich von einem üppigen Programm mit fünf Solokonzerten dazu animieren, in die angenehm kühle Martinskirche Kirchheim zu kommen. Das Orchester der Volkshochschule Kirchheim unter der Leitung von Sabine Bruns hatte ein reizvolles Programm ausgewählt: Konzerte für Bläser und Streicher, meist gemischt und in wohldurchdachter Reihenfolge - das versprach exquisiten Hörgenuss. Den Zuhörern wurde es dann doch immer wieder recht warm, der Funke der Begeisterung, mit der alle Akteure zu Werke gingen, sprang schnell auf die Zuhörer über.

Dabei hatten es die Musiker nicht leicht. Eine sehr hallige Raumakustik verlangte ein anderes Spiel als im Probenraum oder im häuslichen Musizierzimmer. Lautstärke, die Deutlichkeit der Artikulation und ein angepasstes Tempo - das wollte innerhalb des Orchesters abgestimmt und mit den Möglichkeiten der verschiedenen Solisten abgeklärt werden. Dies stellte sich als recht anspruchsvolle Aufgabe heraus, die Sabine Bruns mit energischen Dirigiergesten angenommen hatte. In den ersten beiden Werken fand sie sich mehr und mehr in diese vielschichtige Aufgabe hinein.

Im Konzert für Trompete und Violine D-Dur von Georg Phi­lipp Telemann ragten aus der etwas verschwommenen Orchesterbegleitung die virtuosen und zugleich melodiösen Geigensoli von Irina Hornung und der klare unaufdringliche Klang der Trompete von Heike Laudacher heraus.

Die Fagottistin Ulrike Seidler machte ihre Sache im Konzert e-Moll von Antonio Vivaldi besonders in allen cantablen Passagen vorzüglich. In den ab und zu leicht verwischten Teilen der schnellen Sätze war das präzise Cembalo in den Händen Brigitte Schroths für alle eine verlässliche Stütze.

Zwei Solisten gegen neun Bassisten

Im dritten Werk hatten sich die Akteure in die Saalakustik eingehört: Das Concerto grosso in d-Moll „La Follia“ von Francesco Geminiani brachte eine Fülle von Variationen über eines der bekanntesten musikalischen Themen; da wäre vielleicht die eine oder andere Auswahl erlaubt gewesen. Alle Gruppen musizierten hier im wahrsten Sinn miteinander, wenn auch der Ursprung aus den Violinsonaten Corellis nicht zu verleugnen ist.

Den zweiten Teil eröffnete die Sinfonia g-Moll von Tomaso Albinoni, und sie knüpfte an den Fanfarenklang des Anfangs an - eine kluge Auswahl, auch wenn man sich über divergierende Tempoauffassungen zu einigen hatte. Im folgenden Concerto grosso für zwei Flöten h-Moll von Georg Philipp Telemann mussten sich die zunächst zart musizierenden Solisten Susanne Breckel und Michael Wisotzky gegen eine neunköpfige Übermacht an selbstbewusst musizierenden Bassisten, angeführt von Reinhard Klay, behaupten. Dies gelang dank der Interventionen der Dirigentin mehr und mehr, sodass die beiden Flötisten klanglich gut ins Stück hineinfanden und den Raum füllen konnten.

Den musikalischen Höhepunkt bildete schließlich ohne Zweifel das berühmte Konzert d-Moll für Violine und Oboe von Johann Sebastian Bach, gespielt von Irina Hornung und Hanna Seiz. Das Orchester begleitete engagiert, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu rücken. Die Solistinnen konnten sich die Phrasen gelöst zuspielen: So begeisterte dieses oft gespielte und gehörte Stück auch an diesem Abend, weil überaus motivierte Spieler unter zupackender Leitung alles gaben. Ulrich Kernen

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